“Wir haben uns nicht unterkriegen lassen”

Es ist wie meist nach Unentschieden: Rundum glücklich ist keiner. Sehr gerne hätten die Bittenfelder Zweitliga-Handballer den siebten Sieg hintereinander gefeiert, mussten sich aber mit einem 26:26-Remis gegen die TSG Friesenheim begnügen. Andererseits: Die „Eulen“ waren das stärkste Team, das sich in dieser Saison in der Scharrena präsentierte.

Mit einem doppelten Punktgewinn wäre der TVB, nach Verlustpunkten, auf den dritten Platz geklettert. Nach dem Unentschieden bleibt er Fünfter – allerdings fehlen lediglich zwei Pünktchen zum Aufstiegsrang. Davon abgesehen, dass in Bittenfeld aktuell keiner offiziell über die 1. Liga spricht, hat sich an der Situation also wenig geändert. Außer der Tatsache, dass die HSG Nordhorn-Lingen, nächster Heimgegner des TVB, den spielfreien Bietigheimern den dritten Rang weggeschnappt hat.

An der Leistung der Bittenfelder am Freitag gab’s nicht übermäßig viel zu kritisieren. „Wir haben kämpferisch alles reingehauen, was wir hatten“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Und wir haben uns durch nichts unterkriegen lassen.“ In der Verfassung vom November, da ist sich der Coach ziemlich sicher, wäre sein Team gegen „diesen robusten Gegner mit einem super Torhüter“ leer ausgegangen.

Kogut und Klier demonstrierten ihre Klasse

Anlässe gab’s am Freitag reichlich, aus der Spur zu kippen. So wussten die Bittenfelder im Vorfeld um die Stärken der Friesenheimer „Eulen“. Allein: Im einen oder anderen Fall liegen Theorie und Praxis eben doch ein Stück weit auseinander. Allen voran in den ersten 30 Minuten fanden die TVB-Angreifer in Kevin Klier ihren Meister: Gleich zehnmal parierte der Gästekeeper, der wesentlichen Anteil daran hatte, dass die Friesenheimer nur mit dem 11:12-Rückstand in die Pause gingen.

Im ersten wie im zweiten Spielabschnitt hatte der TVB mehrfach die Gelegenheit, auf zwei oder drei Tore wegzuziehen, war aber zu nachlässig im Abschluss oder leistete sich in der Abwehr leichte Fehler. Die nutzte der überragende Andrej Kogut clever aus. „Ihn haben wir nicht in den Griff bekommen, obwohl wir uns gut vorbereitet hatten“, sagt Schweikardt. Ihre individuelle Klasse zeigten im zweiten Spielabschnitt auch der Ex-Lemgoer Gunnar Dietrich und Stefan Lex. Der Bittenfelder Trainer musste reagieren, ließ phasenweise Florian Schöbinger auf der Halbposition verteidigen – was dem Allrounder auch im Angriff für ein paar Minuten eine außergewöhnliche Position bescherte: Als Rechtshänder gelang Schöbinger von Rechtsaußen sogar ein Treffer.

In der spannenden Schlussviertelstunde schmeckte dem Trainer auch die Regelauslegung der Schiedsrichter Marcus Hurst und Mirko Krag nicht, die übers gesamte Spiel hinweg keinen souveränen Eindruck machten. „Da sind einige Pfiffe zumindest nicht zu unseren Gunsten ausgefallen.“ Zudem habe die Defensive die letzte Konsequenz vermissen lassen: „Wir hatten die Friesenheimer dreimal am Zeitspiel und kassierten ärgerliche Schlagwurftore.“

Einerseits sei „deutlich mehr drin“ gewesen in diesem Top-Spiel, das die Erwartungen rundum erfüllte. Mit ein bisschen Pech indes wären die Bittenfelder leer ausgegangen. So übernahmen Dennis Szczesny und Michael Schweikardt in der entscheidenden Phase nach der 53. Minute Verantwortung und retteten dem TVB nach viermaligem Rückstand wenigstens einen Zähler.

Mit aller Macht verteidigten die Bittenfelder den letzten Friesenheimer Angriff, für den die Gäste 18 Sekunden Zeit hatten. Den Spielzug mussten die „Eulen“ schon während der Auszeit ansagen, danach gab’s keine Möglichkeit mehr der akustischen Kommunikation: Die 2049 Zuschauer in der ausverkauften Scharrena begleiteten, sofern sie nicht „Eulen“-Fans waren, die finalen Bemühungen der Gäste mit einem gellenden Pfeifkonzert. „Das waren gefühlte 200 Dezibel“, gab der Friesenheimer Kreisläufer Erik Schmidt hernach zu Protokoll.

Schon gestern richtete sich Schweikardts Blick auf die nächste schwere Aufgabe am kommenden Freitag (19.30 Uhr) in Großwallstadt: Gegen den Ex-Erstligisten reichte es für den TVB im Hinspiel lediglich zu einem 25:25-Unentschieden – und er befindet sich damit in bester Gesellschaft mit Tabellenführer Erlangen, der sich ebenfalls mit einem Remis begnügen musste. Noch schlechter erging’s dem Dritten HSG Nordhorn-Lingen und dem Vierten SG BBM Bietigheim, die komplett leer ausgingen.