“Die Anspannung war bei allen zu spüren”

Der 19. Spieltag in der 2. Handball-Bundesliga ist ein außergewöhnlicher gewesen: In acht Spielen triumphierten sechsmal die Gäste – darunter der TV Bittenfeld mit 35:26 beim TV Hüttenberg. Entsprechend erleichtert war der TVB-Trainer. „Wir wollten unbedingt unseren Trend fortsetzen“, sagt Jürgen Schweikardt. „Die Anspannung vor dem Spiel war bei jedem zu spüren.“

Die unangenehmen Nachrichten vor dem Rückrundenstart mussten die Zweitligisten bereits am Freitag vernehmen: Der sofortige Rückzug der TSG Tarp-Wanderup und das mögliche Aus der SG Leutershausen nach der Saison werfen wieder einmal kein gutes Licht auf den Handball (siehe Artikel rechts). Für den Bittenfelder Trainer ist’s der Beweis, „dass es für die Vereine problematisch ist, wenn die Infrastruktur fehlt“, sagt Jürgen Schweikardt. „Hätten wir uns nicht für den Schritt nach Stuttgart entschieden, wären wir möglicherweise irgendwann auch in eine schwierige Situation gekommen.“

Nach wie vor indes war für Schweikardt der Zusammenschluss der zweiten Ligen der richtige Schritt, um den Abstand zwischen der 1. und 2. Liga zu verringern. „Aber vielleicht sollte darüber nachgedacht werden, die Liga auf 18 Teams zu reduzieren.“ Aktuell beschäftigt sich der Coach mit anderen Dingen. Vor dem Rückrundenauftakt in Hüttenberg war ihm nicht ganz so wohl. Der TVH hatte sich, ehe die beiden Niederlagen um Weihnachten folgten, mit einer Serie von 13:1 Punkten von den Abstiegsrängen verabschiedet. Die Bittenfelder wollten nach dem tollen Spiel in Bietigheim und nach der fünfwöchigen Spielpause einen Rückschlag unbedingt verhindern.

Das gelang ihnen eindrucksvoll. „Wir waren von Anfang an präsent“, sagt Schweikardt. In Abwesenheit des verletzten Dennis Szczesny zeigte Dominik Weiß im linken Rückraum eine prima Leistung, auch sonst flutschte es ordentlich im Angriff. Lars Friedrich traf und vor allem die Achse Michael Schweikardt/Simon Baumgarten harmonierte sehr gut. „Micha hat da weitergemacht, wo er im vergangenen Jahr aufgehört hat“, sagt sein Bruder. „Das ist ganz wichtig für uns.“ Sehr gut gefallen hat dem Trainer auch die Abwehr. Der Mittelblock mit Florian Schöbinger und Dominik Weiß, vor dem guten Keeper Jürgen Müller, habe sicher gestanden. So zogen die Bittenfelder nach der 17:13-Halbzeitführung zum 23:16 davon (40.) und sorgten rasch für die Vorentscheidung. Am Ende stand der souveräne 35:26-Sieg.

Ein Haar in der Suppe fand Schweikardt aber doch. „Wir hatten Phasen im Spiel, in denen wir zu lässig agierten. Das hat mir nicht so gefallen.“ Seine Spieler müssten daran arbeiten, konzentriert und konsequent zu bleiben.

Schon gestern begann die Vorbereitung auf das Spiel gegen Altenholz am Samstag. Der TSV ist zwar Vorletzter mit nur sieben Punkten, zwei davon hat er jedoch im Hinspiel beim 27:25 gegen den TVB geholt. Ein zweites Mal möchte sich Schweikardt vom Aufsteiger nicht düpieren lassen.

Mit dem vierten Sieg in Folge könnte der TVB noch näher an die Tabellenspitze heranrücken. Zwei der drei Top-Teams blieben am Wochenende ohne Punkte: Der Spitzenreiter HC Erlangen musste sich beim EHV Aue mit 22:28 geschlagen geben, der Zweite TSG Friesenheim unterlag in eigener Halle TUSEM Essen mit 32:36. Nur hauchdünn schrammte der Dritte SG BBM Bietigheim beim 27:26-Sieg an einer Pleite vorbei. Wäre auch die SG leer ausgegangen, hätten den Dritten vom Zwölften lediglich drei Punkte getrennt. Nun sind’s fünf.

Info

Die meisten Fans werden’s schon mitbekommen haben: Weil der VfB Stuttgart am Sonntag zu Hause gegen den FC Augsburg spielt, musste der TV Bittenfeld sein Heimspiel gegen den TSV Altenholz von Sonntag auf Samstag (20 Uhr) vorverlegen. Der TVB weist darauf hin, dass die im Vorverkauf erworbenen Tickets mit dem Sonntag-Aufdruck selbstverständlich gelten.

Noch ein Rückzug?

Die TSG Tarp-Wanderup hat den Spielbetrieb eingestellt und steht als erster Absteiger aus der 2. Liga fest (wir haben berichtet). Nun stehen offensichtlich auch bei der SG Leutershausen die Zeichen auf Rückzug. Laut einer Pressemitteilung wird sich die SG – unabhängig vom sportlichen Ausgang dieser Saison – nicht um eine Lizenz für die 2. Liga in der kommenden Spielzeit bewerben, sollte sie in den kommenden vier Wochen keinen Hauptsponsor finden.

Für SGL-Geschäftsführer Jörn Schmitt ist die Rückkehr in die 3. Liga der einzig gangbare Weg: „Den hohen Kosten in der 2. Liga sind wir auf Dauer ohne Hauptsponsor nicht gewachsen, deswegen ziehen wir nun rechtzeitig die Konsequenz“, sagt er. So oder so: Die Verantwortlichen haben angekündigt, die Runde ordentlich zu Ende spielen zu wollen.

Damit wird die eingleisige 2. Liga auch in ihrem dritten Jahr des Bestehens nicht von Insolvenzen verschont. Im ersten Jahr zogen der TV Korschenbroich, die HSG Düsseldorf und der DHC Rheinland zurück. In der vergangenen Saison kam für den SV Post Schwerin das Aus.

„Das ist einmal mehr eine ganz unglückliche und unerfreuliche Situation für den Handball“, sagt Günter Schweikardt, Sportlicher Leiter des TV Bittenfeld. Davon abgesehen, dass das Image leide, seien die anderen Vereine die Leidtragenden. So hat der TVB beispielsweise ein Heimspiel weniger und damit geringere Einnahmen. „Ärgerlich ist’s auch, weil’s Vereinbarungen gibt mit unseren Partnern“, sagt Schweikardt.

Eine Idee, die Insolvenzanträge während der Saison zu verhindern, hat der Sportliche Leiter im Moment nicht. „Schlussendlich sind die Vereine in der Verantwortung.“