Ausverkaufte SCHARRena soll TVB beflügeln

Nach 51 Jahren ist es am Mittwoch wieder so weit: Der TV Bittenfeld und FA Göppingen treffen in einem Pflichtspiel aufeinander. Der Erstligist ist heute in der mit 2049 Fans ausverkauften Scharrena favorisiert, die Bittenfelder können mit der Außenseiterrolle gut leben. „Wir wollen das Spiel genießen und uns gut präsentieren“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Bittenfeld und der DHB-Pokal: War da nicht was? Im September 2009 trat der Erstligist Rhein-Neckar Löwen in der Gemeindehalle an – und schlitterte haarscharf an der Blamage vorbei. Mit viel Dusel siegten die Löwen, 33:32 hieß es nach Verlängerung. Die 1200 Bittenfelder Fans feierten ihren TVB trotzdem – unter anderem Bastian Rutschmann: Der Keeper überragte mit 23 Paraden und stach die Nationaltorhüter Henning Fritz und Slawomir Szmal bei den Löwen klar aus.

Mittlerweile ist Rutschmann in die beste Handball-Liga aufgestiegen und wird heute auf seine ehemalige Mannschaft treffen. Ob der 30-Jährige im Tor stehen oder auf der Tribüne sitzen wird, ist allerdings noch nicht sicher: Bei FA Göppingen hat „Rutscher“ die beiden Weltklasse-Torhüter Primoz Prost und Nikola Marinovic vor der Nase. „Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn ich im Kader wäre“, sagte Rutschmann gestern am Telefon. „Erstens, weil’s gegen die alten Kollegen geht, und zweitens, weil’s ein wichtiges Spiel für uns ist.“

Göppingen ist das Aushängeschild in Württemberg

Für sein Team sei der Pokal eine gute Gelegenheit, den verloren gegangenen Kredit bei den Göppinger Fans zurückzuholen. „Wir sind heiß und wollen unbedingt gewinnen“, sagt Rutschmann. „Wenn wir Bittenfeld jedoch unterschätzen, wird’s nicht einfach.“ Der Bittenfelder Trainer geht nicht davon aus, dass der Gegner sein Team auf die leichte Schulter nehmen wird. Das bittere Pokal-Aus beim Zweitligisten TV Neuhausen/Erms vor zwei Jahren sei den Göppingern sicher eine Warnung gewesen, sagt Jürgen Schweikardt. „Wenn sich Frisch Auf gewissenhaft auf uns vorbereitet, ist das für uns eine Anerkennung.“

Ein besonderes Spiel sei’s für den TVB allemal. „Göppingen ist das Ausgängeschild des Handballs in Württemberg.“ Hinzu kommt, dass die Familie Schweikardt eine spezielle Beziehung zu Frisch Auf hat: Der Sportliche Leiter Günter Schweikardt wurde mit Göppingen 1972 Deutscher Meister. Michael Schweikardt spielte von 2003 bis 2010 unter dem Hohenstaufen und ist heute noch mit einigen Spielern befreundet. „Besonders aufgeregt bin ich aber nicht“, sagte Michael Schweikardt gestern bei der Pressekonferenz des TVB. „Ich versuche, mich aufs Spiel zu konzentrieren.“ In diesem steckt einige Brisanz. „Das Medieninteresse ist für unsere Verhältnisse riesig“, sagt Jürgen Schweikardt. Auch die Fans fiebern dem württembergischen Duell entgegen. Die Scharrena war nach dem Start des Vorverkaufs binnen einer Viertelstunde mit 2049 Fans ausverkauft, gerne wäre der TVB in die dreimal so große Porsche-Arena ausgewichen. Die indes ist diese Woche belegt. Auch aus dem Kompromiss, die Scharrena mit Stehplätzen aufzurüsten, wurde nichts: Die Stadt Stuttgart lehnte den Antrag aus Sicherheitsgründen ab. „Ich denke, wir hätten auch die Porsche-Arena voll bekommen“, sagt Jürgen Schweikardt. Auch von Göppinger Seite sei das Interesse am Derby groß, sagt sein Bruder. Der bot auf seiner Facebook-Seite kurzfristig zwei Tickets an, rund 700 Fans wollten die Karte haben.

Nun hoffen die Bittenfelder, dass sie ihren Zuschauern ein gutes Spiel bieten können. „Der Ausgang ist nicht so entscheidend“, sagt der Trainer. „Wir möchten uns von der ersten Minute an gut präsentieren.“ Göppingen sei klarer Favorit, weil es individuell besser besetzt sei. Immerhin elf Nationalspieler – unter anderem Momir Rnic, Michael Kraus, Christian Schöne und Manuel Späth – stehen im Kader. Erwische Göppingen einen guten Tag, habe der TVB keine Chance. Sollte der Erstligist allerdings Schwächen zeigen, wolle sein Team die Chance nützen und den Favoriten möglichst lange ärgern – so wie im Jahre 1962. Vor 3000 Zuschauern führte der TVB als Aufsteiger in die höchste Spielklasse, der Württemberg-Oberliga, in der Esslinger Schelztorhalle zur Pause mit 8:5 und musste sich am Ende mit 10:14 geschlagen geben.

Mit übermäßigem Selbstvertrauen dürften die Göppinger nicht nach Stuttgart reisen. Vergangene Woche trennte sich der Verein nach 12:22 Punkten und nur vier Siegen in 17 Spielen von seinem Trainer Velimir Petkovic. Die Interimslösung Aleksandar Knezevic feierte nicht gerade einen glücklichen Einstand mit dem 24:24 gegen Wetzlar. „Knezes“ Kritik an der „psychisch und physisch schlechten Verfassung“ trug auch nicht gerade zur Harmonie bei.

Für Jürgen Schweikardt kommt der Trainerwechsel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Stammspieler wollten unter dem neuen Trainer ihre Position verteidigen, die anderen wollten sich aufdrängen. „Und wir wollen Göppingen einen großen Kampf bieten.“ Wie vor vier Jahren, als der Bittenfelder Trainer gegen die Löwen, damals noch als Spieler, beinahe zum Helden wurde: 30 Sekunden vor Schluss führte der TVB mit 27:26. Schweikardts Wurf trudelte zum vermeintlichen 28:26 und damit zur Entscheidung ins Tor, die Schiedsrichter pfiffen jedoch den Vorteil ab. Im Gegenzug gelang den Löwen der Ausgleich, mit dem sie sich in die Verlängerung retteten.

Die Achtelfinals

  • TV Bittenfeld – FA Göppingen
  • EHV Aue – SG Flensburg-Handewitt
  • Wetzlar – Balingen-Weilstetten
  • Hildesheim – Füchse Berlin
  • Bad Schwartau – Leutershausen
  • HC Erlangen – MT Melsungen
  • TuS N-Lübbecke – TBV Lemgo
  • THW Kiel – Rhein-Neckar Löwen

Der TV Bittenfeld erreichte mit Siegen beim TS Bendorf (44:31) und gegen den Erstligisten TV Emsdetten (26:22) die dritte Pokalrunde.

FA Göppingen setzte sich in der ersten Runde mit 34:24 beim HSV Bad Blankenburg durch und schaltete anschließend den HSV Hamburg mit 33:31 aus – in dessen Halle.

Die Viertelfinalspiele sind für Mittwoch, 26. Februar 2014, angesetzt.

Das DHB-Pokalwochenende – Final Four – wird am 12. und 13. April in der O2-World in Hamburg ausgetragen.