Schweikardt spürt den positiven Geist

Von einer Krise hatten die Bittenfelder Zweitliga-Handballer nach zuletzt durchwachsenen Leistungen nicht sprechen wollen, ebenso wenig war der 24:19-Sieg gegen den HC Erlangen ein Befreiungsschlag. „Das Spiel sollte uns aber Selbstvertrauen geben“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Frank Bergemann hatte es wohl geahnt. In Bundesligazeiten habe seine Mannschaft in Bittenfeld noch nie die Punkte mitgenommen und zum Teil deutlich verloren, sagte der Erlanger Trainer in der Vorschau auf die Partie in der Scharrena. Dass sich daran auch am Sonntag nichts änderte, hatte mehrere Gründe. Einer davon stand im Bittenfelder Tor: Daniel Sdunek war minutenlang nicht zu bezwingen und machte sein bestes Spiel in dieser Saison. Und nicht nur das: Der Routinier rüttelte das Publikum auf, das ebenfalls zu großer Form auflief.

„Daniel ist einer der Spieler im Team, die andere mitreißen können“, sagt sein Trainer Jürgen Schweikardt. „Das hat er richtig gut gemacht.“ Auch die Erlanger waren mächtig beeindruckt vom Bittenfelder Torhüter, der selbst vor großen Namen nicht zurückschreckte. So fand’s Sdunek überhaupt nicht lustig, dass ihn Sebastian Preiß kurz nach der Pause mit einem Wurf am Kopf traf – und das teilte er dem ehemaligen Kreisläufer der deutschen Nationalmannschaft unmissverständlich mit.

Dabei war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass Sdunek in der Anfangsformation stehen würde. Und nachdem es beim 32-Jährigen in den ersten Minuten nicht ganz so gut lief, dachte so mancher an einen frühen Torhüterwechsel. Jürgen Schweikardt nicht. „Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass ich ihm vertraue.“ Spätestens nach dem gehaltenen Siebenmeter habe Sdunek an sich geglaubt.

Mit dem Keeper fand auch das Team Mitte der ersten 30 Minuten ins Spiel. Vor allem über die Abwehr. „Das war unser Plan“, sagt Schweikardt. „Die Fehler vorne fallen nicht so sehr ins Gewicht, wenn wir hinten gut stehen.“ Und das taten die Bittenfelder: Nach 50 Minuten hatten sie lediglich 15 Gegentreffer zugelassen, und das gegen den Tabellenzweiten. „In diesem Spiel hat man gesehen, wie wichtig eine gute Abwehr und der Torhüter sind“, sagt der Coach. In den Spielen zuvor hat dieses Paket nicht immer gepasst.

Nicht ganz so stabil präsentierte sich dagegen der Angriff. Zu viele technische Fehler notierte Schweikardt. „Andererseits haben wir uns auch in vernünftige Situationen gebracht.“ Oft wurden diese vom flinken und ideenreichen Alexander Heib initiiert –und abgeschlossen vom frechen Martin Kienzle in Eins-gegen-eins-Aktionen. „Das ist seine Stärke, er ist ja kein reiner Linksaußen“, sagt Schweikardt. Auch der andere Youngster, Michael Seiz, habe seine Sache sehr gut gemacht.

Begeistert war Schweikardt von der Unterstützung des Publikums. „Wir haben von Anfang an die Rückendeckung gespürt.“ Der „positive Geist“ habe sich schnell auf das Team übertragen. Von einem Befreiungsschlag möchte Schweikardt – noch – nichts wissen. Das Spiel gegen Erlangen bestätigt ihn jedoch in seiner Meinung, dass der TVB auch mit den Top-Teams der Liga mithalten kann. Gegen Neuhausen, in Nordhorn und Rostock und jetzt gegen Erlangen hat der TVB demonstriert, wozu er in der Lage ist. Dummerweise ist er jedoch gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel noch öfter leer ausgegangen.

Am Samstag, beim Drittletzten HG Saarlouis, können die Bittenfelder beweisen, dass sie es auch gegen die vermeintlich Kleinen können.

Zuvor indes steht morgen der Saisonhöhepunkt an: Im Achtelfinale des DHB-Pokals kommt der Erstligist FA Göppingen um 20 Uhr an die Scharrena. Der TVB ist natürlich Außenseiter, doch diese Rolle ist ihm gegen Erlangen ganz gut bekommen. „Die Jungs können ohne Druck spielen“, sagt Schweikardt. „Sie sollen das Spiel in erster Linie genießen.“

Daniel Sdunek verspürte schon am Sonntag große Lust auf den Pokalknaller. „Wir sind nicht chancenlos“, sagte der Keeper. „Auf jeden Fall werden wir versuchen, unseren Fans etwas zu zeigen.“

Info

Das DHB-Pokalspiel zwischen dem TV Bittenfeld und FA Göppingen am Mittwoch, 11. Dezember, ist mit 2049 Zuschauern seit Wochen restlos ausverkauft. Es gibt also keine Tickets mehr an der Abendkasse. Der TV Bittenfeld hatte weitere Stehplätze in der Scharrena beantragt, dies hat die Stadt Stuttgart jedoch aus Sicherheitsgründen abgelehnt.

„Das ist sehr schade und wir bedauern das auch“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Wir können aber leider nichts machen.“ Es hätten genügend Anfragen nach Stehplätzen vorgelegen. An der Abendkasse gibt’s morgen jedoch Karten für das nächste – und letzte – Highlight in diesem Jahr: das Punktspiel gegen TUSEM Essen am Freitag, 20. Dezember (20.30 Uhr).