“Das kann nicht unser Anspruch sein”

Es wird Tacheles geredet beim TV Bittenfeld. Der Auftritt der Mannschaft gegen Leipzig hat für Tristesse gesorgt. „Die Zeit, den Spielern Zucker in den Hintern zu blasen, ist vorbei“, sagt der Trainer Jürgen Schweikardt. Im Spiel beim ASV Hamm-Westfalen am Freitagabend möchte er eine Reaktion sehen.

Die Stimmung war schon besser beim TVB. Er ist es nicht gewöhnt, in der Scharrena zu verlieren. In dieser Saison ist ihm das schon zweimal widerfahren, gegen Rimpar und Leipzig. Und dummerweise immer dann, wenn die Chance groß war, sich an die Fersen der Top-Teams zu heften. Beim 21:24 gegen den SC DHfK Leipzig vermittelten die Bittenfelder in den ersten 30 Minuten nicht den Eindruck, als gingen sie mit einem Höchstmaß an Willen und Einsatzbereitschaft ans Werk. „Ich will zwar nichts schönreden“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Wie wir da auftraten, das kann nicht unser Anspruch sein.“ Allerdings könne er der Mannschaft keinen fehlenden Willen vorwerfen.

Nicht erklären kann er sich, warum das Team häufig eine so lange Anlaufzeit benötigt. So oder so: „Meine Aufgabe ist es jetzt, ehrlich und offen anzusprechen, was nicht passt.“ Bei den Spielern setzt er eine gewisse Kritikfähigkeit voraus. Dabei könne er, Schweikardt, keine Rücksicht darauf nehmen, ob ein Spieler die Kritik als ungerecht empfindet.

Trotz aller Enttäuschung sei’s nicht angesagt, „die Grundsatz- oder Charakterfrage“ zu stellen oder sich gar über die Kaderplanungen für die neue Saison Gedanken zu machen. „Wir haben jeden dritten Tag ein Spiel und damit genug zu tun“, sagt Schweikardt. Für solche Dinge sei im Januar genügend Zeit. „Die Spieler sollen sich aktiv regenerieren und sich auf die Spiele vorbereiten.“

Zunächst auf jenes heute Abend. Den ASV Hamm-Westfalen schätzt Schweikardt, allen voran zu Hause, noch stärker ein als Leipzig. Zu spüren bekamen dies unter anderem der Tabellenzweite Bietigheim und der Fünfte Rostock, für die es nichts zu holen gab. Mit dem tschechischen Nationalspieler und Ex-Gummersbacher Ondrej Zdrahala haben sich die Westfalen einen gewieften Spielmacher geangelt, verlassen haben den ASV lediglich Dirk Hartmann und Sebastian Paul. Obwohl dem Bittenfelder Gegner mit Marian Orlowski und Sebastian Schneider zwei Spieler verletzungsbedingt fehlen, hat der Trainer Kay Rothenpieler eine schlagkräftige Mannschaft beisammen – mit dem einen oder anderen herausragenden Spieler.

Das Torhüterduo Tomas Mrkva/Felix Storbeck zählt zu den Besseren der Liga, ebenso Jakob Macke und Björn Wiegers am Kreis. Der erfolgreichste Torschütze, Matthias Struck, spielt im rechten Rückraum. Gefährlich sind auch die Außenspieler Lars Gudat und Andreas Simon. Der TVB wird höchstwahrscheinlich in unveränderter Besetzung anreisen – also bis auf den am Ellenbogen operierten Tobias Schimmelbauer mit dem besten Team. Michael Schweikardt musste am Mittwoch das Training zwar abbrechen, weil die Wade zwickte. Der Trainer hofft aber, dass einem Einsatz nichts im Wege steht. „Natürlich wissen wir, dass wir in den nächsten Spielen punkten müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren“, sagt Schweikardt. Ein Sieg in Hamm könnte für eine Signalwirkung sorgen.