“48 Stunden reichen zur Regeneration”

Die Fußballer jammern, wenn sie zweimal die Woche im Einsatz sind. Der TV Bittenfeld spielte am Sonntag und muss am Dienstagabend gegen Leipzig antreten. Das indes scheint den Trainer Jürgen Schweikardt nicht besonders zu stören. „48 Stunden reichen zur Regeneration“, sagt er. Das größere Problem sei der robuste und auf allen Positionen doppelt besetzte Gegner.

Um halb sieben am Sonntagabend bejubelten die Bittenfelder Spieler gemeinsam mit den 1577 Fans in der Scharrena den schwer erkämpften Sieg gegen Bad Schwartau, gestern Vormittag standen sie bereits wieder in der Trainingshalle und heute Abend wartet mit dem SC DHfK Leipzig der nächste schwere Brocken auf den TVB.

Die Leipziger haben sich bestens vorbereitet auf die Bittenfelder, verfolgten das Spiel am Sonntag in Mannschaftsstärke vor Ort – wobei der SC nicht eigens zwei Tage früher zum Nachholspiel nach Stuttgart angereist ist: Am Samstag traten die Sachsen bei der SG BBM Bietigheim an und unterlagen dem Tabellenzweiten mit 24:26. Anschließend blieben die Leipziger gleich im Ländle, nutzten die Zeit für ein Kurztrainingslager mit Einheiten in der Gemeindehalle und in der Scharrena – und zur Kontaktpflege: Gestern Mittag saßen die beiden Geschäftsführer Jürgen Schweikardt und Karsten Günther beisammen, dazu gesellte sich Mark Schober, Präsidiumsmitglied der Handball-Bundesliga.

Der freut sich, dass die Liga „so spannend und ausgeglichen“ und damit auch attraktiv sei. Nur vier Pluspunkte trennen den Dritten TSG Friesenheim vom Zwölften ASV Hamm-Westfalen. Der hat genauso viele Zähler auf dem Konto wie der Bittenfelder Gegner heute. „Wir hätten gerne ein paar Punkte mehr“, sagt der Leipziger Geschäftsführer Karsten Günther. „Unsere Chancen gegen Bittenfeld liegen bei 50 Prozent, der TVB hat den kleinen Vorteil des Heimspiels“, sagt Günther, der die eine oder andere Parallele zwischen beiden Teams sieht. „Der TVB hat den Shooter Weiß, wir haben Gerlich.“ An das letzte Aufeinandertreffen in Stuttgart erinnert er sich nicht so gerne: Mit einer 25:41-Packung fuhr Leipzig am zweiten Weihnachtsfeiertag nach Hause. Im Rückspiel allerdings siegte der SC deutlich mit 30:22.

Gegenüber der vergangenen Saison hat sich der Kader auf einigen Positionen verändert – und das nicht zum Negativen. Aus Norwegen kam der Nationaltorhüter Henrik Ruud Tovas, für den rechten Rückraum aus Hildesheim der Schwede Maximilian Jonsson. Philipp Weber wechselte vom Erstligisten SC Magdeburg nach Leipzig. Und als sich die beiden Kreisläufer Thomas Oehlrich und Bastian Roscheck zu Saisonbeginn verletzten, verpflichtete der SC kurzerhand den Schweizer Nationalspieler Alen Milosevic. Stützen des Teams sind der Spielmacher Philipp Seitle, Thomas Oehlrich am Kreis, der Abwehrchef Ulrich Streitenberger und der tschechische Nationalspieler Pavel Prokopec.

Der Kader ist breit und auf allen Positionen doppelt gut besetzt. Vor der Saison haben die Verantwortlichen zwar lediglich einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgegeben. Wo die Reise mittelfristig hingehen soll, zeigt jedoch die Zusammenstellung des Personals – und die Unterstützung des Aufsichtsratsmitglieds Stefan Kretzschmar. „Leipzig möchte in die 1. Liga, und es hat die Strukturen dazu“, sagt Schweikardt. An guten Tagen zähle Leipzig jetzt schon zu den besten Teams der Liga.

Im jüngsten Heimspiel zeigte die Mannschaft von Trainer Christian Prokop dem Erstliga-Absteiger TUSEM Essen beim 27:19 die Grenzen auf. Dass es am Samstag in Bietigheim nicht so gut lief, schmeckt Schweikardt weniger. „Jetzt wird Leipzig gegen uns besonders angestachelt sein.“ Er erwartet ein mindestens so intensives Spiel wie am Sonntag, gegen einen besonders robusten und kompakten Gegner.

Der TVB wird in unveränderter Besetzung antreten. Dennis Szczesnys Pferdekuss aus dem Sonntagsspiel hindert ihn nicht am Einsatz.