Kraft tanken vor Mammut-Programm

Beim 30:30 in Rostock hat der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld nicht den ersten Punkt leichtfertig liegenlassen in dieser Saison. In diesen Tagen haben die Verantwortlichen genügend Zeit zur Analyse, in den nächsten drei Wochen nicht mehr: Die Partie gegen den VfL Bad Schwartau am Sonntag läutet das Mammutprogramm von sieben Spielen in 21 Tagen ein.

Wer in einem Spiel einmal mit fünf und einmal mit sechs Toren Differenz führt und 47 Sekunden vor der Schlusssirene mit zwei Treffern vorne liegt, der kann über ein Unentschieden kaum jubeln. So tröstet’s den TVB auch kaum, dass er gegen eine sehr gute Mannschaft einen Auswärtspunkt geholt hat. Zumal es nicht das erste Mal ist, dass sich die Bittenfelder für gute Leistungen nicht belohnt haben.

So lag der TVB in Aue nach 42 Minuten mit 20:16 vorne und musste sich mit dem 26:26 begnügen. Bei den Niederlagen in Altenholz (25:27) und gegen Rimpar (25:28) spielte der TVB zwar nicht gut, gegen Liga-Neulinge sollte ein gestandener Zweitligist aber eigentlich nichts liegenlassen. Bei nur drei Punkten mehr, und die waren locker möglich, stünden die Bittenfelder nun auf Rang drei. Nun sind sie Achter mit 13:9 Zählern.


Jetzt zwei Heimspiele in Folge: Bad Schwartau und Leipzig

Nachheulen bringt zwar nichts, doch den Trainer ärgert das jüngste Versäumnis schon ein wenig. Mit seiner Meinung, einen Punkt verschenkt zu haben, steht Jürgen Schweikardt nicht alleine da. So sprach der ehemalige DDR-Nationaltorhüter Klaus-Jürgen Prüsse, in Rostock Tribünengast, laut Norddeutsche Neueste Nachrichten von einer „aufreibenden Partie, einem echten Krimi mit Happy End für die Unsrigen“.

„Wir hatten in den vergangenen Wochen auch nicht das Glück, das man einfach braucht“, sagt Schweikardt. Bei allen drei Unentschieden in dieser Saison habe der TVB das Gefühl gehabt, einen Punkt verloren zu haben. Das zeige, dass sich der TVB auf einem guten Weg befinde. „Wir müssen einfach in allen Bereichen noch ein paar Prozent zulegen.“

Trotz des vergebenen Sieges gab’s für den Trainer auch erfreuliche Erkenntnisse. So habe Martin Kienzle als Vertreter des am Ellbogen verletzten Tobias Schimmelbauer, er muss möglicherweise sogar operiert werden, auf Linksaußen und in der Abwehr ein gutes Spiel gemacht, ebenso Torhüter Jürgen Müller. Auch mit dem Comeback von Dennis Szczesny war Schweikardt zufrieden.

Nun stehen gegen den VfL Bad Schwartau (Sonntag) und den SC DHfK Leipzig (Dienstag) zwei Heimspiele in Folge an für den TVB. Mit zwei Siegen könnte er auf einen Aufstiegsrang klettern. Im Misserfolgsfall rutschte Bittenfeld ins Mittelfeld zurück. Optisch befinden sich die Bittenfelder als Achter dort zwar jetzt bereits, ein zweiter Blick indes verrät: Unglaublich ausgeglichen präsentiert sich die 2. Liga in dieser Saison, zwischen Platz drei und 13 liegen gerade einmal drei Minuspunkte. Das Tableau ist etwas schief, weil sechs Mannschaften ein Spiel weniger absolviert haben als die Konkurrenz.

Es vergeht kein Spieltag ohne Überraschung. So hat sich der Erstliga-Absteiger TV Neuhausen/Erms spätestens am Samstag mit dem überzeugenden 29:22-Sieg gegen den Tabellenführer HC Erlangen im Kreis der Aufstiegskandidaten zurückgemeldet. Leipzig ließ TUSEM Essen beim 27:19 nicht den Hauch einer Chance. Schon längst Fahrt aufgenommen hat die TSG Ludwigshafen-Friesenheim: Auf zwei Niederlagen zum Saisonauftakt ließ die Mannschaft von Trainer Thomas König 17:1 Punkte folgen, ist die Mannschaft der Stunde und Erlangen auf die Pelle gerückt.

Für den TV Bittenfeld beginnen nun die Wochen der Wahrheit: Neun Spiele stehen in diesem Jahr noch auf dem Programm, sieben davon in den kommenden 21 Tagen. In dieser Woche trainieren die Bittenfelder noch mal nach Plan, anschließend bestimmt der Spielplan den Rhythmus: Regenerations- und Vorbereitungseinheiten werden sich abwechseln.