Gestärkt zum Aufstiegskandidaten

Nach dem überzeugenden 32:21-Sieg gegen Neuhausen reist der TV Bittenfeld gestärkt zum dritten Auswärtsspiel. Mut wird der Zweitligist auch brauchen, um bei den Friesenheimer „Eulen“ zu bestehen: Die Experten trauen dem Team von Trainer Thomas König den Aufstieg in die 1. Liga zu. Die personellen Voraussetzungen hierzu hat die TSG zweifelsohne.

Einiges wird anders sein morgen für den TVB als in den beiden ersten Auswärtsspielen in dieser Saison: Zum einen müssen sich die Spieler nicht ins Flugzeug nach Hamburg setzen. Lediglich rund 130 Kilometer mit dem Bus nach Ludwigshafen dürften zumindest nicht von Nachteil sein. Die Fans werden einen Bus chartern, auch die eine oder andere Fahrgemeinschaft dürfte die Friedrich-Ebert-Halle ansteuern.

Die Anreise wird angenehmer sein, der Gegner indes wohl eher nicht. Der Blick auf die Tabelle lässt diesen Schluss zwar nicht unbedingt zu. Doch in diesem Fall sprechen die Zahlen nicht ganz die Wahrheit. Die Friesenheimer waren sozusagen ein Opfer des Terminplans. Die erste Heimpartie gegen den VfL Bad Schwartau musste abgebrochen werden. Damit hatte die TSG – einschließlich des Pokalspiels in Großwallstadt – gleich vier Auswärtsspiele in Folge.

Zum Saisonauftakt setzte es beim Erstliga-Absteiger Tusem Essen eine 21:30-Niederlage, beim Aufstiegskandidaten Empor Rostock mussten sich die Eulen knapp mit 29:32 geschlagen geben. Wozu sie in der Lage sind, bewiesen sie in Erlangen: Beim 23:23 trotzten sie dem Aufstiegskandidaten Nummer eins mit einer ganz starken Leistung einen Punkt ab.

Die Friesenheimer spielten in der Saison 2011/2012 in der 1. Liga, stiegen aber umgehend wieder ab. In den vergangenen beiden Spielzeiten belegte die TSG jeweils den elften Platz, was ihr Leistungsvermögen aber keinesfalls widerspiegelt: Kaum eine Mannschaft hatte mit so einem immensen Verletzungspech zu kämpfen. Der Friesenheimer Trainer Thomas König war bisweilen schon froh, eine spielfähige Mannschaft zusammenzubekommen.

Eine dritte derart verkorkste Saison dürfte es in diesem Jahr wohl kaum geben. Entsprechend selbstbewusst haben die Eulen ihr Saisonziel verkündet: Platz eins bis sechs. Angesichts des prächtig besetzten Kaders, der zur aktuellen Saison an Qualität noch zugelegt hat, ist der TSG einiges zuzutrauen. Vom Erstligisten TBV Lemgo kehrte Gunnar Dietrich nach Friesenheim zurück. Der 2,03 Meter große linke Rückraumspieler hat nicht nur Shooter-Qualitäten, sondern hält auch die Abwehr im Mittelblock zusammen. Im rechten Rückraum ersetzt Stefan Lex vom TV Hüttenberg den Ex-Bittenfelder Arni Sigtryggsson. Der 23-jährige Linkshänder hat in der vergangenen Saison den Sprung in die B-Nationalmannschaft geschafft.

Zu Dietrich und Lex gesellen sich im Rückraum weitere Top-Spieler. Der 18-fache deutsche Nationalspieler Stephan Just (34) kam vor der vergangenen Runde aus Nettelstedt, Andrej Kogut (25) zählt zu den besten Spielmachern der Liga. Garniert wird dieses Quartett von den talentierten Christopher Klee (20), Jan Claussen (21), Max Kraushaar (20) und Adrian Fritsch (19). Im Tor hat die TSG mit Kevin Klier einen klasse Mann. Der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt hält ihn für „einen der besten Keeper in der Liga“. Auch auf den Außenpositionen sei Friesenheim mit Philipp Grimm, Felix Kossler und dem ehemaligen Bittenfelder Marco Hauk glänzend besetzt.

Der Auftritt des Gegners in Erlangen hat Eindruck hinterlassen bei Schweikardt. „Jeder weiß, wie schwer es ist, dort zu bestehen.“ Der Coach zählt die Eulen zu den fünf stärksten Teams in dieser Saison. „Sie werden am Ende sicher ganz vorne mit dabei sein.“ Schweikardt geht davon aus, dass sich Friesenheim morgen mehr wehren wird, als dies Neuhausen getan habe.

Allzu sehr möchte er den Fokus aber nicht auf den Gegner legen. „Natürlich beschäftigen wir uns mit Friesenheim“, sagt Schweikardt. „Wir müssen aber schauen, dass wir so oft und so nah wie möglich an unsere Leistungsfähigkeit herankommen.“ Bei einem Sieg hätten die Bittenfelder 10:2 Punkte auf dem Konto – es wäre der beste Saisonstart in der 2. Liga.

Ein bisschen Sorgen macht sich der Trainer um Simon Baumgarten. Den Kreisläufer zwickt’s nach einem Sturz auf die Hüfte an den Adduktoren.

Im Nachholspiel am Mittwoch besiegten die Friesenheimer die HG Saarlouis vor 1400 Zuschauern in einem hart umkämpften Spiel mit 33:30 (17:14). „Wir wollten unbedingt die zwei Punkte, das ist uns gelungen“, sagte der TSG-Trainer Thomas König. „Die Mannschaft hat es aber versäumt, den Sack früher zuzumachen.“