Neuhausen-Spiel: In 21 Minuten nur ein Gegentor

Das Lob prasselte von allen Seiten auf die Handballer des TV Bittenfeld nieder nach dem glanzvollen 32:21-Sieg gegen den bemitleidenswerten TV Neuhausen/Erms. Sehr zur Freude des Trainers Jürgen Schweikardt. „Wenn wir an diese Abwehrleistung anknüpfen, sind wir für jeden Gegner schwer zu knacken“, sagt er. „Das müssen wir aus diesem Spiel mitnehmen.“

Katzenjammer in Neuhausen, Jubel in Bittenfeld: Gegensätzlicher hätte die Stimmung nach dem württembergischen Derby, das der TVB am Freitag überdeutlich mit 32:21 für sich entschied, nicht sein können. Von einem Debakel, einer Demütigung, einer Pleite und einer indiskutablen Leistung war im Umfeld des Erstliga-Absteigers zu hören. Ausgerechnet im ersten Spiel des TVN, nachdem dessen Trainer Markus Gaugisch zum Saisonende seinen Wechsel nach Balingen angekündigt hatte, zeigte sich sein Team von der schlechten Seite. Was natürlich zu Spekulation führte.

Gaugisch blieb nach dem Derby nichts anderes übrig, als seinem Pendant Jürgen Schweikardt zu gratulieren – zum Sieg und zum Verbleib in der Spitzengruppe. „Wir sind jetzt erst mal im Mittelfeld“, sagte Gaugisch. „Und so, wie wir uns präsentieren, gehören wir da derzeit auch hin.“

Dass ausgerechnet der ehemalige Neuhausener und Bittenfeld-Rückkehrer Alexander Heib maßgeblichen Anteil am Sieg des TVB hatte, schien Gaugisch weniger zu ärgern. „Er hatte alles in der Hand, er hat super gespielt.“ Der Plan des Bittenfelder Trainers Jürgen Schweikardt war, mit Heib und nicht mit Michael Schweikardt auf der Spielmacherposition zu beginnen. „Alex kennt schließlich die Neuhausener Abwehr besser als jeder andere“, sagt er.

Weil es mit ihm so gut funktionierte, kam Michael Schweikardt nur zu einem Kurzeinsatz. „Wichtig war, dass wir ihn in der Hinterhand hatten und reagieren hätten können. Er ist ja kein junger Spieler, der Spielanteile braucht.“ Die bekamen Michael Seiz, Martin Kienzle und Djibril M’Bengue. Letzterer erzielte seine ersten beiden Punktspieltore für den TVB.

Noch besser als im Angriff präsentierten sich die Bittenfelder in der Defensive – was ihrem Trainer besonders gut gefiel. In der Vorbereitung hätten seine Spieler in den Partien gegen Celja, Magdeburg und die Rhein-Neckar-Löwen ähnliche Leistungen gezeigt. Weil die Abwehr in den ersten vier Pflichtspielen nie über einen längeren Zeitraum stabil war, seien die ersten Zweifel aufgekommen, „ob die Vorbereitungsspiele nicht doch Eintagsfliegen waren“.

Das Derby habe gezeigt, was mit entsprechender Lauf- und Kampfbereitschaft alles möglich sei. In der elften Minuten kassierte der TVB sein erstes Feldtor, zwischen der 24. und 34. Minute blieb er gar ohne Gegentreffer. In Summe bedeutet dies, dass die Bittenfelder in 21 Minuten lediglich einen Feldtreffer hinnehmen mussten. „Wir haben den Neuhausenern keine Ruhe gelassen, sie ständig bearbeitet und die Zweikämpfe gewonnen. Das müssen wir in die nächsten Spiele mitnehmen“, sagt Schweikardt.

Am Samstag (19 Uhr) dürfte der TVB eine ähnliche Leistung benötigen, um zum zweiten Mal in Folge auswärts zu punkten: Die TSG Ludwigshafen-Friesenheim zählt zu den heißen Aufstiegskandidaten – auch wenn dies am Tabellenstand von 1:5 Punkten nicht abzulesen ist. Weil das Spiel gegen Bad Schwartau ausfiel, mussten die Eulen bisher ausschließlich auswärts ran. Und das auch noch bei den Top-Teams Tusem Essen, Empor Rostock und Erlangen. Bei den hoch gehandelten Franken erkämpfte sich die TSG zuletzt ein 23:23-Unentschieden.

Info

Nach dem Derby gegen Neuhausen und der Partie in Friesenheim am Samstag steht für den TVB das nächste Highlight vor der Tür: Am Sonntag, 13. Oktober (17.45 Uhr), kommt der Erstliga-Absteiger TV Großwallstadt in die Porsche-Arena. Karten im Vorverkauf gibt es bei Easy-Ticket, Telefon: 0711/2555555/www.easyticket.de und auf der TVB-Geschäftsstelle, Schillerstraße 64, Telefon: 07146/2818750, Fax: 07146/2818755, Mail: moh@tvb1898.de

Stimmen zum Spiel

Markus Gaugisch, Trainer des TV Neuhausen/Erms: „Mein größter Respekt gilt dem TVB für eine super Leistung, wir hatten zu keinem Zeitpunkt des Spiels eine Chance. Die 6:0-Abwehr hat absolut spitze gestanden, vorne läuft der Ball flüssig und kreativ. Wir haben zu Recht ein richtiges Brett bekommen.“

Jürgen Müller, Torhüter der TV Bittenfeld: „Wir haben es endlich mal geschafft, zwei Halbzeiten Vollgas zu geben. Bei 21 Gegentoren freut man sich als Torhüter natürlich doppelt. Jetzt wollen wir auch auswärts eine kleine Serie starten und in Friesenheim gewinnen.“

Florian Schöbinger, Spieler des TV Bittenfeld: „Wir können im Grunde genommen zufrieden sein mit dem Saisonstart. Die beiden verlorenen Punkte in Altenholz tun uns zwar ein bissle weh, die wären nicht zwingend notwendig gewesen. Wir haben aus den Fehlern gelernt. Ich denke, jetzt sind wir voll da.“

Lars Friedrich, Spieler des TV Bittenfeld: „Wir haben eine überragende Abwehr gespielt. Wir hatten in der 50. Minute gerade einmal 14 Gegentore kassiert, das war schon außergewöhnlich.“