“Favorit sind wir jedenfalls nicht”

An die Spiele zwischen dem TV Bittenfeld und dem TV Neuhausen/Erms erinnern sich die Handball-Fans immer gerne, waren die Derbys doch stets von Spannung, Klasse und Emotionen geprägt. Heute Abend ist es wieder so weit: In der Scharrena geht’s nicht nur ums Prestige, sondern auch um einen Platz in der Spitzengruppe.

In der vergangenen Saison mussten die Fans auf dieses Schmankerl verzichten: Während sich der TVB in der 2. Liga um eine vorzeigbare Platzierung bemühte, ärgerte Neuhausen in der Beletage des deutschen Handballs den einen oder anderen etablierten Club und verpasste nur hauchdünn den Ligaverbleib. Der große Katzenjammer blieb aus, dazu waren und sind die Strukturen im Ermstal zu gefestigt.

So war’s wenig überraschend, dass die Fluktuation im Spielerkader nach dem Abstieg überschaubar war. Marcel Schiller (FA Göppingen), Andreas Schröder (VfL Gummersbach) und Thomas Bauer (TBV Lemgo) blieben in der 1. Liga. Alexander Heib kehrte nach Bittenfeld zurück, Alexander Trost übernahm beim TVN die Stelle des Sportlichen Leiters.

Schwächer als im Vorjahr indes dürfte der TVN nicht besetzt sein. „Neuhausen hat sich sinnvoll und sehr gut verstärkt“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt. Cornelius Maas (TV Großwallstadt), Torhüter Jan-Steffen Redwitz (TV Hüttenberg) und Sascha Ilitsch (HBW Balingen-Weilstetten) bringen Erstligaerfahrung mit.

Eine der großen Stärken des TVN ist, dass er ohne Leistungsabfall durchwechseln kann: Er ist auf jeder Position doppelt besetzt und daher schwer auszurechnen. Zudem profitierten die Spieler vom Erstligajahr. „Das hat jeden weitergebracht“, sagt der Bittenfelder Spielmacher Alexander Heib. Er muss es wissen, schließlich war er in der Rückrunde selbst ein Teil des Teams.

„Neuhausen ist sicher der bisher stärkste Gegner in dieser Saison“, sagt Schweikardt. Nach den Partien bei den beiden Aufsteigern Altenholz und Tarp-Wanderup sowie den Heimspielen gegen Hüttenberg und Hildesheim geht der TVB zum ersten Mal nicht als Favorit ins Spiel – auch wenn Neuhausen einen Punkt weniger auf dem Konto hat als der TVB. Was auch dem Umstand geschuldet ist, dass der TVN vor allem mit den Spielen in Bad Schwartau und Leipzig die knackigeren Gegner hatte. Bad Schwartau ist noch immer verlustpunktfrei, Leipzig zählt zu den Aufstiegskandidaten. Jürgen Schweikardt ist’s ganz recht, dass jetzt ein Gegner kommt, dem in dieser Saison einiges zugetraut wird. „Ich hoffe, wir spielen diesmal etwas befreiter auf als zuletzt, als der Druck schon groß war. Favorit sind wir jedenfalls nicht.“

Gefürchtet sind die Konterstärke der Neuhausener und ihre 3:2:1-Deckung, mit der sie in der vergangenen Saison so manchen Großen genervt haben. Schweikardt hat zwar großen Respekt vor dem Gegner, er sagt aber auch: „Wir dürfen uns nicht zu sehr auf den Gegner fokussieren und uns nicht schlechter machen, als wir sind.“ Eines haben die Kontrahenten in dieser Saison gemeinsam: Es fehlt die Konstanz über 60 Minuten.

Wie immer, dürfte auch das Derby heute wieder gut besucht sein. Das liegt auch an den treuen Fans des TVN, die ihr Team auch auswärts lautstark unterstützen und mit einem Fan-Bus anreisen werden. Der TVB ist nicht gänzlich frei von Sorgen. Unsicher ist der Einsatz von Djibril M’Bengue, der wegen einer Hüftverletzung nicht trainiert hat. Besser sieht’s bei Lars Friedrich aus, der zu Beginn der Woche über Schmerzen im Sprunggelenk klagte, aber wieder trainiert hat.

Info

Rund 1700 Karten fürs Spiel sind weg. Das bedeutet, rund 350 Tickets sind noch zu haben – entweder heute von 10 bis 14.30 Uhr auf der Geschäftsstelle des TV Bittenfeld, über den Service Print@Home oder an der Abendkasse. Wegen des Wasenauftakts sollten sich die Fans rechtzeitig auf den Weg nach Stuttgart machen.