WILD BOYS treten in Altenholz an

Im ersten Auswärtsspiel sollte der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld nach seiner knapp 800 Kilometer langen Anreise ausgeschlafen sein: Der Aufsteiger TSV Altenholz, eine kleine Filiale des Serien-Meisters THW Kiel, schnupperte in Saarlouis am Auftaktsieg. „Ich hätte Altenholz lieber etwas später in der Saison gehabt“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt.

Auf dem Papier gehen die Bittenfelder als Favorit ins Spiel, schließlich tritt der Vorjahres-Siebte bei einem Neuling an. Indes: Grünschnäbel sind die Altenholzer keineswegs. Jahrelang spielten sie in der 2. Liga Nord. Der elfte Platz in der Saison 2011/12 reichte jedoch nicht, um sich für die eingleisige 2. Bundesliga zu qualifizieren. Nach zwei Spielzeiten in der 3. Liga ist die Mannschaft von Ex-Nationalspieler Klaus-Dieter „Pitti“ Petersen wieder zurück.

Nicht mit lauten Gebrüll zwar, aber durchaus selbstbewusst. Und der erste Auftritt in Saarlouis dürfte dem Team Mut gemacht haben für die nächsten Aufgaben. Nach 50 Minuten führte der TSV noch mit 26:23, scheiterte in der Schlussphase jedoch am überragenden Saarlouiser Junioren-Nationalspieler Tim Suton und am routinierten Danijel Grgic. Der gegnerische Trainer Goran Suton lobte hernach den Aufsteiger als „technisch versierten Gegner, der unsere Abwehr in der ersten Halbzeit regelrecht auseinandergenommen hat“.

Vier Spieler haben den TSV Altenholz nach dem Aufstieg verlassen. Unter anderem zog es Christian Schwarz, der in der Abwehr eine wichtige Position einnahm, zum Liga-Konkurrenten VfL Bad Schwartau. Fünf Neue kamen hinzu, wobei die Altenholzer zum Großteil von der Kooperation mit dem THW Kiel profitieren – aber nicht ausschließlich. Marius Kastening (vom SC Magdeburg) und Thies Jacob Volquardsen (SG Flensburg-Handewitt II) bringen Erstligaerfahrung mit, der Rückraumspieler Volquardsen spielte sogar in der Champions League. Die beiden 20-Jährigen Rune Dahmke und Fynn Ranke sind mit Zweifachspielrecht beim Serienmeister THW Kiel ausgestattet.

Der Bittenfelder Trainer erwartet einen hochmotivierten Gegner. „Ich wäre dankbar gewesen, wenn wir die Altenholzer etwas später in der Saison bekommen hätten“, sagt Jürgen Schweikardt. „Wenn der Alltag etwas eingekehrt ist.“ Zu Beginn einer Spielzeit sei die Euphorie bei den Aufsteigern groß, das wisse er noch aus eigener Erfahrung, sagt Schweikardt. Der Coach hat sich das Spiel der Altenholzer in Saarlouis auf DVD angesehen und war ziemlich beeindruckt. Der TSV habe eine sehr junge, eingespielte Mannschaft, die unbekümmert auftrete.

Dass für sein Team kein Grund bestehe, den Gegner in irgendeiner Weise zu unterschätzen, verstehe sich auch angesichts der eher mageren Auswärtsbilanz des TVB in der Vergangenheit von selbst. „Das wird wie gegen Hüttenberg ein zähes Ringen bis zum Schluss.“ Die Altenholzer haben sich für ihr erstes Heimspiel in der 2. Liga etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Der Eintritt ist – dank eines Sponsors – frei. Damit dürften die 1200 Plätze in der Edgar-Meschkat-Halle belegt sein. Was die Aufgabe für den TV Bittenfeld nicht eben erleichtert. „Da wird mächtig was los sein, und die Spieler werden alles reinhängen. Wir brauchen mindestens die Leistung aus dem Hüttenberg-Spiel.“

Personell sieht’s ganz gut aus bei den Bittenfeldern. Der eine oder andere spüre zwar noch leichte Nachwehen des Hüttenberg-Spiels, doch bereits am Dienstag trainierte der komplette Kader.

Morgen früh fliegt der TVB nach Hamburg ins Hotel, ruht sich dort aus und reist mit dem Bus die restlichen gut 100 Kilometer in die Halle nach Altenholz vor den Toren Kiels. Zurück nach Bittenfeld geht’s am Sonntag wieder mit dem Flugzeug.