Ersatzgeschwächter TVB gewinnt locker

Trotz massiver personeller Probleme haben die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld ihr vorletztes Heimspiel in der Stuttgarter Scharrena locker mit 36:24 (17:10) gewonnen. Das lag vor allem am erschreckend schwachen Gegner TuS Ferndorf, für den das Kapitel 2.Liga wohl nun erledigt ist. Mit dieser Leistung hat die Mannschaft in der Klasse aber auch nichts verloren.

Anlass zu großem Optimismus hatte es auf Seiten der Fans des TVB vor der Partie in der mit 1550 Zuschauern gefüllten Halle nicht gegeben. Im Kader waren nur neun Feldspieler, darunter die Youngster Martin Kienzle und Michael Seiz sowie der am Saisonende zum Württembergligisten SV Remshalden wechselnde Publikumsliebling Adrian Wehner. Spielmacher Michael Schweikardt fehlte rotgesperrt ebenso wie der an der Schulter operierte Dominik Weiß. Immerhin biss Florian Schöbinger auf die Zähne und spielte trotz seiner schweren Handprellung, auch Kreisläufer Simon Baumgarten ging angeschlagen in die Begegnung.

Ferndorf beginnt aggressiv, bricht aber schon nach zwölf Minuten ein

Der Tabellenletzte Ferndorf, beheimatet im Landkreis Siegen, musste gewinnen, um sich die Minimalchance im Abstiegskampf zu erhalten. Und das Team begann wie erwartet: mit offensiver und aggressiver Deckung und schnellem Spiel nach vorne. TuS ging mit 2:0 und 3:1 in Führung, die kleine mitgereiste Fangruppe machte Stimmung. Bittenfeld hielt dagegen, vor allem Lars Friedrich erzielte wichtige Tore. Bis zum 7:7 (12.) blieb die Partie ausgeglichen.

Was dann passierte, war unerklärlich: Die Ferndorfer nahmen das Tempo komplett
raus und produzierten technische Fehler im Akkord. Einfachste Bälle wurden nicht mehr gefangen, Werfer standen im Kreis, die Anspiele waren schlampig. Obendrein stellte die Abwehr vor dem überforderten Keeper Kai Bastian Rottschaefer die Arbeit gänzlich ein. Einige Akteure wie Simon Breuer, eigentlich das Herzstück des Teams, wirkten sogar lustlos. Trainer Caslav Dincic wechselte ihn aus und ließ ihn bis zur Halbzeit auf der Bank schmoren.

Der TVB nutzte die Schwächen clever aus. Unglaubliche elf Minuten lang gelang den Gästen kein Treffer mehr, während die Hausherren davonzogen. Die Abwehr vor dem immer stärker werdenden Keeper Jürgen „Krake“ Müller agierte aufmerksam. Besonders erfreulich aus Bittenfelder Sicht war im Angriff die hervorragende Leistung von Dennis Szczesny und Martin Kienzle. Eine kurze Deckung der Ferndorfer gegen Friedrich verpuffte wirkungslos. Bereits zur Pause war die Partie beim 17:10 zugunsten des TVB entschieden.

Die Begegnung wird zu einer Trainingseinheit

Zu Beginn der zweiten Hälfte zeigten die Gästespieler zwar Kampfgeist, der Rückstand
schrumpfte aber trotz einer doppelten Bittenfelder Unterzahl (37.) kaum. Als die Mannschaft der Hausherren wieder komplett war, geriet die Begegnung zur Trainingseinheit. Ferndorf gab sich auf. Nur der trotz Rückenproblemen eingewechselte Torhüter Max Hamers sowie Carsten Lange, der insgesamt zehn Tore erzielte, stemmten sich gegen das Debakel.

Besonders groß war der Jubel der TVBFans, wenn Wehner einen seiner insgesamt fünf Treffer erzielte. Der junge Seiz setzte sich ebenfalls gut in Szene und traf dreimal. So konnten es sich die Bittenfelder erlauben, Schöbinger zu schonen. Beim Treffer von Szczesny zum 30:20 lag das Team erstmals mit zehn Toren in Führung.

Angesichts des Spielstandes ließen die Akteure ab und an die letzte Konsequenz vermissen. Sonst wäre der Sieg noch höher ausgefallen, am Ende stand’s 36:24. Nach dem überzeugenden Auftritt ließen sich die Bittenfelder ausgiebig feiern.

TV Bittenfeld:
Müller, Sdunek; Schimmelbauer (3), Schöbinger (2), Kienzle (6/1), Friedrich (8/2), Jungwirth (1), Baumgarten (2), Wehner (5), Seiz (3/1), Szczesny (6).

TuS Ferndorf:
Rottschaefer, Hamers; A. Sijaric, Prskalo, Basic (3), Aust (2), Breuer (1), Hilger (2), Thomas (2/2), Lange (10), Johnen (2), M. Sijaric (1), Barkow, Schneider (1).