Über 60 Minuten fehlt die Konstanz

Abgerutscht von Rang sieben auf zehn, zusammen mit Schlusslicht Ferndorf das schlechteste Rückrundenteam: Das ist die Bilanz des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld nach dem 29. Spieltag. Bei der 22:27-Niederlage gegen den Bergischen HC zeigte der TVB wieder einmal, dass er gegen Spitzenteams mithalten kann. Das Dilemma: Er schafft es selten über 60 Minuten hinweg.

Bester Laune war Arnor Gunnarsson am Freitagabend. Mit elf Toren war der Rechtsaußen der Bergischen Löwen nicht nur bester Torschütze beim 27:22-Sieg des Tabellenzweiten, sondern auch der auffälligste Spieler auf dem Feld. Das war der Isländer auch vor knapp einem Jahr an gleicher Ort und Stelle gewesen – allerdings noch im Trikot des TV Bittenfeld. Bei der Premiere des TVB in der Scharrena hatte Gunnarsson beim 31:30 gegen die HSG Nordhorn-Lingen als zehnfacher Torschütze geglänzt, sein Siegtreffer zwölf Sekunden vor Schluss bedeutete den vorzeitigen Klassenverbleib für den TVB.

Nun durften sich die 1870 Fans in der Scharrena am Freitag davon überzeugen, dass Gunnarsson nichts verlernt hat bei dem Club, mit dem er kommende Saison mit großer Wahrscheinlichkeit in der 1. Liga spielen wird. Es sei sein wohl bestes Spiel für den BHC gewesen, sagte er nach dem Spiel.

Lieber in Stuttgart als in Bittenfeld zu Gast

Ausgerechnet gegen den TVB, dachten sich wohl die Fans. Der Bittenfelder Interimstrainer Heiko Burmeister hatte Ähnliches vor der Partie geahnt – wenn er auch nicht explizit an Gunnarsson gedacht haben mag, als er sagte, dass sich nahezu in jedem Spiel ein anderer Löwe in den Vordergrund spiele.

„Wenn der TV Bittenfeld alles abruft, ist er ein Spitzenteam“, hatte sich Sebastian Hinze, Trainer des Bergischen HC, vor dem Spiel im TVB-Hallenheft „Wild News“ zitieren lassen. Um bestens vorbereitet zu sein, waren die Löwen bereits am Donnerstag nach dem Abschlusstraining ins Hotel nach Sindelfingen angereist – und freuten sich darüber, nicht in der Gemeindehalle antreten zu müssen. In Bittenfeld hatte der BHC vor zwei Jahren eine bittere 28:36-Schlappe kassiert. Die Erfahrungen in der Porsche-Arena waren da schon viel besser. In der Scharrena indes bestimmte zunächst der TVB das Geschehen. Allerdings lediglich elf Minuten. Nach dem 2:5-Rückstand zeigte der BHC, weshalb er mit eineinhalb Beinen zurück ist in der 1. Bundesliga: Clever bremste er den Bittenfelder Angriff aus, dem in den folgenden 19 Minuten lediglich drei Tore gelangen.

Diese Phase war ein Spiegelbild der gesamten Saison. Das Problem der Bittenfelder ist, dass sie zu leicht auszurechnen sind. Im Rückraum konzentriert sich der Gegner in erster Linie auf Lars Friedrich. Auf den Linkshänder im rechten Rückraum lastet die Verantwortung, weil die andere Halbposition zu oft schwächelt. Für einen guten Gegner wie die Bergischen Löwen ist das ein gefundenes Fressen.

Zu brav agierte in der zweiten Hälfte der ersten 30 Minuten auch die TVB-Abwehr – wobei der Bittenfelder Interimstrainer Heiko Burmeister mit der Defensive unterm Strich nicht unzufrieden war. Wenn er die letzten drei, vier Treffer außen vor lasse, als die Partie längst gelaufen war, „war’s so schlecht nicht gegen eine Spitzenmannschaft“. Im Vergleich zur Niederlage in Leutershausen habe sich die Mannschaft jedenfalls auf allen Positionen gesteigert.

Mit ein bisschen Glück hätte es sogar zur Überraschung reichen können. In der entscheidenden Phase jedoch, zwischen der 45. (18:19) und 56. Minute (21:22), unterliefen dem TVB etliche Unzulänglichkeiten: zwei technische Fehler, vier Fehlwürfe, zwei Zeitstrafen und zwei verworfene Siebenmeter waren zu viel gegen den cleveren Gegner. „Die Siebenmeter haben uns das Genick gebrochen“, sagt Burmeister. Gegen ein Top-Team dürfe man sich dies nicht erlauben, wenn man gewinnen wolle. „Zudem müssen die freien Chancen drin sein, und man braucht zwei, drei Entscheidungen der Schiedsrichter“.

All das sprach am Freitag gegen den TV Bittenfeld und für den Favoriten. So setzte sich die beste Rückrundenmannschaft (19:13 Punkte) beim Team mit der schlechtesten Bilanz (6:16) durch – und die Geburtstagsfeier des Löwen-Trainers war damit auch gerettet: Sebastian Hinze wurde am Freitag 34 Jahre alt.

Stimmen zum Spiel

Florian Schöbinger, Spieler des TV Bittenfeld: „Es zieht sich durch die ganze Runde, dass uns einfach die Konstanz fehlt. Diesmal haben wir allerdings gegen einen sehr guten Gegner verloren.“

Sebastian Hinze, Trainer des Bergischen HC: „Der TV Bittenfeld war schon scheintod, wir haben ihn wiederbelebt. Es ärgert mich, dass wir noch so hart arbeiten mussten. Wir haben glücklich gewonnen, aber verdient.“(Quelle: RP-Online/Pressekonferenz)