Bergischer HC wird Favoritenrolle gerecht

Ein packendes Spiel der 2. Handball-Bundesliga haben gestern Abend 1870 Zuschauer in der Scharrena gesehen. Der TV Bittenfeld schnupperte nach einem Sechs-Tore-Rückstand beim 21:22 sieben Minuten vor Schluss an der Überraschung, scheiterte jedoch mit zwei Strafwürfen in Folge und musste sich dem Tabellenzweiten Bergischer HC mit 22:27 (8:13) beugen.

Die Fans durchlitten wieder einmal ein Wechselbad der Gefühle mit zwei starken Phasen und einer zu langen schwächeren Phase des TVB. In den entscheidenden Situationen war der Bergische HC das abgezocktere Team, hatte aber auch das Glück auf seiner Seite. 13 Minuten lang hatte der Favorit mit der aufmerksamen und aggressiven Deckung des TV Bittenfeld enorme Probleme. Wie schon beim Überraschungserfolg vor zwei Wochen gegen den Tabellenführer TV Emsdetten ackerte der TVB unermüdlich und störte den Rückraum des Favoriten früh. Nach einer starken Eins-gegen-eins-Aktion drosch Lars Friedrich den Ball in der zehnten Minute zur 4:1-Führung für den TVB in die Maschen. Auch nach 14 Minuten hatte der Vorsprung beim 5:2 noch Bestand, ehe der Ex-Bittenfelder Arnor Gunnarsson den ersten Treffer der Gäste aus dem Feld heraus markierte.

Der BHC-Trainer Sebastian Hinze reagierte, brachte den Abwehrspezialisten Michael Hegemann im Angriff für den trägen Schweden Emil Berggren. Eine Maßnahme, die sich als goldrichtig erwies. Mit dem ehemaligen deutschen Nationalspieler kam mehr Bewegung und Spielwitz in die Aktionen. Der TVB hatte immer öfter das Nachsehen, und plötzlich stockte auch das Angriffsspiel. Die Bittenfelder brachten kaum mehr etwas zuwege und scheiterten gleich reihenweise am überragenden Löwen-Keeper Mario Huhnstock. Arnor Gunnarsson, in der vergangenen Saison noch im Trikot des TVB, erzielte beim 7:6 per Strafwurf die erste Führung für die Gäste (19.). Und in den restlichen elf Minuten machten die Löwen kurzen Prozess. Auch die Auszeit des TVB beim 7:11 (26.) brachte keine frischen Ideen. Zur Pause hatten sich die abgezockten Löwen die sichere 13:8-Führung erspielt, und die Hoffnung des TVB auf die Überraschung war nach dem 9:2-Lauf des BHC verschwindend gering.

Auch nach der Pause änderte sich zunächst nichts an den Kräfteverhältnissen. Der TVB kombinierte zwar etwas gefälliger und traf auch wieder ins Tor, kassierte aber postwendend Gegentreffer. So schien das Spiel in der 39. Minute beim 12:18 entschieden. Zwei Wechsel brachten jedoch frischen Wind. Daniel Sdunek ersetzte im Tor Jürgen Müller und zeigte einige starke Paraden, im Angriff kam Adrian Wehner für den glücklosen Dominik Weiß. Binnen vier Minuten kämpfte sich der TVB auf 16:18 heran – und natürlich weckte diese Aufholjagd die Fans. Die waren nach Michael Schweikardts Ausgleichstor zum 19:19 (46.) aus dem Häuschen.

In Unterzahl geriet der TVB allerdings erneut in Rückstand (19:22) – und war acht Minuten vor dem Ende drauf und dran, das Spiel zu kippen. In Überzahl leistete sich Florian Schöbinger beim Stand von 21:22 eine unnötige Zeitstrafe. Und dann versagten sowohl Friedrich als auch Schweikardt beim Siebenmeter gegen Huhnstock die Nerven. Kristian Nippes zum 21:23 und Gunnarrson zum 21:14 machten drei Minuten vor dem Ende den Sack zu. Gegen die offensive TVB-Abwehr nützte der Favorit schließlich clever die Lücken und siegte – etwas zu hoch – mit 27:22.

TV Bittenfeld:

Müller, Sdunek; Schimmelbauer (4), Schöbinger (1), Kienzle, Weiß (1), Michael Schweikardt (4/2), Friedrich (7/3), Jungwirth, Baumgarten (4), Wehner (1), Seiz, Szczesny.

Bergischer HC:

Stochl, Huhnstock; Bohnert, Hoße, Vitek (1), Hegemann (4), Gunnarsson (11/3), Nippes (3), Oelze (4/2), Barwitzki, Wöss, Weiß (3), Berggren (1).