Halbherziger Auftritt wird bestraft

Die Fans zu Hause am Liveticker mochten es ebenso wenig glauben wie die 50 tapferen Anhänger des TV Bittenfeld auf der Tribüne in der Leutershausener Heinrich-Beck-Sporthalle: Vor einer Woche hatte der Handball-Zweitligist beim Sieg gegen den Tabellenführer Emsdetten noch begeistert, nun kassierte er beim Letzten mit 22:32 die höchste Pleite in dieser Saison.

Via Facebook entschuldigte sich der Bittenfelder Kreisläufer Simon Baumgarten bei den mitgereisten Fans für die „peinliche Auswärtspleite“ und dankte den rund 50 Fans, die „extra aus Bittenfeld mitgereist waren und sich dieses Debakel mit anschauen mussten“.

Auch der Bittenfelder Interimstrainer Jürgen Schweikardt fühlte mit den Zuschauern. Einen derartig halbherzigen Auftritt seiner Mannschaft hatte auch er nicht erwartet. Wobei er die Bezeichnung „peinlich“ für nicht angemessen hält. „Das wäre respektlos gegenüber dem Gegner, der sich mächtig reingehängt und sich sehr gut auf uns vorbereitet hat.“ Sein Team indes sei meilenweit von der Leistung aus dem Spiel gegen Emsdetten entfernt gewesen. „Das war schon sehr ernüchternd, so werden wir unseren Ansprüchen natürlich nicht gerecht.“ Den Vorwurf, den Gegner unterschätzt zu haben, will Schweikardt nicht gelten lassen. „Wir haben uns genauso intensiv auf den Gegner vorbereitet.“

Nach der ersten Viertelstunde, beim 6:6, hatte es nicht nach einem Debakel für den TV Bittenfeld ausgesehen. „Wobei wir auch bis dahin nicht gut gespielt hatten“, sagt Schweikardt. Viel zu viele einfache und individuelle Fehler seien seinem Team unterlaufen. Schlechte Würfe und „sinnlose Pässe“ hätten sich abgewechselt. „Und wenn man nicht mit vollem Anlauf die Angriffe abschließt, sondern gebührenden Abstand zur Abwehr hält, dann kann das nicht zum Ziel führen.“ Unterm Strich habe vorne und hinten die letzte Konsequenz gefehlt. „Es hat sich wieder einmal gezeigt: Wer nur mit 90 Prozent in die Zweikämpfe geht, der kann nicht gewinnen.“

Zur Pause waren die Bittenfelder beim 12:15-Rückstand zwar noch in Reichweite zum Tabellenletzten. Keine zwölf Minuten waren jedoch im zweiten Abschnitt gespielt, da stand der Sieger beim 22:15 so gut wie fest. Gleich reihenweise scheiterten die Bittenfelder am starken SG-Torhüter Roko Peribonio und kassierten im Gegenzug einfache Treffer. Auch die Umstellung der Defensive fruchtete nicht. „Wir hätten sämtliche Varianten spielen können und nicht gewonnen“, sagt Schweikardt.

Nicht nur dies: Es gelang den Bittenfeldern auch nicht, den Rückstand im erträglichen Rahmen zu halten. Zehn Tore betrug am Ende die Differenz, so deutlich musste sich der TVB in dieser Saison noch nie geschlagen geben – und die Euphorie nach den beiden Siegen unter dem Trainergespann Jürgen Schweikardt/Heiko Burmeister ist schnell wieder verflogen.

Bitter war die Niederlage für den TVB auch, weil er sich im Erfolgsfall bis auf vier Punkte an Rang drei herangepirscht hätte. „Wir haben uns damit leider die Chance auf ein absolutes Top-Spiel am Freitag verbaut.“ Um 20 Uhr gastieren die Bergischen Löwen in der Scharrena. Gewinnen freilich will der TVB gegen den Tabellenzweiten trotzdem. Seit gestern läuft die Vorbereitung. „Genauso, wie wir das Emsdetten-Spiel schnell aus den Köpfen bekommen mussten, dürfen wir uns jetzt nicht zu lange an die Niederlage in Leutershausen aufhalten“, sagt Schweikardt.