“Keinesfalls das Opfer der Liga”

Nach dem überzeugenden Auftritt gegen den Tabellenführer TV Emsdetten reist der TV Bittenfeld morgen zu den „Roten Teufeln“ nach Leutershausen. Der Aufsteiger kämpft gegen den sofortigen Wiederabstieg, doch der TVB-Interimstrainer warnt: „Das ist kein Gegner, den man im Vorbeigehen schlagen kann“, sagt Jürgen Schweikardt. „Ich sehe uns nicht in der Favoritenrolle.“

Verwöhnt worden sind die Bittenfelder Fans in jüngster Zeit nicht gerade. Umso größer war die Freude am Freitag nach dem 31:27-Sieg gegen den Spitzenreiter TV Emsdetten. Natürlich auch bei den Spielern und Verantwortlichen des TV Bittenfeld. „An unserer guten Leistung dürfen wir uns aber nicht zu lange laben“, sagt der Interimstrainer Jürgen Schweikardt. Schon im Training am Montag sei der Fokus auf den nächsten Gegner gerichtet worden. „Wir haben uns konsequent auf Leutershausen vorbereitet.“



In der Tabelle rangieren die „Roten Teufel“ aus dem Rhein-Neckar-Kreis auf dem vorletzten Platz – oder am Ende. Je nachdem, ob der insolvente und erste Absteiger SV Post Schwerin schon aus der Wertung genommen wird. Neun Spieltage vor Schluss trennen das Team des ehemaligen deutschen Nationalspielers Holger Löhr sieben Punkte vom rettenden 16. Platz. Es deutet also vieles darauf hin, als kehrte der Aufsteiger umgehend in die 3. Liga zurück.



Eine leichte Aufgabe also für die offensichtlich wiedererstarkten Bittenfelder? Jürgen Schweikardt winkt ab. „Leutershausen ist alles andere als das Opfer der Liga.“ Zwar hat die SG lediglich 14 Punkte gesammelt, aber auch einige unglückliche Niederlagen hinnehmen müssen. Fünfmal alleine unterlag der Neuling mit nur einem Treffer Differenz. Zuletzt zwang er den HC Erlangen mit 27:24 in die Knie, und der Tabellendritte ThSV Eisenach schrammte beim 34:30-Sieg nur hauchdünn an einem Punktverlust vorbei. Im Hinspiel in der Scharrena dominierten die Bittenfelder beim 30:24-Sieg keineswegs so souverän, wie es das Ergebnis vermuten lässt.



Schweikardt hat sich das Video angesehen und ist beeindruckt. „Leutershausen wird alles geben, ich sehe uns keinesfalls als Favorit.“ Er vergleicht die Lage der SGL mit der ersten Saison des TVB. „Da hat uns auch oft eine gewisse Cleverness gefehlt.“ Er glaubt im übrigen nicht, dass sein Team bereits den nächsten Heimgegner, den Tabellenzweiten Bergischer HC, im Kopf hat. „Wir haben uns fest vorgenommen, uns immer nur das kommende Spiel zu konzentrieren.“



Leutershausen rückte nach dem Aufstieg von seinem klaren Konzept nicht ab: Holger Löhr und der Sportliche Leiter Uli Roth schickten das jüngste Team der 2. Liga ins Rennen, es ist gespickt mit Junioren- und Jugendnationalspielern. Dazu gehört auch Jan Forstbauer, der vor der Saison vom TV Bittenfeld kam. Auch in den nächsten Spielzeit wird sich an der Ausrichtung nicht viel ändern: Die Kaderplanungen bei den „Roten Teufeln“ sind seit dieser Woche abgeschlossen – unabhängig davon, in welcher Liga sie antreten werden. „Auch bei einem Abstieg bricht bei uns nicht alles zusammen“, sagte SGL-Handballchef Uli Roth diese Woche bei der offiziellen Pressekonferenz, bei der die neue Mannschaft vorgestellt wurde. Der Verein wolle im Falle des Abstiegs unverzüglich zurück in die 2. Liga, so Roth.



Die SGL holt mit Torhüter Sebastian Ulrich und Kreisläufer Kai Dippe zwei DHB-Juniorennationalspieler von der SG Kronau/Östringen, vom Ligakonkurrenten SG BBM Bietigheim Philipp Schulz (28) und Pascal Durak (20). Aus der aktuellen Mannschaft scheiden Philipp Müller, Simon Kuch, Jonas Gunst, Roko Peribonio, Jannik Kohlbacher, Matthias Conrad, Ben Christian und Sebastian Brehm aus.



Morgen indes müssen sich die Bittenfelder noch mal mit der aktuellen Mannschaft auseinandersetzen, und vor der hat Schweikardt durchaus Respekt. „Leutershausen hat viele hoch talentierte Spieler und kann an einem guten Tag jeden Gegner schlagen.“ Das gelang der SGL unter anderem gegen den EHV Aue und HC Empor Rostock. Gegen beide verlor der TVB.



Lars Friedrich und Simon Baumgarten haben aus dem intensiven Spiel gegen Emsdetten kleine Blessuren davongetragen. Schweikardt rechnet aber fest mit ihrem Einsatz. Nach seiner Krankheit wieder dabei ist Rechtsaußen Michael Seiz.

INTERVIEWS VOR DEM SPIEL –> ZVW.DE