Die Bittenfelder genießen den Augenblick

Nach vielen Wochen der Entbehrungen haben die Fans des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld am Freitag beim 31:27-Sieg gegen den Tabellenführer TV Emsdetten ziemlich viel von dem geboten bekommen, was den Reiz der Sportart ausmacht. „Ich denke, das Spiel war toll anzuschauen“, sagt der Interimstrainer Heiko Burmeister. „Wir genießen das jetzt ein bisschen.“

In 28 Spielen ist es erst fünf Mannschaften gelungen, den TV Emsdetten zu besiegen. Der TV Bittenfeld ist eine davon. Der Tabellenführer indes dürfte die Pleite in der Stuttgarter Scharrena verkraften. Acht Spiele vor Saisonschluss hat der TVE nach wie vor elf Punkte Polster auf den ersten Nichtaufstiegsplatz, da die HSG Nordhorn-Lingen am Sonntag bei den abstiegsbedrohten Hildesheimern patzte.

Möglicherweise dürfte dieser Umstand den Emsdettener Trainer heute ein bisschen milder stimmen. Bei der Pressekonferenz kurz nach dem Spiel war Patrik Liljestrand jedenfalls ziemlich angefressen gewesen. Die „unglaublich gute Stimmung“ in der Halle habe er nicht wirklich genießen können. „Außer Max Schüttemeyer und vielleicht den Torhütern können alle dieses Spiel vergessen“, sagte er. „Ich bin froh, dass wir nur mit vier Toren verloren haben gegen einen eindeutig besseren Gegner.“

Bittenfelder Zermürbungstaktik

So ganz daneben lag der schwedische Coach mit seiner Analyse nicht – wobei sich in solchen Spielen immer wieder die Frage stellt, ob der Sieger so gut war oder der Verlierer einen schlechten Tag erwischte. Den Bittenfeldern jedenfalls schien die dreiwöchige Spielpause nicht geschadet zu haben. So hatten sie ausreichend Zeit, sich akribisch auf den Gegner vorzubereiten. „Wir wussten, was zu tun ist“, sagt der Bittenfelder Interimstrainer Heiko Burmeister.

Dass die Spieler die Vorgaben nahezu hundertprozentig umsetzten, freut ihn. Schlüssel zum Erfolg sei die Bereitschaft der Spieler gewesen, in der Abwehr lange Wege zu gehen. „Die Beinarbeit war hervorragend, alle haben sehr gut verschoben.“ Es sei kaum möglich, dabei einen Einzelnen hervorzuheben.

In die Karten gespielt hat den Bittenfeldern sicherlich, dass die Emsdettener mit dem finnischen Nationalspieler Olafur Ragnarsson auf einen ihrer wichtigsten Spieler verzichten mussten. Dessen Vertreter Elvir Selmanovic schmeckte die aggressive Bittenfelder Deckung ebenso wenig wie den anderen beiden Rückraumspielern, Ernir Arnarson und Janko Bozovic. Selmanovic verlor früh die Lust, Bozovic schoss Fahrkarte um Fahrkarte. Und der Finne blieb gar ohne Feldtor. „Emsdetten kam oft nur durch Einzelaktionen zu Toren“, sagt Burmeister. Die Bittenfelder störten clever den Spielrhythmus des Spitzenreiters. Kurzum: Der TVB zermürbte den Favoriten und ließ nicht nach bis zum Schlusspfiff.

Und wie so oft, wenn’s richtig läuft, hatte der TVB in der einen oder anderen Situation das Glück auf seiner Seite: bei Abprallern oder einem nicht gegebenen Kontertreffer Arnarsons. Es war aber auch ein ordentliches Stück Können dabei. So zeigte unter anderem der Spielmacher Michael Schweikardt, was für ein feines Händchen er hat: Gleich dreimal legte er zum Kempa auf für Peter Jungwirth, Lars Friedrich und Tobias Schimmelbauer. Alle drei verwandelten auf spektakuläre Art und Weise, was insbesondere Vitali Feshchanka maßlos ärgerte. Das dürfte dem ehemaligen weißrussischen Nationaltorhüter noch nie passiert sein in einem Spiel.

Die Fans honorierten die Schmankerl auf ihre Weise. „Dass die Fans schon vier Minuten vor dem Ende aufgestanden sind, habe ich in der Scharrena auch noch nicht erlebt“, sagt Burmeister.

Bei aller Freude über die starke Vorstellung: Burmeister denkt schon weiter – und warnt vor dem nächsten Gegner. Am Samstag geht’s nach Leutershausen, das sich als Vorletzter mit aller Macht gegen den Abstieg stemmt. Beim Tabellendritten ThSV Eisenach hielt die SG zuletzt bis acht Minuten vor dem Ende ein Unentschieden und musste sich erst in der Schlussphase mit 30:34 geschlagen geben.

Burmeister hofft, dass viele Fans den TVB ins etwa eineinhalb Stunden entfernte Leutershausen zum baden-württembergischen Derby begleiten werden. Viele kürzere Anfahrtswege hat der TVB in der Liga nicht.

Info zum FANBUS (Leutershausen)

Der TVB setzt zum Spiel in Leutershausen am kommenden Samstag, 20. April, einen Fan-Bus ein. Abfahrt am Vereinsheim ist um 17 Uhr, Spielbeginn in der Heinrich-Beck-Halle in Leutershausen ist um 20 Uhr. Wer sich einen Platz im Bus reservieren will, sollte auf der TVB-Geschäftsstelle anrufen: ) 0 71 46/2 81 87 50. Auch Kurzentschlossene können – ohne Anmeldung – noch mitfahren, wenn Plätze frei sein sollten.