Bittenfeld knackt den Tabellenführer

Mit seiner wohl besten Saisonleistung hat der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld gestern Abend vor 1805 begeisterten Zuschauern in der Stuttgarter Scharrena den Spitzenreiter TV Emsdetten überraschend mit 31:27 (15:13) in die Knie gezwungen. Grundlage hierfür war die überragende Defensive mit dem bärenstarken Jürgen Müller im Tor.

Die Fans erhoben sich bereits fünf Minuten vor dem Schlusspfiff von ihren Sitzen. Auf ein enges Spiel gegen den starken Tabellenführer hatten viele gehofft, mit einer derart souveränen Vorstellung des Außenseiters indes war nicht zu rechnen. Die Bittenfelder zermürbten den TV Emsdetten mit einer über 60 Minuten hinweg äußerst aggressiven Deckung. Und der Angriff spielte flüssig und ideenreich wie schon lange nicht mehr. Nicht nur die drei wunderschönen Kempa-Treffer sind ein Beleg hierfür. Der Spitzenreiter jedenfalls war spätestens nach 42 Minuten, beim 15:23-Rückstand, konsterniert.

Emsdetten musste ohne seinen isländischen Nationalspieler Olafur Ragnarsson antreten. Das fiel umso mehr ins Gewicht, weil der torgefährlichste Spieler des TVE einen rabenschwarzen Tag erwischte: Janko Bozovic warf gefühlte 20 Mal aufs Bittenfelder Tor. Er scheiterte aber entweder am Block des TVB oder am überragenden Jürgen Müller, der nach 60 Minuten 15 Paraden auf dem Zettel hatte. Weil auch zunächst sein Gegenüber Nils Babin stark hielt, startete die Partie torarm und ausgeglichen. 4:4 stand’s nach zwölf Minuten.

Die Bittenfelder 6:0-Abwehr hatte sich hervorragend auf die Abläufe des Emsdettener Angriffs eingestellt, störte den gefährlichen Rückraum mit Bozovic, Elvir Selmanovic und Ernir Arnarson früh. Das schmeckte den Gästen überhaupt nicht. Einzig der Kreisläufer Stefan Thünemann setzte sich hin und wieder durch. Er war auch beim 6:4 für die erste und einzige Zwei-Tore-Führung des Favoriten verantwortlich (14.). Doch auch Thünemann bekam der TVB mehr und mehr in den Griff. Die Abwehr blockte die Würfe gleich reihenweise, wodurch die Bittenfelder zu Kontern kamen. Der gute Simon Baumgarten sorgte für die 12:9-Führung (24.). Gästetrainer Patrik Liljestrand brachte Max Schüttemeyer für den schwachen Selmanovic – und den 19-Jährigen hatte der TVB offensichtlich nicht auf der Rechnung. Er setzte sich mehrfach entschlossen durch. Die verdiente 15:13-Halbzeitführung des TVB verhinderte aber auch er nicht.

Wild entschlossen kam der TVB aus der Kabine. Die Abwehr agierte weiterhin sehr aufmerksam, und plötzlich lief’s auch vorne wie am Schnürchen. Die Bittenfelder spielten wie aufgedreht, konterten die Gäste aus und überzeugten auch im Positionsspiel mit viel Spielwitz. Und mit dem überragenden Lars Friedrich hatten sie auch einen sicheren Siebenmeterschützen: Er verwandelte sämtliche sechs Strafwürfe. Mit einem fulminanten 8:2-Lauf schraubte der TVB den Vorsprung binnen zwölf Minuten auf 23:17.

Beim TV Emsdetten kam Nacor Perez auf der Mitteposition, mit seiner Wucht sorgte er für den einen oder anderen Treffer. Der TVB jedoch war nicht mehr zu halten, das Team und die Fans hatten mächtig Spaß am Spiel. Auf fünf Tore (27:22) verkürzte Emsdetten in der 50. Minute. Eng wurde es aber nicht mehr, der TVB zog wieder davon und siegte über 29:22 und 30:24 hochverdient mit 31:27. Und die Fans hatten nach vier Monaten endlich wieder einmal Grund zu feiern in der Scharrena.

TV Bittenfeld: Müller, Sdunek; Schimmelbauer (5), Schöbinger, Kienzle, Weiß (4), Michael Schweikardt (2), Friedrich (12/6), Jungwirth (3), Baumgarten (5), Wehner, Szczesny.

TV Emsdetten: Babin, Feshchanka; Selmanovic (2), Kvalvik, Kamp (1), Bozovic (2), Reiser (1), Thünemann (4), Schüttemeyer (7), Boomhouwer (4/1), Schulz, Perez (5), Arnarson (1/1).