TVB gegen Tabellenführer Emsdetten gefordert

Nach der dreiwöchigen Spielpause freuen sich die Bittenfelder Zweitliga-Handballer auf den Tabellenführer TV Emsdetten, der heute Abend in der Scharrena gastiert. „Wir haben uns intensiv vorbereitet“, sagt Heiko Burmeister, der nach dem Rücktritt von Trainer Günter Schweikardt das Team gemeinsam mit Jürgen Schweikardt bis Saisonende coacht.

Die Aufregung nach dem Rücktritt von Trainer Günter Schweikardt hat sich längst gelegt in Bittenfeld. Einen wesentlichen Teil dazu beigetragen hat der 29:28-Erfolg in der Porsche-Arena gegen den ASV Hamm-Westfalen – ein perfekter Einstieg für das neue Trainergespann Jürgen Schweikardt/Heiko Burmeister.

„Der Sieg hat dem einen oder anderen Spieler sicher wieder Selbstvertrauen gegeben“, sagt Burmeister. Ob die anschließende dreiwöchige Pause, dem Rückzug des SV Post Schwerin und der EM-Qualifikation geschuldet, förderlich war für den TVB, vermag Burmeister nicht zu sagen. Die Gefahr, den Rhythmus zu verlieren, habe nicht bestanden. Der sei nach den vielen Niederlagen nicht wirklich vorhanden gewesen.

Das neue Trainerduo hatte jedenfalls genügend Zeit, während der 20-tägigen Auszeit die Mannschaft auf den Endspurt in der Liga vorzubereiten. „Es wird jetzt nicht alles neu sein“, sagt Burmeister. „Aber natürlich werden wir ein paar Dinge anders machen als vorher.“ Dazu gehört unter anderem der Umbau der Defensive. Weil sich Jürgen Schweikardt ausschließlich auf seine Coaching-Tätigkeit konzentrieren wird, braucht es einen Ersatz im Mittelblock. „Das ist vielleicht die größte Veränderung“, sagt Burmeister. Schweikardts Rolle könnte der junge Dennis Szczesny einnehmen, der gegen Hamm ein gutes Spiel machte.

Auf jeden Fall werden die Bittenfelder künftig wieder mehr der 6:0-Deckung vertrauen – „wobei die 5:1-Formation in der Hinrunde so verkehrt ja nicht war“. Nur: Die Gegner schliefen nicht und fanden nach eingehender Videoanalyse immer öfter Lösungen gegen die Bittenfelder Abwehr.

„Wir spielten in der Rückrunde in der Abwehr und im Angriff nicht mehr ganz so gut“, sagt Heiko Burmeister. „Und wenn zwei, drei Spieler außer Form sind, dann hat man gegen keinen Gegner in der Liga eine Chance.“

Insbesondere, wenn der Kontrahent auf jeder Position doppelt besetzt ist und damit Formschwankungen ausgleichen kann – wie beispielsweise der Gegner heute Abend. Der TV Emsdetten hat als Spitzenreiter elf Punkte Vorsprung vor dem ersten Nichtaufstiegsplatz. Neun Spiele vor dem Ende dürfte unter normalen Umständen nichts mehr schiefgehen.

„Emsdetten steht nicht zu Unrecht ganz oben“, sagt Burmeister. „Die Mannschaft hat unwahrscheinlich viel Erfahrung.“ Mit dem Wissen um die eigene Stärke habe der TVE so manches Spiel gedreht, in dem er zur Halbzeit noch zurückgelegen habe. Emsdetten spiele äußerst flexibel und sei deshalb extrem schwierig auszurechnen. „Jeder Spieler weiß, dass er in der 2. Liga auf höchstem Niveau spielen kann.“

Der Mittelblock in der 6:0-Abwehr des TVE mit dem Schweden Patrik Kvalvik und Stefan Thünemann zählt zum Besten, was die Liga zu bieten hat. „Wir müssen sehen, dass wir die Abwehr zum Laufen bringen.“ Hervorragend besetzt ist der Spitzenreiter auch im Tor mit Nils Babin und dem 70-fachen weißrussischen Ex-Nationaltorhüter Vitali Feshchanka.

Prunkstück der Emsdettener ist zweifelsohne der Rückraum mit den beiden aktuellen isländischen Nationalspielern Olafur Ragnarsson und Ernir Arnarsson, dem weißrussischen Internationalen Andrej Kurtchev, dem österreichischen Auswahlspieler Janko Bozovic und dem ehemaligen Torschützenkönig Elvir Selmanovic. Linksaußen Jeffrey Boomhouwer spielt für die niederländische Nationalmannschaft.

„Wir brauchen eine außerordentliche Abwehrleistung – und zwei sehr gute Torhüter“, sagt Burmeister. Der Coach glaubt an eine knappere Partie als im Hinspiel, in dem die Bittenfelder bei der 26:32-Niederlage chancenlos waren. „Wir haben uns drei Wochen intensiv vorbereitet und möchten jetzt den Lohn für die Arbeit abholen. Die Mannschaft muss mit Herz und Verstand bei der Sache sein.“ Sollte dem TVB tatsächlich die Überraschung gelingen, wäre eine weitere Negativserie beendet: Den letzten Sieg in der Scharrena gab’s vor über vier Monaten beim 29:25 gegen die HG Saarlouis. Die jüngsten beiden Heimsiege gegen Leipzig und Hamm sahen die Fans in der Porsche-Arena.

Ausfallen wird der Rechtsaußen Michael Seiz, den eine Magen-Darm-Grippe plagt.