“Wir gehen jetzt etwas ruhiger in die Spielpause”

„Ich hoffe, die ganze Aufregung legt sich jetzt ein bisschen“, sagt Jürgen Schweikardt. Seit dem Rücktritt seines Vaters Günter am Donnerstag ist der Geschäftsführer auch Trainer beim Handball-Zweitligisten, zusammen mit dem bisherigen Co-Trainer Heiko Burmeister. Zum Debüt gab’s den langersehnten Sieg gegen den ASV Hamm-Westfalen.

Unruhig waren die Zeiten in Bittenfeld nach 2:12 Punkten in Serie sowieso, der überraschende Rücktritt des Trainers Günter Schweikardt einen Tag vor dem so wichtigen Spiel gegen den ASV Hamm-Westfalen sorgte für zusätzlichen Zündstoff. Dass die Bittenfelder auf die Schnelle keinen Nachfolger präsentieren würden, war klar. Die Interims-Lösung mit dem bisherigen Co-Trainer Heiko Burmeister und Jürgen Schweikardt war keine große Überraschung – wobei die Aufgaben klar verteilt seien, sagt Schweikardt. Den Trainingsbetrieb stemmten er und Burmeister gemeinsam, das Coaching im Spiel sei seine Aufgabe. „Natürlich in Absprache mit Heiko.“ Burmeister kümmert sich zudem, wie bisher auch, um die Torhüter.

Vollkommen neu sei die Aufgabe für ihn nicht, sagt Jürgen Schweikardt. Er habe sich auch bisher schon mit seinem Vater in vielen Dingen ausgetauscht. „Aber natürlich war ich vor dem Spiel sehr nervös, ich musste mich ja ganz anders vorbereiten.“ Er sieht kein Problem darin, dass er plötzlich seinen ehemaligen Mitspielern die Richtung vorgeben muss. „Sicherlich kann das Verhältnis nicht ganz so distanziert sein wie bei einem anderen Trainer“, sagt Jürgen Schweikardt. Er könne schließlich nicht plötzlich autoritär auftreten.

Die Spieler haben sich in der Verantwortung gefühlt

Er habe aber gespürt, dass sich die Spieler in der Verantwortung gefühlt hätten. „Sie wollten zeigen, dass ihnen etwas am TVB liegt. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen – egal wie.“ Wobei der neue Coach mit einer taktischen Überraschung aufwartete und statt der gewohnten 5:1- die 6:0- Deckung anordnete. Die war auch der neuen Personalsituation geschuldet: Weil sich der Abwehrchef Jürgen Schweikardt ausschließlich auf seine Coaching-Aufgabe konzentrieren wollte, mussten andere die Aufgabe im Mittelblock übernehmen. Beispielsweise der junge Dennis Szczesny. „Er kommt in der 6:0 besser zurecht und hat das auch sehr gut gemacht“, sagt Jürgen Schweikardt. „Das bedeutet aber nicht, dass wir die 5:1 künftig nicht mehr spielen.“

Mit dem Auftritt der Mannschaft war der neue Coach im Großen und Ganzen zufrieden, auch wenn der TVB in der Schlussphase das Glück auf seiner Seite hatte. „Diesbezüglich waren wir in den 50 Minuten davor nicht gerade im Vorteil.“ Gegen Ende habe die individuelle Klasse den Ausschlag gegeben. Daniel Sdunek habe nach seiner Einwechslung wichtig Bälle gehalten, und Michael Schweikardt habe die Verantwortung übernommen: Dreimal hintereinander traf der angeschlagene Spielmacher.

Zuvor hatten die Bittenfelder kräftig zittern müssen, verspielten sie doch binnen kurzer Zeit ihren Vier-Tore-Vorsprung. „Ich hatte trotzdem ein gutes Gefühl“, sagt Jürgen Schweikardt. „Wir sind ja nicht eingebrochen, sondern haben nur unsere Chancen nicht mehr verwertet.“ Nach dem 23:19 in der 38. Minuten scheiterten die Bittenfelder neunmal aus dem Spiel heraus, zudem ließ es Lars Friedrich bei einem Siebenmeter zu lässig angehen.

Am Ende bejubelten die Spieler gemeinsam mit 4838 Fans in der Porsche-Arena beim 29:28 den zweiten Sieg in der Rückrunde. Der Abstand zu den Abstiegsplätzen bleibt bei acht Minuspunkten. Damit kann der TVB einigermaßen ruhig ins nächste Spiel gehen, das in knapp drei Wochen auf dem Plan steht: Am Freitag, 12. April, kommt der Tabellenführer und designierte Aufsteiger TV Emsdetten in die Scharrena.

„Wir werden in der Pause ordentlich trainieren“, sagt Schweikardt. „Ich hoffe, die ganze Aufregung legt sich nun etwas.“ Die Themen werden den Bittenfeldern nicht ausgehen. Es gilt, die nächste schwierige Aufgabe anzugehen: Es muss ein Trainer für die neue Saison gefunden werden. „Die Gesellschafterversammlung wird sich in den nächsten Tagen zusammensetzen“, sagt Jürgen Schweikardt.