Das Duell der Enttäuschten

Zum Frustabbau treffen sich heute die beiden württembergischen Handball-Zweitligisten in der mit 2049 Zuschauern ausverkauften Scharrena. Im Derby geht’s für die ambitionierten, aber zuletzt erfolglosen Bittenfelder und Bietigheimer darum, nicht im grauen Mittelmaß zu versinken. Die SG ist seit drei Spielen punktlos, der TVB hat eine Bilanz von 2:8 Zählern.

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Michael Schweikardt hat sicherlich schon lustigere Geburtstage gefeiert. Auf der Rückfahrt aus Hüttenberg wurde der Bittenfelder Spielmacher gestern 30 Jahre alt, zum Feiern indes dürfte ihm nicht zumute gewesen sein. Zu bitter war die 28:30-Niederlage beim Erstliga-Konkurrenten. Auch für seinen Vater und Trainer. „Es gibt ärgerliche Niederlagen, sehr ärgerliche und sehr, sehr ärgerliche“, sagt Günter Schweikardt. Die in Hüttenberg zähle eindeutig zur letzten Kategorie. „Wir haben uns für unsere über weite Strecken gute Leistung nicht belohnt.“ In den entscheidenden Phasen hätten die Nerven des einen oder anderen Spielers versagt, freie Chancen seien genügend vorhanden gewesen.

Zudem luden die Hüttenberger den TVB in der hektischen Schlussphase ein, mindestens einen Punkt mitzunehmen. Für ein Foul an Florian Schöbinger schickten die Schiedsrichter Jörg Berning und Hendrik Thiermann den Hüttenberger Florian Laudt für zwei Minuten zum Abkühlen auf die Strafbank. Der Spielgestalter beschwerte sich darüber lautstark und bekam zwei zusätzliche Minuten aufgebrummt. Doch die Bittenfelder ließen beim 23:25-Rückstand die vierminütige Überzahl ungenutzt, Hüttenberg sorgte gar in dieser Phase für die Entscheidung.

So stand der TVB am Ende mit der vierten Niederlage im fünften Rückrundenspiel da. Das ist mit die schlechteste Bilanz aller 19 Zweitligisten. Dabei hatte der TVB an Weihnachten bei der Konkurrenz hoch im Kurs gestanden. Wenn die Aufstiegskandidaten aufgezählt wurden, tauchte der TV Bittenfeld meist ganz vorne in der Rangliste auf. Doch seit der 35:38-Niederlage in Aue zum Auftakt der Rückrunde scheint der Wurm drin zu sein im Spiel der Bittenfelder. Mal klemmt’s hinten, mal vorne. Und plötzlich schwächeln sie auch in der – ehemaligen – Festung Scharrena. In der Fremde lassen sie große Chancen liegen, die Heimpatzer wieder wettzumachen. Wie jetzt am Mittwoch. So langsam verabschieden sich die Bittenfelder von den Aufstiegsrängen, vier Punkte beträgt das Polster auf die starken Eisenacher. „Auf die Tabelle brauchen wir jetzt nicht mehr zu schauen“, sagt Günter Schweikardt. „Es zählen nur die Punkte.“

Davon hat der Gegner heute Abend zuletzt auch nicht besonders viele gesammelt. Genau genommen: gar keinen aus den jüngsten drei Partien. Gegen Saarlouis unterlag die SG BBM Bietigheim zu Hause mit 29:31, in Erlangen mit 21:28 und am Mittwoch dem abstiegsgefährdeten SC DHfK Leipzig mit 28:29. Die Bietigheimer haben sich über diese Niederlage genauso geärgert wie der TVB in Hüttenberg: Der Leipziger Matthias Gerlich erzielte den Siegtreffer mit einem direkten Freiwurf.

Für das Team von Trainer Jochen Zürn dürfte es bei fünf Pluspunkten Rückstand auf Rang drei ebenfalls schwer werden, ganz vorne mitzuspielen. Um die Jahreswende hatte die SG nach 9:1 Punkten in Serie vom Aufstieg träumen dürfen. Dem TVB fügte sie im Hinspiel eine schmerzliche 24:32-Niederlage zu.

Wie immer in den Derbys, so geht’s auch heute nicht nur darum, die Negativserien zu beenden. Wenn’s mit dem Aufstieg bei beiden nicht klappen sollte: Am Saisonende vor dem Konkurrenten zu stehen, ist zumindest nicht von Nachteil. Für Thorsten Salzer, in der vergangenen Saison noch im Trikot des TVB, wird’s ein Wiedersehen geben. Pierre Freudls Engagement beim TVB liegt schon deutlich länger zurück. Bittenfeld tritt wie Bietigheim in Bestbesetzung an.