TVB-Festung SCHARRena endgültig gefallen

Der Höhenflug des TV Bittenfeld 1898 nach dem Kantersieg bei den Friesenheimer Eulen war kurz. Am Freitagabend unterlagen die WILD BOYS in der mit 1.850 Zuschauern gefüllten SCHARRena dem Tabellendritten ThSV Eisenach mit 27:33 (10:15). Beim TVB war Lars Friedrich aufgrund einer starken zweiten Halbzeit erfolgreichster Spieler mit zehn Treffern.

Knapp zwanzig Minuten benötigte Bittenfeld in der hitzigen Atmosphäre der Stuttgarter Spielstätte, um die eigene schwache Anfangsphase vergessen machen zu können. Mit 1:4 (7.) und 2:5 (8.) lag das Team beide Male aufgrund der Treffer von Hannes Jon Jonsson zurück, schien probate Mittel im Angriff gegen die gut stehende Eisenacher Deckung zu suchen. In der Abwehr stand der TVB zunächst bei weitem nicht so sicher und lückenlos wie noch eine Woche zuvor in Friesenheim. Der ThSV lief lange Angriffe, agierte sehr oft am Zeitspiel – aber erzielte beinahe immer im letzten Moment den Treffer.

Erst beim 8:9 (19.) durch Lars Friedrich schnupperte Bittenfeld in eigener Halle am Ausgleich, um alles wieder auf „Null“ stellen zu können. Doch der ersehnte Ausgleich wollte nicht fallen. Vor allem vergebene Torchancen waren dafür verantwortlich, dass Eisenach wieder wegziehen konnte und bis zur Halbzeitpause beim 10:15 mit fünf Treffern Unterschied in Front lag. An Stanislav Gorobtschuk scheiterten die WILD BOYS gleich reihenweise. Der Gäste-Torhüter zeigte in den ersten dreißig Minuten insgesamt zehn starke Paraden. Auf der anderen Seite verhinderte Jürgen „die Krake“ Müller durch gute Aktionen schlimmeres.

Die Erwartungshaltung bei den Zuschauern war nach dem Wiederanpfiff nicht allzu groß. Der TVB hatte nur zehn magere Treffer erzielt, offenbarte immer wieder große Lücken in der Abwehr und zeigte vermeidbare technische Fehler. Die ernüchternde Bilanz der ersten Halbzeit fand Anfang des zweiten Durchgangs allerdings keine Fortsetzung. Bittenfeld kam wie ausgewechselt aus dem Bauch der Mercedes-Benz-Arena, allen voran Lars Friedrich. Der Linkshänder brachte durch einen Dreierpack sein Team zurück, Tobias Schimmelbauer vollendete einen Konter des kämpfenden TVB zum 15:16 (35.) – die Hausherren waren zurück, angepeitscht von einer grandiosen Zuschauerkulisse, die ihr Team nicht aufgegeben hatte. Lediglich im linken Rückraum fehlte den WILD BOYS über die gesamte Spielzeit hinweg weitestgehend die nötige Durchschlagskraft.

Wer jedoch gedacht hatte, dass mit dem 15:16 jetzt endlich die Trendwende erkämpft worden wäre, hatte sich getäuscht. Es folgten vermeidbare Szenen im Angriff: Ein Ballverlust, ein Wurf am Tor vorbei, ein verworfener Siebenmeter und ein erneuter Fehlwurf. Besonders ärgerlich dabei wiegen in dieser Phase die beiden Glanzparaden von Müller, wodurch die Wartburgstädter sich nicht entscheidend absetzen konnten – der TVB hatte dadurch die große Chance auf den Ausgleich. Vom 17:18 (41.) durch Peter Jungwirth zog der ThSV aber wieder auf 21:24 (48.) davon, doch der treffsichere Siebenmeterschütze Jürgen Schweikardt erzielte den 23:24-Anschlusstreffer (51.), Lars Friedrich das 24:25 (52.). Alleine der Ausgleich sollte den Bittenfeldern an diesem Abend einfach nicht gelingen, denn es folgten erneut ein Ballverlust, der Fehlwurf sowie der technische Fehler. Für eine erste Vorentscheidung sorgte der überragende Spielmacher Jonsson durch das 24:29 (56.).

„Die Niederlage geht völlig in Ordnung. Wir haben heute nicht die Leistung abrufen können, die nötig gewesen wäre, um gegen diesen starken Gegner bestehen zu können“ fand Günter Schweikardt lobende Worte für die Gäste nach dem verlorenen Spitzenspiel. Der ThSV Eisenach fügte den Hausherren in der Schlussphase eine 27:33-Heimniederlage zu, die zweite in Folge. Von der uneinnehmbaren „Festung SCHARRena“ aus der Hinrunde ist nun nach dem doppelten Punktverlust nicht mehr viel übrig. Und die kommenden Partien werden nicht einfacher. Am kommenden Mittwoch steht bereits das schwere Auswärtsspiel in Hüttenberg an, nur zwei Tage danach bestreiten die WILD BOYS das Lokalderby gegen die SG BBM Bietigheim in der seit Wochen ausverkauften SCHARRena. Der beste Zeitpunkt, um zur eigenen Heimstärke zurückzufinden.

 
TV Bittenfeld 1898:
Müller, Sdunek – Schimmelbauer (1), Schöbinger (2), Kienzle, Weiß (1), M. Schweikardt (4/1), Friedrich (10/1), J. Schweikardt (5/5), Jungwirth (3), Baumgarten (1), Wehner, Szczesny, Seiz.
 
ThSV Eisenach:
Gorobtschuk, Musil – Trautvetter, Wöhler (3), Jonsson (9/1), Luther (3), Miljak (1), Stölzner, Kaluzinski, Hansen (1), Schiffner, Heinemann (7/6), Lilienfelds (9), Koloper.