Es knistert: Vierter gegen Dritter

Das Top-Spiel des 22. Spieltags steigt heute in der Scharrena: Mit einem Sieg gegen den ThSV Eisenach verdrängte der TV Bittenfeld den Gegner vom Aufstiegsplatz. Auch wenn die Bittenfelder sich dessen natürlich bewusst sind: Sie reden nicht allzu gerne über diesen Rollentausch. Schließlich brachte der dritte Rang zum Rückrundenstart nicht allzu viel Glück.

Der 21. Spieltag war nahezu perfekt aus Bittenfelder Sicht. Mit Eisenach, Bietigheim und Hüttenberg büßten gleich drei Mannschaften aus dem vorderen Tabellendrittel überraschend Punkte ein – und das auch noch auf eigenem Terrain. Der TVB selbst meldete sich mit dem 34:25-Sieg in Friesenheim eindrucksvoll zurück nach dem reichlich missratenen Saisonauftakt. Mit einem Schlag verbesserten sich damit die Aussichten, im Aufstiegsrennen doch wieder ein gewichtiges Wörtchen mitreden zu können.

Der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt freute sich zwar sehr über die deutliche Leistungssteigerung seiner Mannschaft. So richtig indes scheint er dem Frieden nicht zu trauen. „Bis zum vergangenen Wochenende waren in der Regel die Heimmannschaften erfolgreich“, sagt er. „Das hat sich jetzt geändert.“ Mittelfristige Prognosen zu stellen sei angesichts der „Ausschläge von Woche zu Woche in beide Richtungen“ äußerst schwierig.

Nahezu an jedem Spieltag hat ein anderes ambitioniertes Team einen Nackenschlag zu verkraften. War’s vor zwei Wochen der TV Bittenfeld gewesen, so herrschte jetzt beim morgigen Gegner Eisenach Tristesse.

Rostock ist auch für Eisenach der Spielverderber

Mit 9:1 Punkten in Folge und zuletzt dem imponierenden 38:24-Sieg in Saarlouis kletterte das Team von Trainer Adalsteinn Eyolfsson auf Rang drei, erwartete mit breiter Brust den HC Empor Rostock – und trottete nach der 28:29-Niederlage bedröppelt vom Spielfeld. Den dritten Rang verteidigten die Eisenacher zwar dank des besseren Torverhältnisses vor dem TV Bittenfeld. Viel schlimmer jedoch als die nicht einkalkulierte Pleite traf die Eisenacher die Verletzung von Tomas Sklenak. Der tschechische Nationalspieler und Kopf der Mannschaft brach sich im Spiel die Hand und fällt mehrere Wochen aus.

Das ist bitter für die Eisenacher, schließlich schienen sie in den jüngsten Spielen ein neues Traumduo im Rückraum gefunden zu haben. Hannes Jon Jonsson, der vom Erstligisten TSV Hannover-Burgdorf unter die Wartburg gewechselt war, kam nach seiner schweren Blasenoperation immer besser in Fahrt. Der 33-jährige Isländer lenkte das Spiel, dafür rückte Sklenak in den linken Rückraum. Dass die beiden schwer zu bändigen sind, erfuhr die HG Saarlouis: Gleich 20 Tore gingen auf das Konto des Duos.

Auch wenn der Ausfall von Sklenak die Eisenacher hart trifft: Sie haben immer noch ein Team beieinander, das um den Aufstieg mitspielen kann, und sind auf fast jeder Position doppelt besetzt. „Eisenach kann Sklenaks Ausfall locker kompensieren“, sagt Schweikardt. Im rechten Rückraum stehen der 82-fache lettische Nationalspieler Girts Lilienfeld (30) und der kroatische Internationale Duje Miljak (29) zur Wahl, auf der anderen Seite oder auf der Spielmacherposition Daniel Luther (25) und der ehemalige Zweitliga-Torschützenkönig Eryk Kaluzinski (35). Gleich dreifach besetzt ist der ThSV am Kreis mit Benjamin Trautvetter (27), Branimir Koloper (27) und dem dänischen Neuzugang Nicolai Hansen. Der treffsicherste Akteur, Nick Heinemann, spielt auf Rechtsaußen. Das Torhüterduo bilden der ehemalige tschechische Nationaltorhüter Radek Musil (39) und der Ex-Junioren-Nationalkeeper Stanislaw Gorobtschuk (24).

Im Hinspiel hatte der TV Bittenfeld knapp mit 23:22 die Nase vorne, es war der erste Auswärtssieg des TVB überhaupt in Eisenach. Dessen Bedeutung indes relativierte sich im Laufe der Saison, schwächeln die in den vergangenen Jahren so heimstarken Eisenacher doch in dieser Spielzeit überraschenderweise zu Hause: Fünfmal gaben sie beide Punkte ab, einmal gab’s ein Unentschieden. Auf der anderen Seite war lediglich der Bergische HC mit acht Siegen auswärts erfolgreicher als Eisenach, das sechs Erfolge zu Buche stehen hat. Der ThSV dürfte also einigermaßen zuversichtlich nach Stuttgart reisen – ohne den Druck des eigenen Publikums im Rücken.

„Wir haben uns mit dem Sieg in Friesenheim Selbstvertrauen geholt“, sagt Schweikardt, der ein „hochspannendes Spiel“ erwartet, bei dem die Tagesform entscheide. „Der Vierte gegen den punktgleichen Dritten: Handballherz, was willst du mehr?“ Für beide Mannschaften sei’s die große Chance, oben mit dabeizubleiben.

Personell hat der Coach keine Sorgen, alle Spieler sind einsatzbereit.