Eine Portion Lockerheit schadet nicht

So schnell geht’s: Hatte der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld nach dem Rostock-Spiel noch Trübsal geblasen, nährt der starke Auftritt in Friesenheim wieder die Hoffnung auf einen Aufstiegsplatz. Für den TVB-Trainer indes hat sich nichts geändert. „Wir wollen so schnell wie möglich 34 Punkte“, sagt Günter Schweikardt. „Dann können wir uns neue Ziele setzen.“

Wer am Wochenende auf die Spiele der 2. Liga gewettet hat, der hat viel Geld gemacht. Vorausgesetzt, er setzte auf die klaren Außenseiter. In den acht Partien nahmen gleich sechs Auswärtsteams die Punkte mit nach Hause – und das mehr oder weniger überraschend.

Der TV Hüttenberg, eigentlich ein heißer Kandidat auf den dritten Aufstiegsplatz, unterlag dem HC Erlangen mit 23:27 und wartet damit seit vier Spielen auf einen Sieg. Die HG Saarlouis vermieste der SG BBM Bietigheim die Heimpremiere in der Ege-Trans-Arena. 4123 hoffnungsvolle Fans sahen die 29:31-Niederlage der ambitionierten SG. Und der Tabellendritte aus Eisenach, der sich in der Vorwoche noch über den Ausrutscher der Bittenfelder gegen Rostock gefreut hatte, patzte nun gegen denselben Gegner.

Der Spitzenreiter TV Emsdetten mühte sich zum 27:24-Sieg gegen den Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg, der Tabellenfünfte HSG Nordhorn-Lingen zitterte sich zum 28:26-Erfolg gegen den Drittletzten TuS Ferndorf.

Der Trainer beteiligt sich nicht an Spekulationen

„Dass Rostock auch in Eisenach gewonnen hat, relativiert vielleicht unsere Niederlage gegen Empor etwas“, sagt Günter Schweikardt. Die jüngsten überraschenden Ergebnisse bestärken den Bittenfelder Trainer darin, „dass es keinen Sinn macht, sich an irgendwelchen Spekulationen zu beteiligen“. Von Woche zu Woche ergebe sich ein anderes Tabellenbild.

Deshalb nimmt der Coach nach den ersten Punkten in diesem Jahr auch das Wort Aufstieg nicht in den Mund. „Ich bleibe dabei: Wir möchten schnellstmöglich die 34 Punkte erreichen“, sagt er. „Erst dann können wir uns ein neues Zwischenziel setzen.“

Es sieht derzeit so aus, als ob die Aufstiegskandidaten ihrer Rolle nicht gerecht werden. Nach Weihnachten, auf Platz drei liegend, schien der TVB beste Karten zu haben – und patzte. Zuletzt beschäftigten sich die Eisenacher intensiver mit dem Thema Aufstieg – und vergaßen dabei offensichtlich den nächsten Gegner. Und auch die Bietigheimer bekamen das Nervenflattern vor großer Kulisse. „Es scheint, dass wir dem Druck nicht gewachsen sind“, sagte der SG-Trainer Jochen Zürn.

Möglicherweise entscheidet am Ende das Nervenkostüm über den Aufstieg. „Vielleicht sollte man bei allen Erwartungen eine gewisse Lockerheit bewahren“, sagt Günter Schweikardt. Der war sehr angetan vom Auftritt seiner Mannschaft beim 34:25-Sieg in Friesenheim. „Das war durch die Bank eine gute Leistung“, sagt er. „Der Sieg war in dieser Deutlichkeit sicher nicht zu erwarten.“ Es sei deutlich zu spüren gewesen, dass seine Spieler – im Gegensatz zur Vorwoche – wieder vollständig bei Kräften gewesen seien. „Man merkt es einfach, wenn man intensiv trainieren kann.“

Die Bittenfelder hatten sich offensichtlich glänzend auf die Friesenheimer eingestellt und ließen sich auch vom Comeback des TSG-Routiniers Stephan Just nicht beeindrucken. Der Ex-Nationalspieler blieb blass – ganz im Gegensatz zum Spielmacher der TVB, Michael Schweikardt. Der bekam vom verletzten Friesenheimer Spielgestalter Benny Matschke, am Sonntag Co-Kommentator beim Live-Radio, ein Sonderlob. Schweikardt lenkte das Spiel der Bittenfelder clever und umsichtig. Zudem gewann das Spiel des TVB durch die Rückkehr von Kreisläufer Simon Baumgarten deutlich an Qualität.

Dass der Bittenfelder Sieg nie ernsthaft in Gefahr geriet, lag zum einen an der stabilen Defensive vor dem überragenden Jürgen Müller und zum anderen an der guten Chancenauswertung. „Das war kein Vergleich zum Rostock-Spiel“, sagt Günter Schweikardt. „Für unser Selbstbewusstsein war dies ein eminent wichtiger Sieg.“

Obwohl der TVB deutlich überlegen war, ging die Partie nicht ohne Adrenalinschub zu Ende. In der 57. Minute hielten die Schiedsrichter Christoph Maier und Michael Kilp dem Bittenfelder Dominik Weiß für einen Schubser die Rote Karte unter die Nase. Darüber regten sich die Bittenfelder angesichts des längst feststehenden Sieges viel weniger auf als die Friesenheimer Eulen über die Auszeit, die Günter Schweikardt eine Minute zuvor beim Spielstand von 31:22 für den TVB beantragte. Die Eulen verwiesen auf das ungeschriebene Gesetz, bei einem so deutlichen Spielstand die Grüne Karte nicht mehr zu zücken. „Daran habe ich in dem Moment ehrlich gesagt nicht gedacht“, sagt Schweikardt. Es sei keinesfalls seine Intention gewesen, den Gegner in irgendeiner Weise bloßzustellen. „Es stockte in dem Moment ein bisschen der Spielfluss, und da wollte ich eben noch einmal etwas besprechen.“ Er habe in den letzten Minuten nicht noch unnötig Tore kassieren wollen. „Und so unwichtig ist das Torverhältnis ja nicht.“

Gegenüber dem Tabellendritten Eisenach ist der TVB diesbezüglich mit elf Toren im Hintertreffen. Am kommenden Freitag können die Bittenfelder nicht nur ihr Trefferverhältnis aufbessern: Bei einem Sieg gegen Eisenach in der Scharrena (20 Uhr) holte sich der TVB vom Gegner den dritten Platz wieder zurück.

„Vierter gegen Dritter: Für die Fans ist das Spiel sicher ein Highlight“, sagt Schweikardt. „Es wird sich zeigen, ob wir unser Niveau aus dem Friesenheim-Spiel halten können.“ Nötig wär’s, schließlich warten in der englischen Woche im Anschluss mit dem TV Hüttenberg und dem Derby gegen Bietigheim zwei weitere Knaller auf den TVB.

Das Top-Spiel des 22. Spieltags steigt am kommenden Freitag, 1. März (20 Uhr), in der Stuttgarter Scharrena: Der Tabellenvierte TV Bittenfeld erwartet den punktgleichen Tabellendritten ThSV Eisenach.

Der Vorverkauf läuft sehr gut, bis gestern waren knapp über 1500 Karten verlauft.

Tickets im Vorverkauf gibt es wie immer bei Easy-Ticket, www.easyticket.de und auf der TVB-Geschäftsstelle, Schillerstraße 64, Mail: moh@tvb1898.de. Mit dem neuen Service Print@Home von Easy-Ticket können zudem Tickets online bestellt, bezahlt und direkt am PC ausgedruckt werden – auch noch kurz vor dem Spiel. Außerdem gibt’s an der Abendkasse noch genügend Tickets. Einlass ist um 18.30 Uhr.