“Wir sind wieder auf dem Boden zurück”

Nichts war’s mit dem erhofften Sieg für den TV Bittenfeld zum Rückrunden-Auftakt der 2. Handball-Bundesliga. Es herrschte Katerstimmung beim TVB nach der 35:38-Niederlage beim Aufsteiger EHV Aue. Mit einem Sieg hätte der TVB seinen Vorsprung auf Rang vier auf zwei Punkte ausgebaut. „Wir haben es einfach nicht gebacken bekommen“, sagt der Trainer Günter Schweikardt.

Ausgelassene Stimmung herrschte nach dem Spiel auf der Pressekonferenz in der Erzgebirgshalle. Zum Flachsen indes war nur den Verantwortlichen des EHV Aue zumute, den Bittenfeldern blieb nach der 35:38-Niederlage das Fasnetsküchle im Halse stecken. Zum Trost luden die Auener dem Verlierer zwei Kästen einheimisches Bier in den Bus, Daniel Sdunek klemmte sich zudem das Wernesgrüner-Genießer-Set unter die Arme. Der Torhüter war in seinem Team zum Player of the Match gekürt worden.

Dabei waren Sdunek, wie seinem Kollegen Jürgen Müller in den ersten 30 Minuten der Partie, die Bälle nur so um die Ohren geflogen. „Wir sind mit dem Tempo des EHV Aue nicht klargekommen“, sagte der Routinier bei der Pressekonferenz. Resultat waren 38 Gegentreffer. Hat der TVB jemals so viele in der 2. Liga bekommen?

Mehr Gegentore kassierte der TVB zuletzt am 29. September 2010

„Ich kann mich nicht erinnern“, sagt der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt. „Aber dafür bin ich auch zu wenig Statistiker.“ Es ist schon ein paar Tage her: Am 29. September 2010 schenkte die HG Saarlouis dem TVB 41 Treffer ein. Die waren zu verschmerzen, weil die Bittenfelder selbst ein Tor mehr erzielten. Am 16. Mai 2009 war der TVB mit einer 30:39-Niederlage aus Münster zurückgekehrt. Alles, was sich davor ereignet hatte, wird unter dem Kapitel Verjährung abgelegt.

„Die Analyse ist schnell auf einen Nenner gebracht“, sagt Schweikardt. „Alles, was wir uns in Aue vorgenommen hatten, hat nicht funktioniert.“ Die Defensive – egal ob 5:1 oder 6:0 –, präsentierte sich ungewohnt instabil. Abgesehen von den ersten zehn Minuten. „Dann haben wir überhaupt keinen Zugriff mehr bekommen, weder im Verbund, noch kamen wir mit dem schnellen Anspiel des EHV klar.“ Das mangelhafte Rückzugsverhalten ärgerte den Coach besonders. Seine Spieler seien nicht gedankenschnell genug gewesen, hätten häufig nur reagiert anstatt zu agieren. „In gewissen Situationen sollte man vorausdenken.“ Zur Halbzeit hatte der TVB rekordverdächtige 22 Gegentreffer kassiert. So viele waren dem EHV Aue im Hinspiel im gesamten Spiel gelungen.

Im zweiten Spielabschnitt kämpfte sich der TVB zwar mehrfach auf zwei Treffer heran und hatte vor allem über den Kreis gute Aktionen. Das schwache Überzahlspiel, die nach wie vor in den entscheidenden Situationen unaufmerksame Abwehr und der wenig durchschlagskräftige Rückraum verhinderten zumindest ein Remis.

Das wäre Gold wert gewesen, schließlich ließen die Konkurrenten um Rang drei ebenfalls Federn oder behielten nur mit Glück die Punkte. Eisenach rutschte mit dem mühevollen 28:27 gegen Leipzig auf Rang drei. Hüttenberg ließ überraschend gegen den Fünftletzten SV Henstedt-Ulzburg beim 25:25 einen Punkt, Nordhorn-Lingen musste sich im Spitzenspiel dem Zweiten Bergischer HC mit 29:31 geschlagen geben. Es wäre also ein Spieltag ganz nach dem Geschmack der Bittenfelder gewesen. Dumm nur, dass die ihre Hausaufgaben schlampig erledigten. „Wir sind wieder auf dem Boden der Tatsachen zurück“, sagt Schweikardt. „Auch wenn man anerkennen muss, dass sich der EHV Aue gegenüber dem Hinspiel sehr gesteigert hat.“

Der Coach verspürt wenig Lust, darüber zu diskutieren, wie die Tabelle im Erfolgsfall ausgesehen hätte. „Ich will jetzt Leistungen sehen.“ Am Freitag kommt der HC Empor Rostock, gegen den sich die Bittenfelder im Hinspiel mit 30:33 geschlagen geben mussten.