Große Freude nach knappem Sieg gegen Schwartau

Knappe Erfolge sind ja oft die schönsten. So einen Sieg wie am Freitag haben die Bittenfelder Zweitliga-Handballer aber schon lange nicht mehr gefeiert, hatten sie doch drei Minuten vor dem Ende gegen den VfL Bad Schwartau wie der sichere Verlierer ausgesehen. „So etwas gibt’s nur alle Jubeljahre“, sagt der TVB-Trainer Günter Schweikardt.

So ist das eben im Handball. Selbst ein Drei-Tore-Vorsprung in der 57. Minute muss nicht unbedingt den Sieg bedeuten. Nicht einmal ein Unentschieden rettete der VfL Bad Schwartau gegen den TV Bittenfeld nach der 29:26-Führung in der Scharrena. In den letzten drei Minuten passte plötzlich alles bei den Bittenfeldern. Torhüter Jürgen Müller, der schon bessere Spiele gezeigt hat, hielt zwei wichtige Bälle. Dominik Weiß und Lars Friedrich übernahmen in dieser entscheidenden Phase Verantwortung. Und wenn’s läuft, gelingen auch riskante Anspiele wie jenes von Florian Schöbinger, das Simon Baumgarten eiskalt zum 30:29-Siegtreffer verwandelte.

So entschlossen und mutig der TVB agierte, so schnell verlor der VfL den Überblick. Gegen die Manndeckung der Bittenfelder unterliefen ihm ein Schrittfehler, ein Ballverlust und ein Stürmerfoul. Am Ende standen die Gäste nach einer starken Leistung mit leeren Händen da.

Einige Spieler sind nicht in Bestform

„Sicherlich war unser Sieg glücklich“, sagt Günter Schweikardt. „Aber es war auch eine riesige Energieleistung unserer Mannschaft, dafür gebührt ihr ein Kompliment.“ Dabei blieb dem TVB-Trainer natürlich nicht verborgen, dass sein Team über weite Strecken der Partie große Schwierigkeiten hatte – mit dem Gegner und sich selbst. Der eine oder andere Spieler ist ein gutes Stück von seiner Bestform entfernt.

Bis zum 13:9 (16.) lief’s ordentlich für den TVB. Der Schachzug des Gegners indes, seine Abwehr von 6:0 auf 5:1 umzustellen, war mindestens so wirkungsvoll wie die offene Deckung der Bittenfelder in den letzten drei Minuten. Besonders ideenreich agierten die Bittenfeld nämlich nicht. Und wenn sie durchkamen, ließen sie wieder einmal leichtfertig große Chancen liegen.

Die Offensive war aber nicht das einzige Problem, „wir haben’s auch in der Abwehr nicht mehr gebacken bekommen“. 17 Gegentore zur Halbzeit in eigener Halle – das sind nach dem Geschmack des Trainers ein paar zu viel. Die Bad Schwartauer machten dem TVB aus nahezu allen Positionen zu schaffen. An dieser variablen und konsequenten Spielweise war vor ein paar Wochen der Erstligist HSG Wetzlar im DHB-Pokal gescheitert. Schweikardt zollte dem Gegner in der Pressekonferenz nach dem Spiel „ein Riesenkompliment“, der VfL werde in der Liga unterschätzt. „Wir sind jedenfalls sehr froh über die Punkte.“

Damit bleibt der TVB nicht nur in der Scharrena ohne Punktverlust, sondern auch dicht dran an den Aufstiegsplätzen. Zwei Verlustpunkte trennen ihn vom Tabellendritten ThSV Eisenach, nur noch drei vom Zweiten TV Emsdetten. Der TVE unterlag, nach dem 30:30 zuvor gegen den EHV Aue, nun etwas überraschend mit 22:28 beim TV Hüttenberg und scheint doch nicht so stabil zu sein wie vermutet. Vor den Bittenfeldern rangieren in der Tabelle der Bergische HC, Emsdetten, Eisenach, Hüttenberg und die HSG Nordhorn-Lingen. Gegen drei dieses Quintetts haben sich die Bittenfelder durchgesetzt – und jetzt kommen Mannschaften aus den hinteren Regionen.

Normalerweise hat Schweikardt stets nur das anstehende Spiel im Fokus. Nun sei’s aber durchaus angebracht, ein bisschen in die Ferne zu blicken. Die nächsten Gegner SV Henstedt-Ulzburg (6:18 Punkte), HG Saarlouis (10:16) und TuS Ferndorf (7:17) sind auf dem Papier nicht die ganz großen Hausnummern. „Klar, wir haben jetzt die große Chance, uns gut zu positionieren“, sagt er. Zumal an den nächsten beiden Spieltagen sich die Spitzenteams die Punkte gegenseitig wegnehmen werden in den Partien Nordhorn – Eisenach, Emsdetten – Nordhorn und Eisenach – Bergischer HC.

Stimmen zum Spiel

Torge Greve, Trainer des VfL Bad Schwartau (bei der Pressekonferenz nach dem Spiel): „Mit tut’s leid für meine Mannschaft. Ich denke, einen Punkt hätten wir verdient gehabt. So etwas wird uns nicht noch einmal passieren, da bin ich mir ziemlich sicher.“

Matthias Hinrichsen, Spieler des VfL Bad Schwartau (gegenüber den Lübecker Nachrichten, zur Stimmung in der Kabine): „Der eine oder andere hat sich da schon ordentlich Luft gemacht. Es gab schon kleinere Reibereien, aber nach so einem Ende wäre alles andere unnormal gewesen.“