TVB dreht das Spiel in 180 Sekunden

Ein unglaubliches Handball-Zweitligaspiel haben die 1580 Zuschauer gestern Abend in der Stuttgarter Scharrena gesehen. Drei Minuten vor dem Ende hatte der TV Bittenfeld beim 26:29-Rückstand wie der sichere Verlierer ausgesehen – und bog die dramatische Partie noch um. Simon Baumgarten traf neun Sekunden vor der Schlusssirene zum 30:29-Sieg.

Nachdem der direkte Freiwurf von Toni Podpolinski im Bittenfelder Block hängengeblieben war, gab’s auf dem Spielfeld und auf der Tribüne kein Halten mehr. Mit einem irren Schlussspurt rettete der TVB seinen Heimnimbus und bleibt nach dem sechsten Heimsieg bei der Musik. Danach indes hatte es lange Zeit nicht ausgesehen, der VfL Bad Schwartau erwies sich als der erwartet unbequeme Gegner.

Die ersten Minuten waren ausgeglichen (10./7:6). Dann sorgten die beiden Linkshänder des TVB, Peter Jungwirth und Lars Friedrich, beim 11:7 (14.) und Simon Baumgarten mit dem 13:9 für die ersten etwas komfortableren Führungen (17.). Bad Schwartau stellte fortan auf eine 5:1-Deckung um – und plötzlich war’s vorbei mit der Bittenfelder Herrlichkeit. Es hakte gewaltig im Angriffsspiel, die Gäste nutzten die Fehler eiskalt und konterten den TVB aus. In Überzahl kassierte die Heimmannschaft gleich zwei Gegentreffer. Konsequenz des 3:8-Negativlaufes war der 16:17-Pausenrückstand des TVB. Auf den Rängen machte sich Ernüchterung breit.

Auch im zweiten Spielabschnitt hatten die Bittenfelder erhebliche Probleme, Lösungen gegen die aufmerksame Gästeabwehr zu finden und rannten sich immer wieder fest. Nach zwei fulminanten Schlagwurftoren von Florian Schöbinger schien der TVB beim 20:20 (39.) wieder im Spiel. Doch die Fehler im Angriff stellte er nicht ab, so dass der VfL immer wieder zu leichten Toren kam. Hinzu gesellte sich eine große Portion Pech. Beispielsweise, als Adrian Wagner einen Siebenmeter gegen Daniel Sdunek erst im Nachwurf zur 23:20-Führung (42.) unterbrachte.

Der TVB kam wieder zurück (23:23/45.), und hechelte beim 24:27 (50.) wieder hinterher. Als der starke Jan Schult die dritte Zeitstrafe und damit Rot kassierte, kam ein Bruch ins Spiel der Gäste. Daniel Sdunek hielt seinen zweiten Strafwurf. Weil die Fehlerquote aber weiterhin hoch war beim TVB, sah der Gast beim 29:26 in der 57. Minute wie der sichere Sieger aus. Der im Grunde verzweifelte Schachzug der Bittenfelder, auf eine offene Deckung umzustellen, erwies sich als goldrichtig. Bad Schwartau verlor bei seinen Angriffsbemühungen den Überblick, der TVB erkämpfte sich Ball um Ball und schloss durch Weiß (2) und Friedrich sicher ab.

Beim 29:29 freuten sich die Fans schon über den einen Punkt, doch es kam noch besser: Bittenfeld blieb bei seiner Manndeckung. Jürgen Müller, der zuvor nicht immer glücklich ausgesehen hatte, hielt zwei Würfe. Und beim finalen Angriff zeigte Baumgarten vom Kreis keine Nerven und versenkte den Ball zum glücklichen 30:29 im Netz. Der Rest war grenzenloser Jubel. Die Bad Schwartauer hingegen waren restlos bedient.

TV Bittenfeld: Müller, Sdunek; Schimmelbauer (5), Schöbinger (2), Kienzle,Weiß (6), Michael Schweikardt, Friedrich (9/3), Jürgen Schweikardt (1), Jungwirth (4), Baumgarten (3), Wehner, Seiz, Szczesny.

VfL Bad Schwartau: Mahncke, Panzer; Hansen (3), Podpolinski (5), Reiter, Thümmler (2), Wagner (1), Hinrichsen, Waschul, Schult (5), Tretow (5), Dombrowski (5), Schliedermann (1), Quade (2).

Video-Ausschnitte vom Spiel finden Sie hier.