Wilde Jungen gegen junge Wilde

Zwei Tage nach der Niederlage bei Spitzenreiter TV Emsdetten ist der TV Bittenfeld heute Abend erneut gefordert: Die „Wild Boys“ des TVB erwarten die „jungen Wilden“ der SG Leutershausen. Der Aufsteiger hat mit einem Durchschnittsalter von knapp 23 Jahren den jüngsten Kader aller 38 Bundesligisten.

Noch ohne Punktverlust sind die Bittenfelder in der Stuttgarter Scharrena. Das soll sich auch heute gegen die SG Leutershausen nicht ändern. Für den Bittenfelder Trainer ist der Aufsteiger allerdings alles andere als ein Punktelieferant. „Wir müssen höllisch aufpassen“, sagt Günter Schweikardt. Leutershausen spiele „befreit und frisch“ auf, habe nichts zu verlieren. Der TVB hingegen schon. „Mit Blick auf unsere nächste Aufgabe beim Bergischen HC stehen wir schon unter Druck.“ Sollten die Bittenfelder in beiden Spielen leer ausgehen, stünde er mit 11:11 Punkten im grauen Mittelfeld.

Vor sechs Jahren verschwand die SG Leutershausen nach der Insolvenz von der Bildfläche, startete in der Oberliga einen Neuanfang. Nach sechs Spielzeiten kehrten die „Roten Teufel“ von der badischen Bergstraße zurück in die 2. Bundesliga – und wie: Fünf Spieltage vor Saisonschluss machten sie mit letztlich 54:6 Punkten souverän den Aufstieg perfekt.

Die SG angelte sich mit dem ehemaligen Nationalspieler Holger Löhr einen renommierten Trainer. Auch der Sportliche Leiter Uli Roth – ebenfalls Ex-Nationalspieler – bürgt für Qualität. Die beiden Taktgeber nahmen die 2. Liga mit einem außergewöhnlichen Konzept in Angriff: Mit gerade einmal knapp 23 Jahren haben die „jungen Wilden“ den jüngsten Kader der beiden Bundesligen.

Leutershausen holte die Jugend-Europameister Marcel Engels (SG Kronau/Östringen) und Jannik Kohlbacher (TV Großwallstadt) sowie Junioren-Weltmeister Niklas Ruß (Rhein-Neckar Löwen) und Jochen Geppert. Letzterer kam in der Vorsaison vom HV Wilhelmshaven und ist mit 22 Jahren der Kapitän der SG. Das Trikot der Jugend- oder Junioren-Nationalmannschaft tragen oder trugen auch Benjamin Prestel, Matthias Conrad, Simon Spilger und Sebastian Brehm – und natürlich Jan Forstbauer. Der Linkshänder spielte in der vergangenen Saison noch beim TV Bittenfeld und wurde kürzlich zusammen mit Jannik Kohlbacher in den Elitekader des Deutschen Handball-Bundes berufen. „Die SG hat einige sehr interessante Spieler in ihren Reihen“, sagt Schweikardt.

Nachdem der Aufsteiger in den ersten Spielen etwas Lehrgeld bezahlen musste, scheint er sich mittlerweile in der neuen Liga akklimatisiert zu haben. Nur knapp mit 22:23 musste sich die SG dem Erstliga-Absteiger Eintracht Hildesheim beugen, holte sich aber auswärts bei den Mitaufsteigern TuS Ferndorf (27:24) und SV Henstedt-Ulzburg (27:26) die Punkte. Ihre beste Leistung zeigte die SG beim 39:29-Sieg gegen die HG Saarlouis. Am Mittwoch hatte der Neuling den Tabellendritten ThSV Eisenach am Rande einer Niederlage, unterlag unglücklich mit 29:30. Hernach gab’s vom Eisenacher Trainer Adalsteinn Eyolfsson ein dickes Lob. Seine Mannschaft habe es mit einem sehr starken Aufsteiger zu tun gehabt. „Es ist lange her, dass wir 29 Tore bekommen haben. Kompliment für die Leistung dieser Mannschaft.“

Die große Frage wird sein, wie der TVB und die SG den Mittwochspieltag verkraftet haben. Während Leutershausen zu Hause spielte, müssen die Bittenfelder die Reisestrapazen wegstecken. Erst gestern Nacht kehrte der Mannschaftsbus aus Emsdetten zurück, immerhin 500 Kilometer mussten abgespult werden.

Schlechte Erfahrungen machten die Bittenfelder mit der ersten englischen Woche in dieser Saison: Mittwochs hatten sie den TV Hüttenberg besiegt, freitags holten sie sich in Bietigheim eine Klatsche ab.