TVB behält Punkte im Spiel der leichten Fehler

10:4 Punkte und Rang vier nach sieben Spielen: Das kann sich sehen lassen. Bis der vierte Sieg im vierten Heimspiel gestern Abend in trockenen Tüchern war, mussten die knapp 1400 Fans in der Scharrena allerdings einige Nerven liegen lassen. Ein Spiel mit so vielen Fehlern auf beiden Seiten gibt’s auf diesem Niveau eher selten zu sehen.

Die Bittenfelder starteten mit einer ungewöhnlichen Formation. Florian Schöbinger übernahm die Position des verletzten Tobias Schimmelbauer in der Abwehr wie auch im Angriff: Als Vorgezogener versuchte er den Spielaufbau der Nordhorner zu stören, vorne agierte er auf Linksaußen.

Michael Schweikardt leitete das Fehlerfestival nach 50 Sekunden ein, er scheiterte mit einem Siebenmeter an Björn Buhrmester. Vor dem Nordhorner Keeper hatten die Bittenfelder Werfer offensichtlich Respekt, scheiterten immer wieder mit – allerdings auch schwachen – Würfen. Buhrmesters Gegenüber indes hielt gar noch einen Tick besser: Jürgen Müller fand rasch ins Spiel. Die beiden Torhüter waren jedenfalls verantwortlich dafür, dass es in der hektischen Partie nach zehn Minuten gerade einmal 3:1 und nach 15 Minuten 5:2 für den TVB stand.

Die Bittenfelder Deckung stand sehr gut, hatte die gefährlichen Bobby Schagen und Jens Wiese im Griff und zwang die Gäste immer wieder zu Fehlabspielen. Pavel Mickals 5:4 war erst das zweite Feldtor der Nordhorner – da waren bereits 20 Minuten gespielt. Dann nutzten die Bittenfelder die teilweise haarsträubenden Fehler der HSG über die erste oder zweite Welle. Nach Martin Kienzles Treffer zum 9:5 (24.) schien der TV Bittenfeld das Spiel in den Griff zu bekommen. Er verpasste es aber, in der Schlussphase der ersten 30 Minuten, sich eine höhere Führung zu erspielen.

Nach Adi Wehners 11:7 ließ zwei Minuten vor der Halbzeit die Konzentration vollends nach. Dem glücklosen Lars Friedrich unterliefen im Angriff gleich drei Missgeschicke. Nordhorn spielte seine große Stärke aus, die allerdings gestern wenig zum Tragen kam. Mit Kontern arbeitete sich die HSG zur Pause auf 11:10 heran.

Der Nordhorner Trainer Heiner Bültmann versuchte es nach der Pause mit einer anderen Taktik: Zwei Kreisläufer sollten die Lücken reißen in der Bittenfelder Deckung. So richtig indes funktionierte auch das nicht – was aber nicht bedeutete, dass sich die Bittenfelder absetzten. Dafür blieb auch deren Fehlerquote im Angriff außergewöhnlich hoch.

Nach 36 Minuten führte der TVB im nach wie vor zerfahrenen Spiel, zu dem auch die schwachen Schiedsrichter Gunnar Beyer und Thomas Schulte ihren Teil beitrugen, lediglich mit 15:14. Die beiden waren sich in einigen Situationen uneins und die Spieler hatten große Mühe, sich auf die Spielleitung einzustellen. Am Ende glichen sich die Entscheidungen, wie es so oft ist, einigermaßen aus.

Dann folgte die beste Phase des TVB. Müller parierte drei Würfe in Folge. Der vom Siebenmeterstrich sichere Friedrich – er verwandelte alle vier Strafwürfe – und zweimal Schöbinger sorgten für die 18:14-Führung (43.). Der erste und einzige Treffer von Simon Baumgarten vom Kreis brachte das 21:17 und eine Zeitstrafe gegen Paul Trodler (48.). Doch wieder verpasste es Bittenfeld durch leichte Fehler, für die Vorentscheidung zu sorgen. In Unterzahl gelang Nicky Verjans das 22:19. Wieder Hoffnung für die Gäste. Nach dem einzigen – aber wichtigen – Treffer des ansonsten blassen Dominik Weiß zum 24:19 versuchte die HSG Nordhorn-Lingen mit einer Auszeit zu retten, was fünf Minuten vor dem Ende nicht mehr zu retten war. Das Zittern bei den TVB-Fans hatte endgültig ein Ende, nachdem Müller beim 25:21 einen freien Wurf von Verjans akrobatisch entschärfte. Friedrich und Dennis Szczesny machten mit ihren Toren den 27:23-Sieg perfekt.

Eine Schrecksekunde hatten die Bittenfelder übrigens sieben Minuten vor dem Ende zu überstehen: Jürgen Schweikardt verletzte sich ohne Einwirkung des Gegners und musste das Spielfeld verlassen. Nach dem Schlusspfiff gab er jedoch Entwarnung: Ein Krampf oberhalb das Knies hatte ihn außer Betrieb gesetzt.

Mit 10:4 Punkten hat sich der TVB nun im vorderen Tabellendrittel festgesetzt. Am Samstag geht’s zum ASV Hamm-Westfalen. Der lag in Saarlouis zuletzt zwei Minuten vor dem Ende mit 27:29 im Hintertreffen und holte sich doch noch mit 30:29 die Punkte. Auf Bittenfeld wartet also ein kampfstarker Gegner.

TV Bittenfeld:

Müller, Sdunek; Schöbinger (6), Kienzle (1), Weiß (1), Michael Schweikardt (3), Friedrich (7/5), Jürgen Schweikardt (1), Jungwirth (4), Baumgarten (1), Wehner (2), Seiz, Szczesny (1).

Nordhorn-Lingen:

Buhrmester, Bartels; Verjans (3), Wilmsen, Mickal (3), Miedema, Meyer (2), Schagen (7/4), Poll, Trodler (3), Terwolbeck, de Boer (2), Wiese (3).

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