Bittenfelder Zermürbungstaktik

Die Saison in der 2. Handball-Bundesliga ist zwar noch sehr jung, um vorschnelle Prognosen zu stellen. Mit dem 23:22-Sieg beim bis dato verlustpunktfreien und heimstarken ThSV Eisenach hat der TV Bittenfeld aber zumindest bewiesen, wozu er fähig sein kann. Und dies in äußerst unangenehmer Atmosphäre.

Der eine oder andere TVB-Spieler schützt seine Zähne mit einem Mundschutz, beim Spiel am Samstag wären zudem ein Paar Ohrstöpsel angebracht gewesen: Jeden Ballkontakt von Michael Schweikardt schmückten die knapp 2000 Eisenacher Fans mit einem lautstarken Pfeifkonzert – und sie mussten oft die Finger in den Mund stecken: Der Spielmacher zog nämlich durchweg die Fäden im Bittenfelder Spiel. In aller Seelenruhe.

Die Stimmung in der Werner-Aßmann-Halle war von Beginn an reichlich explosiv. Nicht überraschend indes für TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Damit hatten wir gerechnet“, sagt er. Die Eisenacher Fans seien bekannt dafür, dass sie ihre Mannschaft mit allen Mitteln unterstützen. Einiges anhören mussten sich auch die Schiedsrichter. Lars Schaller und Tobias Küsters ließen nach dem Geschmack der Eisenacher die Bittenfelder im Angriff viel zu lange spielen.

So kritisierte auch der Eisenacher Trainer Adalsteinn Eyolfsson die Unparteiischen, „die den langatmigen Spielaufbau der Gäste tolerierten“. Diese Meinung wollte Günter Schweikardt nicht teilen. „Sicherlich hatten wir insgesamt nicht so viele Angriffe wie sonst.“ Dies sei aber auch der Tatsache geschuldet, dass sein Team relativ wenig Gegentreffer zugelassen habe.

In der Tat: Weniger als 22 Tore in der Fremde kassierte der TVB in der vergangenen Saison lediglich beim 30:21-Sieg in Düsseldorf. Die Defensive war eindeutig das Prunkstück der Bittenfelder. „Wir haben uns intensiv auf den Gegner vorbereitet, und die Mannschaft hat die Vorgaben weitgehend umgesetzt“, sagt Schweikardt.

Die zuletzt überragenden Eisenacher Rückraumspieler Tomas Sklenak und Hannes Jon Jonsson kamen gegen die 5:1-Deckung des TVB mit dem vorgezogenen Tobias Schimmelbauer selten zum Zug. Der TVB störte nachhaltig, damit war die Schaltzentrale des Gegners lahmgelegt. Einzig mit Girts Lilienfelds und Nick Heinemann hatten die Bittenfelder ihre Probleme.

Es reichte dennoch zum – wenn am Ende auch etwas glücklichen – 23:22-Sieg. Auch, weil hinter der stabilen und über weite Strecken konzentrierten Defensive der Bittenfelder Torhüter Jürgen Müller zur Hochform auflief. Der bekam von seinem Trainer ein Sonderlob. „Jürgen hatte sicher einen wesentlichen Anteil am Sieg.“ Ansonsten freute sich Günter Schweikardt über die „fast durchweg disziplinierte Leistung“ seines Teams. „Jeder hat sich sehr gut eingebracht.“

Gefallen hat dem Trainer auch, dass seine Spieler in der hitzigen Atmosphäre ruhig blieben. Schweikardts einziger Kritikpunkt ist die schwache Chancenauswertung in der Schlussphase. „Deshalb haben wir die eine oder andere kritische Phase überstehen müssen.“

Nach diesem nicht zu erwartenden Auswärtserfolg hat sich der TV Bittenfeld in die Reihe der sechs Team eingereiht, die mit 6:2 Punkten auf einen Ausrutscher des noch verlustpunktfreien TV Emsdetten warten. Am kommenden Wochenende ist der TVB nicht im Einsatz, morgen in einer Woche kommt der TV Hüttenberg in die Scharrena (17 Uhr).

Von der Stärke des Erstliga-Absteigers kann sich der TVB morgen bereits ein Bild machen: In der zweiten Runde um den DHB-Pokal muss er um 20 Uhr ausgerechnet bei den Mittelhessen antreten.