Rückblick auf die Saison 2011/2012

Nach den beiden Spitzenplätzen in den vorangegangenen Spielzeiten hat es Handball-Zweitligist TV Bittenfeld nur zu Rang 14 gereicht. „Das ist natürlich nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten“, sagt der Trainer und Sportliche Leiter Günter Schweikardt. „Andererseits hatten wir einige Herkulesaufgaben vor der Brust, die wir gelöst haben.“

Vor der Saison 2010/2011 hatten die Verantwortlichen des TV Bittenfeld ihr Ziel mit der Qualifikation zur eingleisigen 2. Bundesliga klar formuliert. Im Vorfeld der gerade zu Ende gegangenen Spielzeit wollte der TVB „die positive Entwicklung auch in der neuen Liga fortsetzen“.

Eine ziemlich wachsweiche Aussage – allerdings auch in gewisser Weise verständlich. Schließlich war die Stärke der Konkurrenz nur schwer einzuschätzen. Die Bittenfelder wagten sich wohl auch deshalb nicht zu weit aus dem Fenster, weil die Vorbereitung alles andere als störungsfrei lief. Adrian Wehner, Arni Sigtryggsson, Alexander Heib, Jan Forstbauer und Florian Schöbinger fielen verletzungsbedingt länger aus. Simon Baumgarten war nach seinem Kreuzbandriss noch nicht spielfähig.

Dennoch legte der TVB mit dem 28:26-DHB-Pokalsieg gegen den Ligakonkurrenten HC Erlangen und dem 34:30 gegen den VfL Bad Schwartau, in der Vorsaison immerhin Vierter der Nordstaffel, einen guten Start hin. Haben sich die Bittenfelder davon womöglich blenden lassen? Anschließend jedenfalls ging’s steil bergab. „Das glaube ich nicht“, sagt Trainer Günter Schweikardt (Steinemann-Fotos). „Wir wussten, dass es schwierig werden würde, so lange wir nicht vollständig sind.“ Zudem sei klar gewesen, dass es in der eingleisigen 2. Liga keine leichten Gegner mehr geben würde wie in der Jahren zuvor.

Bereits im ersten Auswärtsspiel kamen die Bittenfelder auf den Boden zurück: Beim 24:32 in Dormagen waren sie ebenso chancenlos wie beim 23:30 in der Porsche-Arena gegen den TSV GWD Minden. Spätestens jetzt, am zehnten Spieltag, spürte der TVB den rauen Wind der eingleisigen Liga im Gesicht – und fröstelte mit 5:15 Punkten auf dem Abstiegsplatz.

„Natürlich macht man sich da schon seine Gedanken“, sagt Schweikardt. „Ich war mir aber sicher, dass wir unsere Punkte holen werden, sobald unsere Verletzten zurück sind.“ Und tatsächlich: Dem ersten Auswärtssieg in Potsdam (34:32) folgten drei weitere, mit 14:2 Punkten in Serie verabschiedete sich der TVB auf Rang acht in die Weltmeisterschaftspause – und startete mit einer reichlichen Portion Selbstvertrauen in die Rückrunde.

Fahrstuhl
Drei Serien: 5:15, 23:5 und 6:22 Punkte

Mit dem überzeugenden 29:22-Sieg gegen den Erstliga-Absteiger ASV Hamm-Westfalen arbeiteten sich die Bittenfelder am 24. Spieltag bis auf zwei Punkte an die Aufstiegsplätze heran. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Hoffnung, vorne mit dran zu bleiben“, sagt Schweikardt. Ein Rückschlag war die 33:36-Pleite beim Abstiegskandidaten HC Empor Rostock, die 27:29-Heimniederlage gegen TUSEM Essen war für Schweikardt ein weiterer Knackpunkt. Fortan war die Luft komplett raus beim TVB, der einige schwache Spiele ablieferte. Die magere Ausbeute von 6:22 Punkten spricht Bände, nur eines der jüngsten 14 Spiele entschied der TVB für sich.

Er wolle zwar nichts beschönigen, sagt Schweikardt. Doch in der Schlussphase der Saison sei der TVB nicht gerade vom Glück verfolgt worden. „Auch haben wir nie in Bestbesetzung antreten können.“ So habe beispielsweise nach dem Ausfall von Florian Schöbinger einer der wirkungsvollsten Spieler gefehlt, „der viele Aufgaben erledigen“ könne und auch in der Abwehr ein wichtiger Bestandteil sei. Als zeitgleich Simon Baumgarten fehlte, standen die Bittenfelder ohne gelernten Kreisläufer da.

Die Saison im Schnelldurchlauf

  • Am zweiten Spieltag muss der TVB beim 24:32 beim DHC Rheinland seine höchste Saisonniederlage hinnehmen.
     
  • In der zweiten DHB-Pokalrunde gelingt dem TV Bittenfeld Historisches: Noch nie zuvor hat er in Obernburg gewonnen. Diesmal klappt es beim 36:32 – allerdings ist Tuspo mittlerweile Drittligist.
     
  • Das 26:26 gegen die HSG Düsseldorf am vierten Spieltag bedeutet den ersten Punktverlust des TVB in der heimischen Gemeindehalle nach zuvor 16 Siegen in Folge.
     
  • Nach dem 23:29 in Hamm liegt der TVB mit 3:7 Punkten zum ersten Mal auf einem Abstiegsplatz.
     
  • Den höchsten Saisonsieg holen die Bittenfelder am sechsten Spieltag beim 37:22 gegen den HC Empor Rostock. Noch deutlicher hat der TVB in seiner sechsjährigen Zugehörigkeit zur 2. Bundesliga nur einmal gewonnen: In der Saison 2009/2010 hat die HSG Frankfurt in der Gemeindehalle mit 25:41 das Nachsehen.
     
  • Einen kuriosen Verlauf nimmt das Heimspiel gegen den TV Emsdetten: In der 36. Minute führt der TVB mit 22:15 – und verliert mit 27:34.
     
  • In Potsdam (34:32) schafft der TVB im sechsten Anlauf den ersten Auswärtssieg. Es ist der Auftakt zu einer Serie von 14:2 Punkten.
     
  • Ein herber Dämpfer ist das Pokal-Aus in Runde vier. Der TVB blamiert sich in der Gemeindehalle beim 27:29 gegen den Drittligisten EHV Aue. Der Gegner bekommt in der nächsten Runde den HSV Hamburg zugelost – doppelt bitter für den TVB.
     
  • Im November und Dezember gibt’s die ersten Personalentscheidungen: Alexander Heib wechselt zur neuen Saison zum Drittligisten HV Stuttgarter Kickers, Marcel Lenz bereits zur Rückrunde zum selben Verein. Mit Rückkehrer Michael Schweikardt präsentiert der TVB den ersten Neuzugang.
     
  • Mit dem 29:22-Sieg gegen den ASV Hamm schraubt der TVB seine Serie auf 23:5 Punkte und stellt bei zwei Punkten Rückstand den Kontakt her zu den Aufstiegsplätzen.
     
  • Davor haben Thorsten Salzer und Arnor Gunnarsson verkündet, die Bittenfelder zum Saisonende zu verlassen.
     
  • Der TVB spielt 33:33 gegen den späteren Aufsteiger TV Neuhausen/Erms, holt dabei einen 11:19-Rückstand auf.
     
  • Der TVB unterliegt in Schwerin mit 29:32 und wartet damit seit neun Spielen auf einen Sieg. Erfolgreicher ist er an der Wechselbörse: Jürgen Müller, Peter Jungwirth und Dennis Szczesny unterschreiben.
     
  • Drei Spiele vor Schluss klärt sich die vorerst letzte Personalie: Arni Sigtryggsson erhält keinen neuen Vertrag mehr.