Ein Punkt zum Abschluss

Vier Sekunden haben dem Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld zum perfekten Saisonabschluss gefehlt. Mit einem zweifelhaften Siebenmeter rettete Philipp Grimm der TSG Ludwigshafen-Friesenheim vor 950 Zuschauern in der Gemeindehalle beim 30:30 (15:16) den – allerdings verdienten – Punkt. Schlimmer noch für den TVB, bei dem Alex Heib und Adrian Wehner herausragten: Torhüter Daniel Sdunek schied mit Verdacht auf Kreuzbandriss aus.

Verletzungsbedingt fehlten den Bittenfeldern Florian Schöbinger, Jan Forstbauer und Arni Sigtryggsson. Im Lauf des Spiels erweiterte sich das Lazarett um Thorsten Salzer und Daniel Sdunek. Während Salzer wegen Oberschenkelproblemen geschont wurde, hat es Sdunek offensichtlich schwer erwischt. Kurz nach Beginn der zweiten 30 Minuten krümmte sich der Torhüter, gerade erst von einer langen Krankheit genesen, nach einem gehaltenen Ball am Boden. Die genaue Diagnose steht zwar noch aus, die medizinische Abteilung des TVB schloss allerdings kurz nach dem Spiel einen Kreuzbandriss nicht aus.

Der TVB startete unkonzentriert ins Spiel, leistete sich im Spielaufbau eine ganze Reihe von technischen Fehlern. Der flinke Ex-Bittenfelder Marco Hauk brachte die TSG Friesenheim nach acht Minuten mit 6:2 in Führung. Die Angriff des TVB wirkten wenig strukturiert, die Defensive offenbarte etliche Lücken. Und die Torhüter kamen nicht ins Spiel: Nach 15 Minuten stand mit Sdunek, nach Felix Schmidl und Gregor Lorger, bereits der dritte Schlussmann im Kasten.

Dem starken Adrian Wehner hatten es die Bittenfelder vornehmlich zu verdanken, dass sie beim 9:10 (17.) wieder dran waren. Die „Eulen“ aus Friesenheim nutzten jedoch weiterhin die leichten Fehler der TVB und zogen auf 14:10 davon (23.) – doch wieder kam Bittenfeld zurück. Tobias Schimmelbauer erzielte beim 15:15 (28.) den ersten Ausgleich.

Achse Heib – Baumgarten funktioniert

Der 15:16-Rückstand zur Pause ließ dem TVB noch alle Chancen, zumal Spielmacher Alexander Heib immer besser in Fahrt kam. Er harmonierte sehr gut mit Kreisläufer Simon Baumgarten.

Schlafmützig kamen die Bittenfelder aus der Kabine. Dominik Weiß, der völlig neben sich stand, scheiterte zweimal am guten TSG-Keeper Maximilian Bender. Die Gäste konterten den TVB aus und führten nach 34 Minuten mit 21:16. Noch aber gab sich das Heimteam nicht geschlagen. Schmidl steigerte sich, Arnor Gunnarsson blieb kühl vom Siebenmeterstrich: Der Isländer verwandelte sämtliche sieben Strafwürfe. Wehner knallte den Ball beim 25:24 (50.) zur ersten Bittenfelder Führung ins Tor, und beim 27:25 (54.) hatte der TVB beste Chancen, das Spiel für sich zu entscheiden. Der gute TSG-Kreisläufer Alexander Becker glich wieder aus (27:27). Noch einmal, nach Heibs 30:28 eineinhalb Minuten vor dem Ende, hatten die Bittenfelder den Sieg so gut wie in der Tasche – und mussten sich doch mit einem Unentschieden begnügen.

TSG-Linksaußen Philipp Grimm, der kurz zuvor mit einem Strafwurf an Lorger gescheitert war, behielt zweimal die Nerven: Eine Minute vor dem Ende traf er zum 30:29. Und schließlich meinten es auch Christopher Biaesch und Frank Sattler gut mit den Eulen: Becker schob seinen massigen Körper mitsamt der Bittenfelder Deckung in den Kreis, das reichte nach Ansicht der Schiedsrichter für einen Siebenmeter. Den verwandelte Grimm zum glücklichen, aber verdienten 30:30 für die Gäste.

TV Bittenfeld: Lorger, Schmidl, Sdunek; Schimmelbauer (1), Kienzle (2), Weiß (1), Schweikardt (1), Gunnarsson (9/7), Heib (4), Baumgarten (5), Wehner (7), Seiz, Salzer.

TSG Ludwigshafen-Friesenheim: Klier, Bender; Dumitru, Grimm (9/2), Backovic (4), Klee, Brandt (3), Hauk (6), Claussen (2), Becker (6), Schwenzer, Klimek.

@ Ausschnitte auf zvw.de/sportvideos

Stimmen

Günter Schweikardt, Trainer des TV Bittenfeld: „Natürlich ist man zunächst enttäuscht, wenn man Sekunden vor dem Ende führt und das Spiel für sich entscheiden kann. Zu Beginn sind wir in der Abwehr geschwommen, haben uns dann aber herangekämpft. Letztlich war’s jedoch ein leistungsgerechtes Unentschieden. Ich denke, man kann’s als versöhnlichen Saisonabschluss bezeichnen.“

Simon Baumgarten, Spieler des TV Bittenfeld: „Mit dem Spiel können wir eigentlich nicht zufrieden sein, schließlich lagen wir ja fast die ganze Zeit hinten. Wir haben zu viele wilde, unvorbereitete Würfe genommen, zudem haben unsere Torhüter in der ersten Halbzeit kaum etwas zu fassen bekommen. Insgesamt muss man sagen, dass wir noch Glück gehabt haben, nicht noch in Abstiegsgefahr gekommen zu sein. Die Schlussphase der Saison müssen wir schon kritisch betrachten.“