Duselpunkt für schwachen TVB

Handball-Zweitligist TV Bittenfeld ist auch im sechsten Spiel in Folge ohne doppelten Punktgewinn geblieben. Gegen den stark abstiegsgefährdeten 1. VfL Potsdam reichte es vor 900 Zuschauern in der Gemeindehalle nach einem schwachen Auftritt lediglich zu einem schmeichelhaften 31:31-Unentschieden (14:16). Und das hatte der TVB in erster Linie Arni Sigtryggsson zu verdanken.

Für die Bittenfelder Fans ist’s nichts Neues, dass ihr TVB schwer ins Spiel findet. So war’s auch am Ostersamstag gegen den VfL Potsdam – mit dem großen Unterschied, dass die Mannschaft von Trainer Günter Schweikardt nur wenige gute Phasen folgen ließ über die 60 Minuten hinweg. Äußerst lendenlahm und gehemmt agierten die Bittenfelder über weite Strecken und machten es den biederen, aber kampfstarken Potsdamern recht leicht. Die Gäste mussten sich am Ende über den Punktverlust im Abstiegskampf sogar ärgern.

Die letzte Szene des Spiels war symptomatisch für die unkonzentrierte Vorstellung des TVB. Fünf Sekunden vor dem Schlusspfiff beförderte der überragende Arni Sigtryggsson den Ball mit seinem neunten Treffer zum 31:31 ins Potsdamer Tor, nachdem der TVB den letzten Angriff gleich mal fast vertändelt hatte. Im Jubel der TVB-Fans wäre um ein Haar das Potsdamer Siegtor untergegangen. Als die Gäste mit der schnellen Mitte ihre letzte Chance suchten, waren die Bittenfelder auf der Bank noch mit dem Ein- und Auswechseln des siebten Feldspielers anstelle des Torhüters beschäftigt. Der finale Wurf der Gäste ins leere Bittenfelder Tor kam eine halbe Sekunde zu spät.

Sdunek muss aushelfen, Felix Schmidl hält stark

Die Schwierigkeiten für den TVB hatten bereits vor dem Spiel begonnen. Torhüter Daniel Sdunek war eigentlich wegen einer schweren Infektion nicht einsatzfähig. Weil indes auch Gregor Lorger kurzfristig erkrankte, stellte sich der geschwächte Sdunek in den Dienst der Mannschaft. Zunächst indes nahm er auf der Bank Platz und ließ Felix Schmidl den Vortritt.

Der dritte Keeper der TVB war bezeichnenderweise einer der wenigen Bittenfelder, die zu überzeugen wussten. Das Duell mit dem starken Potsdamer Torhüter Gabor Pulay gehörte zu den Höhepunkten des niveauarmen Spiels. Der TVB wirkte von Beginn an fahrig im Angriff und unkonzentriert in der Deckung. Großen Respekt hatten die Potsdamer vor Dominik Weiß und Arnor Gunnarsson, die beim Hinspielsieg der Bittenfelder zusammen 21 Treffer erzielt hatten. Am Samstag erwischten die beiden keinen guten Tag. Der isländische Rechtsaußen ließ viele Chancen liegen und war in der Abwehr gegen den flinken Potsdamer Linksaußen Marvin Sommer oft zweiter Sieger.

Gunnarssons Siebenmetertor zum 4:3 bedeutete nach elf Minuten die letzte Bittenfelder Führung für lange Zeit. Der TVB leistete sich technische Fehler, schloss unvorbereitet ab und legte ein katastrophales Rückzugsverhalten an den Tag. Nach 20 Minuten führten die Gäste mit 10:7. Spätestens nach dem 14:11 durch Alexander Urban merkte der VfL, dass in Bittenfeld an diesem Tag etwas zu holen war. Zumal sich der Widerstand des Gegners in Grenzen zu halten schien.

Dank Sigtryggsson reicht es noch zu einem Punkt

Die TVB-Fans hofften beim 14:16-Rückstand zur Pause auf die zweiten 30 Minuten, in denen die Bittenfelder schon oft ein Spiel gedreht haben. Zunächst jedoch ging’s nach bekanntem Schema weiter. Hoffnung machte alleine der Isländer, der in dieser Saison nur wenige überzeugende Auftritte zu Buche stehen hatte: Mit einem Doppelschlag sorgte Arni Sigtryggsson für den 18:18-Ausgleich (37.). Die Wende allerdings brachte dies nicht – im Gegenteil: Es herrschte fortan wieder reichlich Konfusion in Abwehr wie Angriff. Nach vier Treffern in Folge zum 22:18 (42.) hatten die Gäste die Partie wieder im Griff und auch nach dem 26:23 (48.) beste Aussichten auf den Sieg.

Doch plötzlich erwachte der Bittenfelder Kampfgeist. Angetrieben von Sigtryggsson, kam der TVB noch mal zurück. Der Linkshänder leistete sich nach der Pause bei acht Würfen keinen Fehlversuch. Die Potsdamer Abwehr fand, ebenso wie der gute Pulay, gegen die ansatzlosen und variablen Würfe des Rückraumspielers kein Mittel. Im einen oder anderen Fall stand Sigtryggsson auch das Glück zur Seite.

Sigtryggssons 28:27 (52.) bedeutete die erste Führung des TVB seit dem 4:3. Die Aufholjagd wurde aber jäh gestoppt. Potsdam hatte bei der 30:28- und 31:29-Führung alle Trümpfe in der Hand – wäre da nicht Sigtryggsson gewesen.

Der Punktgewinn entschädigte die TVB-Fans für den ziemlich blutleeren Auftritt ihrer Mannschaft. Positiv aus Sicht des TVB an diesem Spieltag war, dass das Polster auf den Abstiegsplatz unverändert neun Punkte dick ist. Mit dieser Leistung jedoch können sich die Bittenfelder die Fahrt nach Eisenach am Wochenende sparen.

TV Bittenfeld: Schmidl, Sdunek; Schimmelbauer (4), Schöbinger (1), Kienzle, Weiß (3), Schweikardt (3/2), Gunnarsson (5/1), Heib (3), Baumgarten (3), Sigtryggsson (9), Wehner, Salzer.

1. VfL Potsdam: Pulay, Frank; Melzer (3/2), Barsties (1), Schugardt, Pechstein (4), Bolduan, Urban (3), Drechsler (6), Mellack (2), Schmidt (4), Sommer (8), Reimann, Müller.

@ Ausschnitte auf zvw.de/sportvideos

Stimmen zum Spiel

Rüdiger Bones, Trainer des VfL Potsdam: „Vor dem Spiel wäre ich mit dem Punkt zufrieden gewesen. So wie das Spiel aber gelaufen ist, muss ich sagen, haben wir hier einen Punkt liegenlassen. Trotzdem ein Riesenkompliment an meine Mannschaft.“

Klaus Hüppchen, Co-Trainer des TV Bittenfeld: „Am Ende müssen wir absolut zufrieden sein mit dem Punkt. Mit einem sensationellen Kampfgeist in den letzten zehn Minuten hatten wir es sogar in der Hand, zwei Punkte zu holen. Das wäre allerdings dem Spielverlauf nicht gerecht geworden.“

Felix Schmidl, Torhüter des TV Bittenfeld: „Nach dem sehr schlechten Spiel in Minden wollten wir daheim ganz anders auftreten. Wir können überhaupt nicht zufrieden sein, vor allem nicht mit unserem Rückzugsverhalten.“

Arni Sigtryggsson, Spieler des TV Bittenfeld: „Wir haben viel Glück gehabt. Auch wenn wir in der zweiten Halbzeit mehr gekämpft haben: Unsere Leistung war nicht gut, wir spielen leider nicht konstant genug.“

Florian Schöbinger, Spieler des TV Bittenfeld: „Wir müssen sehr glücklich sein über den Punkt, freuen kann ich mich darüber allerdings nicht. Zum Glück hat Arni Verantwortung übernommen, alle anderen waren verunsichert nach den jüngsten Niederlagen. Wir müssen uns dringend wieder das nötige Selbstvertrauen zurückholen.“