Der TV Bittenfeld ist geerdet

So schnell kann’s gehen: Vor knapp drei Wochen hatten dem Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld lediglich zwei Punkte zum Aufstiegsplatz gefehlt. Nach 1:9 Punkten aus den englischen Wochen rutschten die Bittenfelder ins Mittelfeld ab. „Ganz klar, es ist Ernüchterung eingekehrt“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt nach der 25:32-Niederlage vorgestern in Minden.

Die Aussichten auf einen Erfolg am Mittwoch beim Tabellenführer TSV GWD Minden waren von vorneherein nicht besonders gut. Nicht nur, weil Alexander Heib und Jan Forstbauer nicht zur Verfügung standen. Nach den jüngsten, etwas frustrierenden Niederlagen in Emsdetten und gegen TUSEM Essen war der TVB nicht eben mit stolzgeschwellter Brust angereist.

Die desolate Anfangsphase bestätigten die Befürchtungen. Wenn ein Team nach neun Minuten mit 1:6 im Hintertreffen liegt und der Torhüter Schlimmeres verhindert hat, spricht das für sich. 10:4 stand’s nach einer Viertelstunde. „Da mussten wir bereits feststellen, dass wir absolut keine Chance haben werden“, sagt der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt. „Wir haben unserem Gegner einen angenehmen Abend verschafft.“

Offensiv habe sein Team jeglichen Druck vermissen lassen und habe – oft nahe am Zeitspiel – mit Ballverlusten und riskanten Würfen den Gegner zu Gegenstößen eingeladen. Allen voran die schnellen Mindener Außen Aleksandar Svitlica und Aljoscha Schmidt hatten ihren Spaß. Mit Ausnahme von Torhüter Gregor Lorger könne kein Spieler mit seiner Leistung zufrieden sein, sagt Schweikardt. „Auch mit einer wesentlich besseren Leistung wären wir nicht als Sieger vom Platz gegangen. Keine Frage: Das war ein Klassenunterschied.“

Bei aller Kritik: Es gab auch Positives zu berichten aus Minden. Nach dem Zwölf-Tore-Rückstand nach erst 36 Minuten ließen sich die Bittenfelder nicht zerlegen, gestalteten die zweiten 30 Minuten mit 15:15 immerhin ausgeglichen. „Da haben wir ordentlich dagegengehalten“, sagt Schweikardt. Eine Siegchance hatte der TVB angesichts des hohen Rückstands nicht wirklich.

Am freien Wochenende den Kopf wieder frei bekommen

Neun Spiele vor Schluss ist also Ernüchterung eingekehrt bei den Bittenfeldern, die vor drei Wochen noch von den Aufstiegsplätzen träumen durften. Der Trainer ist erstmal froh, dass am Wochenende kein Spiel ansteht. Die Spieler bräuchten die Pause, um die Köpfe wieder frei zu bekommen. „Uns fehlt ein gutes Stück nach oben, aber das sind ja keine neuen Erkenntnisse“ , sagt Schweikardt, der den Blick sogar wieder nach hinten richtet. „Wir brauchen schon noch ein paar Punkte. Und die müssen wir uns hart erarbeiten.“

Orientieren muss sich der TVB am VfL Potsdam und HC Empor Rostock. Diese beiden Teams sind aktuell am stärksten gefährdet. Einer der beiden wird die drei Zwangsabsteiger TV Korschenbroich, HSG Düsseldorf und DHC Rheinland veraussichtlich in die 3. Liga begleiten – es sei denn, ein anderes Team fällt in der Schlussphase der Saison komplett ab. Vor Überraschungen ist in der 2. Liga ja keiner gefeit. So kehrten am Mittwoch beispielsweise die Bietigheimer mit einer 17-Tore-Schlappe aus Eisenach zurück. Zuvor hatte die SG den Spitzenreiter Minden mit 31:24 besiegt.

Für den TVB gilt’s nun, sich auf Samstag in einer Woche zu konzentrieren. Mit einem Heimsieg gegen Potsdam wäre er nahezu sorgenfrei. Eine Niederlage dagegen könnte das Polster auf den Abstiegsplatz schlimmstenfalls auf sieben Punkte schmelzen lassen. Vielleicht sogar auf sechs, falls die Tabelle demnächst doch neu berechnet werden muss. Die insolvente HSG Düsseldorf hat – wieder einmal – angekündigt, die Saison nicht zu Ende zu spielen.

Stimmen zum Spiel

Jürgen Schweikardt, Spieler des TVB: „Minden war anzumerken, dass es nach der Niederlage in Bietigheim gegen uns unbedingt gewinnen wollte. Wir mussten am Ende froh sein, dass wir den Schaden in Grenzen gehalten haben. Um hier eine reelle Siegchance zu haben, muss alles zusammenkommen.“

Ulf Schefvert, Trainer des TSV GWD Minden: „Wir haben 40 Minuten sehr gut gespielt, vor allem in der Abwehr. Torhüter Anders Persson hielt stark. In der Schlussphase waren wir etwas müde. Aber natürlich bin ich zufrieden mit den zwei Punkten.“

Kommentar von Thomas Wagner: Gut aufgehoben

Vor viereinhalb Monaten, der TV Bittenfeld hatte mit 23:30 gegen den Tabellenführer Minden verloren, hatten die Skeptiker den TVB bei 5:15 Punkten und Rang 18 in der nächsten Saison bereits in der 3. Liga gesehen. Vor knapp drei Wochen, nach dem 29:22-Sieg gegen den Erstliga-Absteiger ASV Hamm-Westfalen, bekam manch Bittenfelder Frühlingsgefühle bei nur zwei Punkten Rückstand auf die Aufstiegsplätze. Seit Mittwochabend, als die Bittenfelder von Minden erneut die Grenzen aufgezeigt bekamen, herrscht wieder Tristesse. Allerdings nur bei denjenigen, die im Siegesrausch den Blick für die Realität verloren haben.

Die Bittenfelder haben in den vergangenen Jahren auf und abseits des Platzes tolle Arbeit abgeliefert. Und die Fans dürfen sich auch in der nächsten Saison auf viele spannende Spiele in der Porsche-Arena und Scharrena freuen. In der 2. Liga, wo der TV Bittenfeld – aktuell jedenfalls – gut aufgehoben ist.