“Da fehlen uns noch ein paar Prozent”

Der 28. Spieltag war ein ganz entscheidender für den Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld: Bei einem Sieg gegen Tusem Essen wäre die Chance auf den dritten Platz bei vier Punkten Rückstand noch realistisch gewesen. Nach der 27:29-Niederlage indes ist der TVB raus aus dem Geschäft. „Wir müssen feststellen, dass uns noch ein paar Prozent fehlen, um ganz vorne mitzuspielen“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt.

Acht Punkte liegen zwischen dem Tabellenzweiten Tusem Essen und dem Elften TV Bittenfeld. So deutlich indes war der Leistungsunterschied am Samstag nicht. Während die Essener den Erfolg frenetisch feierten, nachdem sie zuvor in sechs Spielen bei 2:10 Punkten sieglos geblieben waren, schlichen die Bittenfelder mit hängenden Köpfen vom Platz. Der TVB hatte dem starken Gegner einen großen Kampf geliefert und ihn an den Rand der Niederlage gedrängt. „Umso ärgerlicher ist es, dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt.

Schweikardt lobt Weiß, Schöbinger und Schimmelbauer

Die Serie mit den vier Siegen gegen den DHC Rheinland (25:24), den HC Erlangen (24:23), in Düsseldorf (30:21) und gegen den ASV Hamm-Westfalen (29:22) hatte die Bittenfelder träumen lassen. Nach nun vier sieglosen Partien in Folge (33:36 in Rostock, 33:33 gegen Neuhausen, 27:31 in Emsdetten, 27:29 gegen Essen) ist klar, dass die Bittenfelder auch in der nächsten Saison in der 2. Bundesliga spielen werden. In Abstiegsnöte dürfte der TVB kaum mehr geraten bei elf Punkten Vorsprung in den restlichen zehn Spielen auf den 1. VfL Potsdam. Der wird sich vermutlich mit dem HC Empor Rostock einen Zweikampf liefern um den Ligaverbleib. Mit dem TV Korschenbroich, der DHC Rheinland und der HSG Düsseldorf stehen drei Absteiger bereits fest.

Gegen Tusem Essen fühlten sich die 900 Bittenfelder Fans in der Gemeindehalle an die ersten 20 Minuten des Neuhausen-Spiels erinnert: Der TVB agierte äußerst hilflos im Angriff. „Unsere Anfangsformation hatte keine Durchschlagskraft“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. Zudem habe der Gegner in der Anfangsphase „unheimlich aufmerksam“ agiert. Dass sich die Bittenfelder bis zur Pause (12:13) wieder herangekämpft hatten und im zweiten Abschnitt gar Vorteile hatten, spricht für ihre Klasse. Im weiteren Verlauf indes zeigte sich auch, woran’s noch hapert: Es fehlen Spieler, die in entscheidenden Phasen Akzente setzten.

Die Essener wirkten eine Spur geschlossener – allen voran im Rückraum. Hannes Lindt, Philipp Pöter, Pavel Prokopec und Niclas Pieczkowski waren stets torgefährlich. In der Hinterhand hatte Tusem-Trainer Maik Handschke den Junioren-Nationalspieler Julius Kühn. Beim TVB dagegen lag die Last vornehmlich auf Dominik Weiß. Dem „Langen“ sowie Florian Schöbinger und Tobias Schimmelbauer zollte Schweikardt ein Extralob. „Sie haben ein prima Spiel gemacht“, sagt er. „Vor allem Dominiks Entwicklung freut mich sehr.“

Zu viele Schwankungen

Große Alternativen im Rückraum gab’s beim TVB am Samstag kaum. Jürgen Schweikardt fehlte krankheitsbedingt, Alex Heib kam nicht so gut ins Spiel. Adrian Wehner und Arni Sigtryggsson, Spieler für die sogenannten einfachen Tore, fehlt die Konstanz über 60 Minuten hinweg. „Arni hat ordentlich gespielt, hinten raus konnte er sich aber auch nicht mehr durchsetzen.“ Die Alternative für den Isländer ist eigentlich Jan Forstbauer. Der sei derzeit jedoch ziemlich verunsichert, sagt Schweikardt. Florian Schöbinger spielte gegen Essen über lange Phasen am Kreis, da Simon Baumgarten dort wenig Akzente setzte.

In der Not schickte der Trainer im zweiten Spielabschnitt Weiß auf die Spielmacherposition, um die Essener Deckung herauszulocken. Das funktionierte ganz ordentlich, auch mit der Leistung von Martin Kienzle war der Trainer zufrieden.

Im Nachteil waren die Bittenfelder auch auf der Torhüterposition. Weder Gregor Lorger noch Daniel Sdunek kamen ins Spiel. So wechselte Schweikardt gleich mehrfach durch. Letztlich kamen die beiden aber nicht an die Leistung ihres Gegenübers Jan Kulhanek heran.

Dass die Schiedsrichter Gunnar Beyer und Thomas Schulte aus Sicht des TVB bisweilen etwas unglücklich agierten, passte ins Bild. Näher darauf eingehen möchte Schweikardt nicht. „Aber sicher hatten wir damit zu kämpfen.“