Nachbetrachtung: Unentschieden gegen Neuhausen

Das jüngste württembergische Derby der 2. Handball-Bundesliga zwischen dem TV Bittenfeld und dem TV Neuhausen/Erms wird noch lange in Erinnerung bleiben. Die neutralen Fans wurden beim 33:33 bestens unterhalten, die Trainer mussten arg leiden: Ihre Teams begeisterten und enttäuschten zugleich.

Jeremias Rose machte ein etwas gequältes Gesicht, als ihm ein Reporter am Freitag nach dem Spiel in der Porsche-Arena das Mikrofon unter die Nase hielt. „Gemischte Gefühle“ habe er. Einerseits könne sich sein Team freuen, wenigstens ein Unentschieden gerettet zu haben. „Wenn wir aber die ersten 30 Minuten sehen, war’s natürlich ein verlorener Punkt.“

Der Linkshänder des TV Neuhausen/Erms wäre gegen seinen Lieblingsgegner um ein Haar wieder einmal zum Matchwinner geworden. Elfmal hatte Rose in den beiden Spielen zuvor gegen den TVB getroffen, am Freitag toppte er diese Leistung: Sein Treffer zum 33:32 eineinhalb Minuten vor Schluss war sein siebter im Spiel, in dem die Bittenfelder 30 Minuten lang wie das Kaninchen vor der Schlange agierten. Überraschenderweise, denn eigentlich hätte der TVN nach zuletzt 1:7 Punkten verunsichert sein müssen.

Während indes die Neuhausener fast nach Belieben ins Bittenfelder Tor trafen, hinter dem die rund 1000 Fans aus Neuhausen in Verzückung gerieten, erlebten die Verantwortlichen des TVB ganz bittere erste 30 Minuten. „Das war schon sehr enttäuschend“, sagt Günter Schweikardt. „Da ist uns vorne wie hinten gar nichts gelungen.“

Der Bittenfelder Trainer wäre schon froh gewesen, wenn der Fünf-Tore-Rückstand nach 26 Minuten (10:15) auch zur Pause noch Bestand gehabt hätte. Doch „totale Blackouts“ einzelner Spieler in der Schlussphase ließen die Chance auf ein Minimum sinken, doch noch einmal zurückzukommen. Ein schlampig vorgetragener Konter, ein Fangfehler, ein Fehlabspiel und ein Wurf neben das Tor führten zum ernüchternden 11:19-Halbzeitstand.

Möglicherweise sei sein Team nach dem durchwachsenen Spiel – inklusive Niederlage – in Rostock verunsichert gewesen, sagt Schweikardt. „Außerdem möchten es die Spieler in der Porsche-Arena immer besonders gut machen, vielleicht sind sie da verkrampft.“

„Wir haben uns in der Halbzeitpause Zwischenziele gesetzt“, sagt Schweikardt. Binnen 15 Minuten wollten die Bittenfelder den Rückstand auf vier bis fünf Tore verkürzt haben – und setzten den Plan noch schneller um. Nach 17 Minuten bereits war der Ausgleich hergestellt. In der dramatischen Schlussphase hatten beide Mannschaften den Sieg vor Augen, wobei der TVB psychologisch im Vorteil war.

Schweikardt war zufrieden mit dem Punkt und noch mehr mit dem engagierten und mutigen Auftritt seiner Mannschaft. Sie habe „unheimlich gerackert“ in Abwehr wie Angriff. „Wir haben unserem Publikum gezeigt, dass wir begeisternd Handball spielen können.“

Den Schwung aus den zweiten 30 Minuten müsse sein Team ins nächste Spiel transportieren. Die Partie beim Tabellensechsten TV Emsdetten morgen ist der Auftakt zu zwei englischen Wochen mit drei Hammerspielen. Am Samstag gastiert der Tabellenzweite Essen in der Gemeindehalle, morgen in einer Woche muss der TVB bei Tabellenführer GWD Minden antreten.