Gunnarsson wechselt zu den Bergischen Löwen

Auf die gute Nachricht folgte die schlechte: Mit dem Sieg in Düsseldorf hielt sich der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld im Verfolgerfeld der Aufstiegskandidaten. Doch ganz gleich, wo der TVB in der nächsten Saison spielen wird: Rechtsaußen Arnor Gunnarsson wird nicht mehr dabei sein. Der isländische Nationalspieler hat beim Erstligisten Bergischer HC unterschrieben.

Es ist nicht so, dass sich die Bittenfelder Verantwortlichen in der Personalie Arnor Gunnarsson auf der sicheren Seite wähnten. Doch nachdem das Interesse des TuS Nettelstedt-Lübbecke und der HSG Wetzlar am isländischen Rechtsaußen verloren gegangen war, wurde es ruhiger in der Wechselgerüchteküche. Offensichtlich jedoch nur oberflächlich.

Jedenfalls erinnerte sich der Bergische HC, in der vergangenen Saison noch Konkurrent des TVB in der 2. Liga Süd, daran, dass er mit Richard Wöss lediglich einen echten Rechtsaußen im Kader hat. Zum österreichischen Nationalspieler kommt nun also noch ein isländischer hinzu. „Wir hätten Arnor sehr gerne bei uns behalten“, sagt TVB-Trainer und Sportlicher Leiter Günter Schweikardt. „Wir haben uns bemüht, es war aber letztlich nicht zu realisieren.“

Gunnarsson war schon im Vorjahr bester Bittenfelder Torschütze

Zur Saison 2010/2011 kam Gunnarsson vom isländischen Erstligisten Valur Reykjavik zum TVB. In der ersten Saison belegte er mit 206 Toren den vierten Platz in der Torschützenliste der 2. Liga Süd, denselben Rang nimmt er aktuell ein. 149-mal hat er in 23 Spielen getroffen und ist wieder der torgefährlichste Bittenfelder Spieler – und zudem erster und sicherster Siebenmeterschütze zusammen mit Alex Heib.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe sich Gunnarsson, der sicher auch von der Bittenfelder Spielweise profitiert habe, prächtig entwickelt, sagt Günter Schweikardt. „Wir haben ihm sozusagen den Weg in die 1. Liga geebnet. Wir akzeptieren natürlich seine Entscheidung für die 1. Liga.“

Doch auch wenn Gunnarsson ein sehr guter Spieler sei: Er sei – wie jeder andere auch – nur ein Spieler einer Mannschaft. Jede personelle Veränderung biete auch Chancen für andere. Beispielsweise für Michael Seiz (18) oder Martin Kienzle (20). Sie hätten sich über den Perspektivkader in den Vordergrund gespielt. „Sie stehen in der Württembergliga ihren Mann, ihre Entwicklung ist sehr erfreulich.“

Für Gunnarssons Position käme Seiz infrage. Schweikardt traut dem Talent durchaus zu, den Part des Isländers „über weite Strecken abzudecken“. Natürlich halte der TVB die Augen ständig offen – „wobei nicht immer diejenigen die Guten sind, die einen Namen haben“. Bei der Suche nach Ersatz für Gunnarsson spiele auch die Variabilität des Kandidaten eine Rolle. Will heißen: Ein Spieler, der sowohl auf der Außen- als auch auf der Halbposition einsetzbar ist, kann den TVB auch ein Stück weiterbringen.

Die beiden aktuellen Linkshänder auf Halbrechts beim TVB, Arni Sigtryggsson und Jan Forstbauer, hatten zuletzt etwas Probleme. Am Samstag indes, beim souveränen und auch vom Trainer in dieser Deutlichkeit nicht erwarteten 30:21-Sieg in Düsseldorf, machten die beiden einen ordentlichen Job. Der Isländer nahm sich die ersten beiden Würfe im Spiel, sorgte für die 2:1-Führung des TVB und hatte am Ende – wie Jan Forstbauer – drei Tore auf dem Konto. Auch mit der Leistung von Adrian Wehner, der in den jüngsten Spielen weniger zum Einsatz gekommen war, war Schweikardt zufrieden.

Das Spiel in Düsseldorf habe jedenfalls wieder einmal gezeigt, wie wichtig jeder einzelne Spieler sei. Zumal Dominik Weiß wegen einer Entzündung an der Schulter gehandicapt war. Ein besonderes Lob hatte Günter Schweikardt für seinen Torhüter Gregor Lorger parat, der etliche Gegenstöße über die Außen Tobias Schimmelbauer und Gunnarsson eingeleitet habe. Schimmelbauer habe zudem, wie schon gegen Erlangen, auch in der Abwehr eine prima Leistung gezeigt. Insgesamt freute sich Schweikardt über die vom Anpfiff weg konzentrierte Leistung seiner gesamten Mannschaft. „Unsere Variabilität kann unser großer Vorteil werden“, sagt er.

Morgen soll der ASV Hamm-Westfalen die neue Stabilität der Bittenfelder zu spüren bekommen. Mit einem Sieg gegen den Erstliga-Absteiger in der Gemeindehalle (20 Uhr) könnte der TVB noch dichter an die Aufstiegsränge heranrücken.