Ein Lob für die junge Garde des TVB

Wie heißt es so schön: Die knappen Siege sind die schönsten. „Wir sind sehr froh, dass wir das Spiel nach Hause gefahren haben“, sagt Günter Schweikardt. Der 25:24-Sieg gegen den DHC Rheinland in der Porsche-Arena dürfte dem Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld wieder Sicherheit gebracht haben nach zuletzt 1:3 Punkten.

Die 4500 Fans in der Porsche-Arena fühlten sich am Freitag an den jüngsten Auftritt der Bittenfelder in Stuttgart erinnert. Am zweiten Weihnachtsfeiertag vergangenen Jahres führte der TVB im Derby gegen die SG BBM Bietigheim mit 30:29. Drei Sekunden vor der Schlusssirene klatschte ein Wurf des Bietigheimers Robin Haller an die Latte des Bittenfelder Tores. Torhüter Daniel Sdunek hatte dabei die Hand noch am Ball.

Der DHC Rheinland hatte am Freitag mit einem direkten Freiwurf noch die Chance, dem TVB einen Punkt zu klauen. Björgvin Holmgeirssons Wurf indes blieb an den Händen des Längsten im Bittenfelder Block, Dominik Weiß, hängen. „In solchen Momenten geht einem natürlich alles Mögliche durch den Kopf“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Es wäre leichtfertig gewesen, wenn wir uns den Sieg noch hätten nehmen lassen.“

Es war ein hartes Stück Arbeit für die Bittenfelder gegen einen Kontrahenten, der unter immensem Druck stand. „Der DHC wusste sehr wohl, um was es für ihn ging“, sagt Schweikardt. Die Verunsicherung durch die jüngsten Misserfolge sei dem Gegner in der einen oder anderen Phase zwar anzumerken gewesen. Vor allem in der ersten Viertelstunde jedoch hatten die Bittenfelder große Probleme mit den Rheinländern. Die packten in der Abwehr entschlossen zu und profitierten im Angriff von der zu diesem Zeitpunkt noch löchrigen Bittenfelder Defensive.

Wenn sich der Trainer bereits nach elf Minuten dazu entscheidet, die Torhüter zu wechseln, ist dies zudem kein gutes Zeichen. Kritisch war’s am Freitag auch deshalb, weil der TVB auf den verletzten Daniel Sdunek verzichten und Felix Schmidl ran musste. Der 22-Jährige spielt normalerweise beim Drittligisten TSV Neuhausen/Filder, der Einsatz war also nicht ohne Risiko. Schweikardt aber war sehr zufrieden mit seinem dritten Mann auf dieser Position. „Felix hat sich kontinuierlich gesteigert und wurde während des Spiels zu einem wesentlichen Faktor für unseren Sieg.“

Großen Anteil daran hatten – zusammen mit der in den zweiten 30 Minuten stabilen Abwehr um Simon Baumgarten, Thorsten Salzer und Florian Schöbinger – der größte und der kleinste Bittenfelder Spieler. Dominik Weiß zeigte im linken Rückraum ansteigende Form, hatte eine weitaus bessere Wurfquote als zuletzt. Und Alexander Heib wirbelte auf der Spielmacherposition. Mit klugen Pässen brachte er seine Mitspieler in aussichtsreiche Wurfpositionen und war selbst torgefährlich. „Alex war an ganz entscheidenden Situationen beteiligt und hat prima gespielt“, sagt Schweikardt.

Überraschend früh kamen die beiden Spieler aus dem Bittenfelder Perspektivkader zum Einsatz, Martin Kienzle und Michael Seiz auf den beiden Außenpositionen. „Sie haben ihre Sache sehr gut gemacht“, sagt Schweikardt. „Sie haben sich stetig weiterentwickelt.“ Seiz gelangen sogar zwei schöne Tore.

Weniger überzeugt hat der rechte Rückraum des TVB. Von Arni Sigtryggsson und Jan Forstbauer ging kaum Torgefahr aus, die beiden Linkshänder blieben ohne Treffer. Schweikardt ließ phasenweise mit einem Rechtshänder auf dieser Position spielen. „Das kann natürlich nicht unser Ziel sein“, sagt Schweikardt. „Jan und Arni gelingt derzeit zu wenig“, sagt Schweikardt. Der TVB brauche sie aber dringend. „Ich hoffe, sie steigern sich wieder.“

Dringend ein Erfolgserlebnis benötigt auch der DHC Rheinland. Mit der sechsten Niederlage in Folge rutschte er – den Acht-Punkte-Abzug berücksichtigt – auf den vorletzten Platz. DHC-Trainer Richard Ratka suchte bei der Pressekonferenz in der Buddha-Lounge nach Erklärungen. Wesentlich zur Niederlage beigetragen hätten die beiden Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies mit ihrer „diskussionswürdigen Regelauslegung, wir sind jedenfalls nicht besonders gut weggekommen“. Eine Einschätzung, die Günter Schweikardt nicht teilt. „An solchen Aussagen zeigt sich die Nervosität des DHC.“

Am Samstag kommt der Tabellendritte HC Erlangen in die Gemeindehalle. Ziemlich sicher wird Torhüter Daniel Sdunek nochmals fehlen. Zudem bangt der TVB um Arnor Gunnarsson, der sich am Freitag an der Wurfschulter verletzt. Der Isländer hat gestern den Arzt konsultiert, die Diagnose steht noch aus.