TVB spielt künftig in Stuttgart

Handball-Zweitligist TV Bittenfeld verlässt Waiblingen. Das betrifft zwar nur den Spielbetrieb der ersten Mannschaft und ist begrenzt auf vier Jahre, doch wer ab der kommenden Saison das Team von Günter Schweikardt sehen will, muss in die Scharrena nach Stuttgart gehen. Für den TVB eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten – genauso wie für den Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky.

Der ist nicht etwa sauer, dass sein Vorzeigeverein fremdgeht, im Gegenteil. „Da gibt es überhaupt keine Dissonanz. Das ist eine absolut nachvollziehbare Entscheidung für eine Übergangszeit. Wir werden das wohlwollend begleiten.“

Hesky hat durch die Bittenfelder Entscheidung Zeit gewonnen. Dass die Bittenfelder auf Dauer nicht mehr in ihrer Gemeindehalle würden spielen können, ist allen klar. Jetzt hat die Stadt etwas mehr Luft, ihrerseits eine Entscheidung zu treffen. Aktueller Stand ist, dass für 100 000 Euro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird. Sie soll zunächst klären, was am Standort Bittenfeld möglich ist.

Denn der eigene Ort (Bittenfeld, nicht Waiblingen) hat auch für den Zweitligisten Priorität . Der Umzug nach Stuttgart, versichert Jürgen Schweikardt als TVB-Geschäftsführer, sei nur vorübergehend. Der Verein aber habe handeln müssen. „Wir verlieren sonst den Anschluss an die Konkurrenz.“

Es geht bei der Bittenfelder Gemeindehalle nicht nur um ein paar Unzulänglichkeiten, auch wenn die manchen Zuschauer abschrecken. Selbst Fans sagen mittlerweile: Ich muss eine Stunde vor dem Spiel da sein und darf mich dann nicht mehr vom Platz weg bewegen. Sonst ist er weg. Die Zuschauerzahlen gehen zurück, zuletzt wollten nur 750 Besucher die Partie gegen Korschenbroich sehen.

„Wir haben nur 400 Sitzplätze“, sagt Schweikardt. „Und davon sind nur 100 nicht sichtbehindert.“ Das nehmen immer weniger Fans in Kauf. Die Vorgaben der Deutschen Handball-Bundesliga (HBL) werden ebenfalls nicht eingehalten. Für die kommende Spielzeit sei zwar nicht zu erwarten, dass die HBL ein Verbot ausspricht, eine Garantie für die nächsten Jahre allerdings könne keiner geben. Und schließlich sei die Halle den Sponsoren kaum mehr zuzumuten. Und neue hinzuzugewinnen, schon gar nicht möglich.

Mehr Komfort, mehr Möglichkeiten für Sponsoren

All dies böte eine neue Halle: mehr Komfort für die Fans und mehr Attraktivität für Sponsoren. Seit eineinhalb Jahren mache sich der Verein darüber Gedanken, sagt Schweikardt. Der TVB habe selbst Geld in die Hand genommen und Architekten beauftragt. „Wir wollten nicht nur mit Forderungen an die Stadt herantreten.“

Der TV Bittenfeld, daran erinnert sich Vorstandsmitglied Achim Kraisel, musste übrigens schon einmal die eigene Halle verlassen. Vor 15 Jahren untersagte der württembergische Verband den Spielbetrieb. Während der Umbauarbeiten spielten die Bittenfelder in Neustadt. Kraisel: „Und wir sind zurückgekommen – und zwar gestärkt.“ Das wird Andreas Hesky gerne gehört haben.