TVB wechselt für Übergangszeit in die SCHARRena

Ab der kommenden Saison wird Handball-Zweitligist TV Bittenfeld sämtliche Heimspiele in Stuttgart austragen. Die SCHARRena dient als neue Heimat für die Wild Boys, die zudem weiterhin einige Spiele in der benachbarten Porsche Arena austragen werden. Die Lösung soll solange Bestand haben, bis es zu einer Veränderung der Hallensituation in Bittenfeld kommt.

Im Jahr 2003 spielte der TV Bittenfeld noch in der 5. Liga, 2006 stieg er sehr überraschend in die 2. Liga auf und es galt mit einem Minimaletat zu überleben. Das gelang mit großer Mühe – der Klassenerhalt konnte am letzten Spieltag bejubelt werden. Für die Verantwortlichen der Bittenfelder war in der Folge klar, dass es einer besonderen Idee bedarf, um im Unterhaus des deutschen Handballs konkurrenzfähig zu werden. Zur Lösung wurde die 2006 neu erbaute Porsche-Arena in Stuttgart, die im Jahr 2007 als Austragungsort der Handball-Weltmeisterschaft diente.
Fortan plante der TVB einzelne Highlights im Stuttgarter Schmuckkästchen – die Besucherzahl lag dabei nie unter 5.000 Zuschauern. Alle anderen Spiele wurden in der heimischen Gemeindehalle in Bittenfeld ausgetragen. Diese Kombination brachte viele Vorteile für die Wild Boys. Mit den Spielen in Bittenfeld konnten die Wurzeln des Vereins gepflegt und gefestigt, mit den Spielen in Stuttgart neue Fans und Sponsoren gewonnen werden.  
Das Konzept der zwei Standorte funktionierte in den darauf folgenden Jahren hervorragend und führte zu wirtschaftlichem und sportlichem Erfolg, der seinen vorläufigen Höhepunkt in der Qualifikation zur eingleisigen 2.Bundesliga fand. Bereits in der Saison 2010/2011 hat der TVB dann, trotz guter sportlicher Leistungen, mit einem rückläufigen Zuschauerzuspruch in der Gemeindehalle zu kämpfen. 
Immer mehr rückten die Unzulänglichkeiten der Gemeindehalle in den Vordergrund. So häuften sich die Beschwerden über die mangelnde Sitzplatzkapazität, die sanitären Anlagen, sowie das viel zu kleine Foyer. Auch bei der Sponsorengewinnung hat der TVB bereits seit längerer Zeit eine durch mangelnde Kapazitäten unüberwindbare Grenze erreicht. Der improvisierte VIP-Bereich der Gemeindehalle ist völlig ausgebucht – potenziellen neuen Sponsoren können keine adäquaten Gegenleistungen mehr angeboten werden.
Ein weiteres Problem, das sich immer mehr verstärkt, sind die von der Handball-Bundesliga  vorgegebenen Hallenstandards. Im Zuge der Professionalisierung der 2. Bundesliga verschärfen sich diese Standards kontinuierlich weiter. Bereits jetzt ist abzusehen, dass die Gemeindehalle diese Richtlinien nicht einhalten kann und deshalb über kurz oder lang als Heimspielstätte ausfallen wird.
Die genannten Punkte und die Tatsache, dass dem Jugendbereich bereits heute massiv Trainingsflächen fehlen, haben die Verantwortlichen in Bittenfeld dazu veranlasst, sich intensiv mit den Möglichkeiten eines Um- bzw. Neubaus einer Spielstätte am Standort Bittenfeld zu beschäftigen. „Wir wollten dabei jedoch nicht einfach nur mit Forderungen an die Stadt Waiblingen herantreten, sondern bereits mit konkreten Lösungsvorschlägen. Dadurch sollte der politische Prozess beschleunigt werden“, erklärt Jürgen Schweikardt in seiner Funktion als Geschäftsführer der TV Bittenfeld Handball GmbH.
Aus diesem Grund wurden zwei Architekten eingeschaltet, die ein Anforderungsprofil für eine neue oder umgebaute Gemeindehalle erarbeiten sollten. Diese Zusammenarbeit zog sich über ein halbes Jahr. Am Ende dieses Prozesses konnte der Stadt Waiblingen ein Anforderungsprofil für eine Halle vorlegt werden, welche sowohl den Bundesligaspielbetrieb in Bittenfeld sichern, als auch die dringend benötigte Erweiterung der Trainingskapazitäten für den Jugendbereich berücksichtigen würde.
Daraufhin hat der Gemeinderat der Stadt Waiblingen bei seiner Sitzung am 15. Dezember 2011 entschieden, eine Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen, welche die Umsetzungen einer solchen Halle am Standort Bittenfeld prüft. Damit ist nun die Stadt Waiblingen am Zug. Die Verantwortlichen des TV Bittenfelds betonen dabei immer wieder, dass eine Lösung am Standort Bittenfeld für den Verein von sehr hoher Bedeutung ist. „Dies haben wir der Stadt Waiblingen so auch klar kommuniziert“, betont Jürgen Schweikardt.
Bei den vielen Diskussionen in den letzten Monaten rund um dieses Thema ist den Verantwortlichen des TVB jedoch sehr schnell klar geworden, das unabhängig was für eine Halle am Ende der Diskussionen realisiert wird,  drei bis vier Jahre im Rahmen einer Planung, Vergabe und Realisation eines solchen Projektes vergehen. „Das ist eine lange Zeit, die wir nicht haben“, so Michael Schwaderer, der mit Jürgen Schweikardt das geschäftsführende Duo beim TVB darstellt. „Wenn wir eine so lange Zeit mit den jetzigen Gegebenheiten zurecht kommen müssen, werden wir in der neuen 2. Bundesliga nicht mehr konkurrenzfähig sein“. 
Vor diesem Hintergrund hat sich der TVB entschieden zu handeln, bevor er zu diesem Schritt gezwungen wird. Auf Grund dessen hat sich der Entscheiderkreis beim TVB, bestehend aus dem Vorstand des Hauptvereins, der Abteilungsleitung Handball, der Jugendleitung der Handballabteilung, der strategischen Führung  der TV Bittenfeld Handball GmbH (Gesellschafter, Aufsichtsrat, Beirat & Geschäftsführung), sowie des ehrenamtlichen Marketingteams nach kontroversen Diskussionen dazu entschieden, den Spielbetrieb der Bundesliga-Mannschaft ab der Saison 2012/2013, für die Zeit bis eine mögliche Lösung in Bittenfeld realisiert ist, von der Gemeindehalle Bittenfeld in die SCHARRena Stuttgart zu verlegen. 
Mit diesem Schritt soll die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre beim TVB fortgeführt werden und die wirtschaftliche Basis geschaffen werden, in der neue gegründeten, sportlich und wirtschaftlich anspruchsvollen 2.Bundesliga bestehen zu können. Der Entscheiderkreis informierte in der letzten Wochen die ehrenamtlichen Helfer, Sponsoren, Förderer und Aktiven des TV Bittenfelds über diesen notwenigen Schritt und traf dabei auf eine breite Unterstützung für diesen Weg.
In den nächsten Monaten gilt es nun ein Konzept zu entwickeln wie dieser Schritt umgesetzt werden kann. Der TVB wird unter andrem einen Shuttle-Service einsetzen, um seine treuen Fans bequem zum neuen Standort zu bringen. „Unser gemeinsames Ziel ist es, all unsere Anhänger von diesem notwendigen Schritt zu überzeugen und die besondere Atmosphäre der Gemeindehalle mit in die SCHARRena zu nehmen. Um das zu realisieren brauchen wir alle“, so Michael Schwaderer abschließend.