Nicht umfallen beim ersten Windhauch

Das Pokal-Aus gegen den Drittligisten Aue hat auch dem Bittenfelder Trainer zugesetzt. Wenn die Niederlage für etwas gut gewesen sei, dann dafür, dass die Spieler ihren Fokus nun einzig und allein auf die Liga richten können. „Die Zeit zum Träumen ist vorbei“, sagt Günter Schweikardt vor dem Spiel morgen bei der HSG Nordhorn-Lingen.

Vier seiner jüngsten fünf Heimspiele hat der TV Bittenfeld verloren. So eine negative Serie hat der TVB noch nie hingelegt. Da muss die Freude eigentlich groß sein, wieder auswärts antreten zu können. Eigentlich. Denn mit der Leistung, die der TVB über weite Strecken beim 27:29-Pokal-Aus gegen Aue am Dienstag gezeigt hat, wird beim ehemaligen EHV-Pokalsieger HSG Nordhorn-Lingen morgen Abend (19.30 Uhr) nichts zu holen sein. Auch wenn der Vorjahres-Tabellensechste aus der Nordstaffel in dieser Spielzeit bisher äußerst launisch aufgetreten ist – und damit mit den Bittenfeldern etwas gemeinsam hat.

Starke Auftritte mit den Siegen im Emsdetten (25:21), gegen den TSV GWD Minden (29:28), in Dormagen (24:23), in Leipzig (29:28) und gegen Bietigheim (37:28) wechselten sich ab mit Heimniederlagen gegen Eisenach (26:30), Tusem Essen (25:26) und Bad Schwartau (30:36). Für großes Aufsehen sorgte die ehemalige Mannschaft von Nationalspieler Holger Glandorf in der zweiten Runde um den Pokal des Deutschen Handball-Bundes, als sie den Erstligisten TBV Lemgo mit 40:31 aus der Halle schoss. Kommenden Dienstag hat die HSG im Achtelfinale den VfL Gummersbach zu Gast und plant den nächsten Coup.

Der Pokal ist kein gutes Stichwort für den Bittenfelder Trainer. Was seine Mannschaft bei der Pleite gegen den Drittligisten Aue in den ersten 30 Minuten ablieferte, ärgerte nicht nur die Fans. „Das war eindeutig viel zu wenig“, sagt Günter Schweikardt. Hat die Niederlage gegen Schwerin seine Mannschaft womöglich wieder verunsichert? „Wenn das der Fall war, wäre das schlecht“, sagt Schweikardt. „Ich kann doch nach drei Siegen nicht gleich beim ersten Windhauch umfallen.“ Nicht nur der Einzug ins Viertelfinale sei das Ziel gewesen, „wir wollten auch gestärkt nach Nordhorn fahren“. Nun sei das Team wieder auf dem Boden zurück und müsse sich keine Gedanken über Kiel oder die Füchse Berlin als Gegner machen oder gar über die Teilnahme am Final Four. „Von solchen Träumereien sind wir meilenweit entfernt, dafür sind wir nicht gut genug.“

Nordhorn fehlte in der vergangenen Saison nur ein Punkt zum Tabellendritten TV Emsdetten. Volltreffer waren die Neuverpflichtungen: Nils Meyer, der niederländische Nationalspieler Bobby Schagen (beide vom DHC Rheinland) und Matthias Struck (ehemals Eintracht Hildesheim und FA Göppingen) erzielten zusammen 521 Treffer, Schagen war mit 215 Toren Zweiter der Torschützenliste. Er ist auch jetzt bereits wieder der treffsicherste Nordhorner.

Zur neuen Saison gab’s kaum Veränderungen, einzig für den linken Rückraum holte die HSG Jens Wiese (24). Der Zwei-Meter-Mann vom Drittligisten LIT Nordhemmern-Mindenerwald hat Zweifachspielrecht beim Erstligisten TuS Nettelstedt-Lübbecke. Über zwei Meter misst auch das Kreisläufer-Duo: Nummer eins ist der Niederländer Toon Leenders. Mit dem 18-jährigen Jugend-Nationalspieler Luca de Boer hat die HSG ein gute Alternative. Torhüter Björn Buhrmester zählt zu den Besten der Liga. „Nordhorn ist gespickt mit Ex-Erstligaspielern“, sagt Schweikardt. Viel mehr als die Stärken und Schwächen des Gegners interessiert Schweikardt der Zustand seines eigenen Teams. „In erster Linie zählt unsere Leistung.“ Tobias Schimmelbauer wird, wie schon gegen Aue, trotz seiner nicht ganz auskurierten Rückenverletzung dabei sein. Fraglich dagegen ist der Einsatz von Thorsten Salzer (Adduktorenverletzung).