Massiert wird auf dem Gang

Wer in der 1. oder 2. Bundesliga spielt, darf seine Heimspiele nicht in irgendeiner Hinterhof-Turnhalle austragen. Die Handball-Bundesliga. Wer in der 1. oder 2. Bundesliga spielt, darf seine Heimspiele nicht in irgendeiner Hinterhof-Turnhalle austragen. Die Handball-Bundesliga (HBL) hat sogenannte Hallenstandards aufgestellt. 24 DIN-A4-Seiten umfasst das Papier für die laufende Saison. Nachfolgend stellen wir – auszugsweise – die HBL-Anforderungen der aktuellen Situation in der Bittenfelder Gemeindehalle gegenüber.

Strenge Richtlinien für die 1. Bundesliga gibt’s schon länger, mit Einführung der eingleisigen 2. Bundesliga war klar: Die Handball-Bundesliga (HBL) will mit der Reform nicht nur die spielerische Kluft zwischen der 1. und 2. Liga verringern, sondern auch die wirtschaftliche. Um sich ordentlich präsentieren zu können, brauchen die Clubs auch eine ansprechende Spielstätte.

Von einer neuen Halle träumt auch der TV Bittenfeld. Die Verantwortlichen haben der Waiblinger Stadtverwaltung ihre Wünsche vorgetragen. Egal, wann und wie entschieden wird: Der TVB sieht sich unter Druck. „Wir machen uns jetzt bereits Gedanken über kurzfristige Lösungen, damit wir die Hallenstandards der HBL erfüllen können“, sagt TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Wir möchten nicht erst reagieren, wenn es vielleicht zu spät ist. Dann stehen wir unter Umständen schnell ganz dumm da.“ Eines sei klar: Mit jeder Verschärfung der Vorschriften erfülle der TVB die Kriterien weniger.

  • Spielhalle (Punkt 2): Die Spiele müssen in geschlossenen Sportstätten ausgetragen werden und jeglichen Witterungseinflüssen resistent sein. Die Fenster müssen verdunkelbar sein, um eine Blendung durch das Sonnenlicht zu vermeiden.

In der Gemeindehalle gibt’s keine verdunkelbaren Fenster.


  • Mindestkapazität (Punkt 2.1): Die Hallen müssen ein Fassungsvermögen von mindestens 2250 Zuschauern haben. Von dem Fassungsvermögen müssen 60 Prozent Sitzplätze sein. Zweitligisten sind von diesen Regelungen nicht betroffen. Für die Vereine der 1. Liga ist dieses Kriterium ab der Saison 2012/2013 zwingend.

Diese Regel gilt zwar nicht, wie oben angeführt, für die 2. Liga. Das Verhältnis von Sitz- zu Stehplätzen in der Gemeindehalle ist aber ungewöhnlich: 470 Sitzplätzen stehen 630 Stehplätze gegenüber (Foto oben).


  • Lichtstärke (Punkt 2.4): Die Lichtstärke muss mindestens 1200 Lux betragen. Als Übergangslösung sind in der Saison 2010/2011 mindestens 1000 Lux erlaubt. Die Lichtstärke über den Zuschauerrängen im Unterrang muss mindestens 900 Lux betragen. Für Zweitligisten gelten diese Regelungen nur für Spiele, die live – in voller Länge oder in Teilen – im Fernsehen gezeigt werden. Ansonsten müssen angemessene Lichtverhältnisse herrschen.

Für Fernsehübertragungen reicht die Lichtstärke in der Gemeindehalle bei weitem nicht aus. Dazu braucht’s Verhältnisse wie in der Porsche-Arena.


  • Umkleidekabine für die Mannschaften (Punkt 2.6): Die Umkleidekabine – inklusive des Duschraums – für die Gastmannschaften muss eine Mindestgröße von 40 m² haben.

Die Gästekabine in der Gemeindehalle bietet viel weniger Platz. Die vorgeschriebene Massagebank steht im Gang (Foto unten).


  • Raum für Sekretäre und Zeitnehmer (Punkt 2.8): Sekretär und Zeitnehmer benötigen einen eigenen Raum, separat von den Umkleidekabinen der Schiedsrichter. In diesem Raum müssen ein Tisch mit dazugehörigen Stühlen, ein DIN A4 Laserdrucker und ein Internetanschluss (WLAN oder LAN) vorhanden sein.

In der Gemeindehalle müssen sich Sekretär/ Zeitnehmer und die Schiedsrichter einen Raum teilen.


  • Erste-Hilfe-Raum/Doping-Raum (Punkt 2.9): In jeder Halle ist ein Erste-Hilfe-Raum mit mindestens 10 m² vorzuhalten. Dieser hat mindestens eine Liegegelegenheit, ein WC, ein Waschbecken und zwei Stromsteckdosen vorzuweisen. Der Raum muss so gestaltet sein, dass dort auch Dopingkontrollen entsprechend der Vereinbarungen mit der NADA durchgeführt werden können.

Fürs Rote Kreuz und die Dopingkontrolle steht ein Raum zur Verfügung. In diesem wird auch die Technik aufbewahrt. Findet ein Vorspiel statt, ziehen sich hier die Schiedsrichter um.


  • Sicherheitszone (Punkt 3:1): Um die Spielfläche muss eine Sicherheitszone von zwei Metern hinter Tor- und Torauslinie und 0,5 Metern neben den Seitenlinien vorhanden sein. Die Sicherheitszone muss während des gesamten Spiels von Geräten und Personen frei sein.

Beim TVB geht’s zwischen Seitenlinie und Zuschauerplätzen auf der einen und dem Zeitnehmertisch auf der anderen Seite enger zu (Fotos linke Seite und rechts).


  • Boden (Punkt 3.2): Es ist ein genormter Sportboden zu verwenden. Bei sämtlichen TV-Übertragungen – auch Kurzberichten – ist ein fernsehgerechter Hallenboden zu verwenden. Insbesondere ist zu gewährleisten, dass auf dem Spielfeld nur die jeweiligen Markierungen vorhanden sind, die erforderlich sind.

Der Boden in der Gemeindehalle entspricht nicht diesen Anforderungen. Es müsste ein neuer verlegt werden.


  • Zeitnehmertisch (Punkt 3.5): Der Zeitnehmertisch muss mindestens drei Meter mal 70 Zentimeter groß sein und für drei Personen ausreichend Platz bieten. Zudem darf der Tisch eine Länge von vier Metern nicht überschreiten und muss mindesten einen Meter von der Seitenauslinie entfernt sein. Sollte dies aus bautechnischen Gründen nicht möglich sein, ist der größtmöglichste Abstand herzustellen.

  • Presseplätze im Innenbereich (Punkt 5.1.1): Für die Pressevertreter (Print, Hörfunk, Online) müssen mindestens zehn Tischarbeitsplätze – bei Zweitligisten fünf – mit Stromanschluss zur Verfügung stehen. Die Presseplätze sind von den Zuschauerrängen abzugrenzen und sollten unmittelbar am Spielfeldrand, mindestens jedoch im Unterrang, eingerichtet werden, so dass die Medienvertreter einen möglichst optimalen Blick auf das Spielfeld haben.

Am Zeitnehmertisch in der Gemeindehalle finden keine drei Personen Platz. Für den größtmöglichen Abstand ist gesorgt – dabei steht der Tische allerdings quasi auf der Seitenauslinie. In Bittenfeld befinden sich die Presseplätze auf der Bühne neben dem VIP-Bereich. Im Normalfall stehen zwei bis drei Plätze zur Verfügung.


  • Presseraum (Punkt 5.1.2): Den Pressevertretern sollte in der Halle ein separater Presseraum zur Verfügung stehen. Dieser sollte mindestens zehn Arbeitsmöglichkeiten – bei Zweitligisten fünf – mit Stuhl und Tisch bieten und für mindestens 20 Personen (zehn bei Zweitligisten) ausgelegt sein.

Einen eigenen Presseraum gibt’s in der Gemeindehalle nicht.