Mark Schober: “Die Gemeindehalle liegt im unteren Drittel”

Mit der Einführung der eingleisigen 2. Liga soll nicht nur das sportliche Niveau steigen. „Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen in den Hallen zu verbessern“, sagt Mark Schober, Prokurist bei der Handball-Bundesliga. „Auch im Interesse der Vereine.“ Der Bittenfelder Gemeindehalle stellt er kein gutes Zeugnis aus.

Herr Schober, im Vorfeld ist viel über Sinn und Unsinn der eingleisigen 2. Bundesliga gesprochen worden. Nun ist fast Halbzeit in der Premieren-Saison, und zumindest ein Ziel der Reform-Befürworter scheint erreicht: Das Niveau ist deutlich höher als in der vergangenen Saison. Wie ist Ihr Eindruck?

Wir verfolgen die Liga natürlich sehr genau und mit Freude. Es ist ein extrem spannender Wettbewerb, von den Clubs bekommen wir viel positive Resonanz. Wenn die besten Mannschaften aus der Nord- und Südstaffel in einer Liga spielen, steigt das Niveau automatisch. Es war ja auch ein strategisches Ziel von uns, den Abstand zwischen der 1. Liga und 2. Liga zu verringern.

Die Kritiker hatten prophezeit, dass die finanzstärksten Clubs die Liga dominieren werden. Davon kann – bis jetzt – keine Rede sein. Der Tabellenzweite TV Neuhausen/Erms oder der Fünfte HC Erlangen dürften in der Etat-Rangliste allenfalls im Mittelfeld zu finden sein. Auf der anderen Seite haben etablierte Teams wie die HSG Düsseldorf, der VfL Bad Schwartau, der ASV Hamm-Westfalen oder die TSG Ludwigshafen-Friesenheim erhebliche Probleme. Überrascht Sie das?

Der sportliche Verlauf bis jetzt überrascht uns, das war so nicht unbedingt zu erwarten. Ich denke aber, dass sich dies in den nächsten Jahren ausgleichen und die Liga etwas berechenbarer werden wird. Im ersten Jahr gibt es bei so einer Reform immer eine gewisse Unsicherheit und Unplanbarkeit. Aber das macht die Liga ja auch so spannend und attraktiv für die Zuschauer.

Ein weiteres Ziel der Reform war, die Kluft zwischen der 1. und 2. Liga zu ver- ringern. Seit Jahren haben es die Aufstei- ger schwer, sich in der 1. Liga zu etablie- ren. Auch aktuell stehen alle drei Neulinge weit unten in der Tabelle. Von der nächsten Saison an soll das anders wer- den. Wer sich in der eingleisigen 2. Bun- desliga durchsetzt, wird’s eine Etage hö- her leichter haben. So lautet jedenfalls der Plan. Sehen Sie bei den aktuellen Spitzenmannschaften der 2. Liga Erstliga-Potenzial?

Wer aufsteigt, hat auch das Potenzial für die 1. Liga. Durch die drei Direktaufsteiger haben wir für die Vereine auch einen gewis- sen Anreiz geschaffen. Die Chance, in die 1. Liga aufzusteigen, ist dadurch natürlich deutlich höher. Das war mit ein Argument für die Zweitligisten, der Reform zuzustim- men. Grundsätzlich ist es so, dass sich jeder über den sportlichen Wettbewerb für höhere Aufgaben qualifizieren kann. Eine Regelung wie beispielsweise im Basketball, wo Bayern München eine Wildcard für den eu- ropäischen Wettbewerb bekommen hat, ist bei uns undenkbar. Handball ist eine traditionelle und volksnahe Sportart. Und das soll sie auch bleiben. Der Abstand zwischen 1. und 2. Liga wird geringer werden. Das braucht aber seine Zeit.

Die höheren Reisekosten verschlingen eine Menge Geld, das die Zweitligisten beispielsweise durch größeren Zuschauerzuspruch – zumindest teilweise – wie- der ausgleichen könnten. Gibt’s hierzu bereits Vergleichswerte?

Wir erheben die Zuschauerzahlen natürlich. Bis jetzt haben wir in der 2. Liga 1320 Zuschauer im Schnitt, in der vergangenen Saison waren’s am Ende der Runde 1093. Es ist zwar erst knapp die Hälfte der Saison vorbei, aber mit dem September und Okto- ber haben wir auch die Monate mit den tra- ditionell geringsten Zuschauerzahlen hin- ter uns. Es sieht also so aus, als ob mehr Fans kommen. Die Kritiker der Reform hat- ten ja befürchtet, dass der Schnitt sinken wird, weil es weniger Derbys gibt in der eingleisigen 2. Liga. Was die Reisekosten betrifft: Wir haben versucht, sie so niedrig wie möglich zu halten. So haben wir bei- spielsweise wenige Spieltage unter der Wo- che. Das senkt die Kosten für die Vereine, weil sie dann ihre Spieler, die nebenbei noch arbeiten, nicht für den Verdienstaus- fall entschädigen müssen. Abgefedert wer- den die höheren Kosten auch durch einen Reisekostenausgleich zwischen den Clubs und einen Anteil an Fernsehgeldern, den die Zweitligisten zugeteilt bekommen.

Das Fernsehen ist ein gutes Stichwort. Die HBL verspricht sich durch die Reform mittelfristig eine Professionalisierung der Vereine, bessere Vermarktung- schancen und eine größere TV-Präsenz. Um eine Professionalisierung kommen die Clubs wohl kaum herum. Wie groß sind die Chancen, dass ein Zweitligaspiel im Fernsehen übertragen wird? Attrakti- ve Spiele in fernsehtauglicher Umgebung gibt’s ja, nehmen wir nur die württember- gischen Derbys zwischen dem TV Bittenfeld und der SG BBM Bietigheim oder dem TV Neuhausen, die in der Porsche- Arena vor 6000 Zuschauern über die Büh- ne gehen werden. Für die Vereine und ihre Sponsoren wäre dies eine prima Plattform, sich zu präsentieren.

Mittelfristig sollen sich die Zweitligisten im Fernsehen präsentieren und damit auch Geld verdienen können. Teilweise tun sie das auch jetzt schon, was viele Zuschauer gar nicht wissen. Sonntags bringt der TV- Sender SPORT 1 in der Sendung Countdown im Rahmen der Erstliganachberichterstattung vor dem Live-Spiel um 17.30 Uhr auch Ausschnitte aus Zweitligaspielen. Insgesamt sind in dieser Saison zehn Einsätze geplant. Das ist zumindest ein erster Schritt. Außerdem gibt’s auf unserer Inter- netseite unter www.toyota-handball-bun- desliga.de Bilder von den Zweitligaspielen. Zudem dürfen die Vereine bis zu fünf Minuten über ihre Spiele berichten und können dieses Recht auch an regionale Sender weitergeben. Wir planen auch, in dieser Saison noch das eine oder andere Zweitligaspiel live und in voller Länge als Free-Stream im Internet zu übertragen. Das ist ein weiterer Schritt. Im klassischen TV allerdings wird kurzfristig kein Spiel zu sehen sein, da müssen wir schon realistisch sein. Bei unseren Übertragungen der Erstligaspiele dienstags und sonntags schauen im Schnitt über 300 000 Menschen zu, das ist ein sehr guter Wert. Würden bei einem Zweitligaspiel eine doch beachtliche Zahl von beispielsweise 50 000 Zuschauern einschalten, wäre das fürs frei empfangbare Fernsehen eine viel zu geringe Quote.

Die HBL hat sogenannte Hallenstandards festgelegt, welche die Bundesligisten zu erfüllen haben. Von der nächsten Saison an müssen die Hallen der Erstli- gisten ein Fassungsvermögen von 2250 Zuschauern haben – mit 60 Prozent Sitzplätzen. Zudem müssen auf beiden Längsseiten des Spielfeldes Tribünen mit je mindestens sieben Sitzplatzreihen vor- handen sein. Wird’s für die 2. Liga in ab- sehbarer Zeit ähnliche Kriterien geben?

In allem, was wir tun, wollen wir mit den Clubs zusammen wachsen. Sonst ist das nicht zu schaffen. Die Vereine müssen mit- kommen können. Es macht wenig Sinn, die Standards von heute auf morgen so zu verschärfen, dass sie die Vereine nicht erfüllen können. Aber natürlich versuchen wir, die Liga so zu entwickeln, dass sie attraktiv für die Zuschauer, Sponsoren und Medien ist. Das ist ja auch im Interesse der Vereine, die ihren Sponsoren, Zuschauern oder Presse- vertretern eine qualitativ hochwertige Ver- anstaltung bieten wollen und müssen.

Dem einen oder anderen Zweitligisten muss doch jetzt bereits der kalte Schweiß auf der Stirn stehen. Die Hallen in Erlan- gen, Neuhausen, Bietigheim, Korschen- broich oder Bittenfeld mit jeweils maximal 1400 Zuschauern Fassungsvermögen und – vorsichtig ausgedrückt – überschaubarem Komfort dürften den Standards kaum mehr genügen, oder?

Wir sehen das aktuelle Spieljahr als Über- gangsjahr. Wir schicken zweimal im Jahr unsere Supervisor in die Hallen, welche die Mängel dokumentieren. Dabei sehen wir uns mehr als Berater und nicht als Behörde. Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen in den Zweitliga-Hallen nach und nach zu verbessern. Wie gesagt, auch im Interesse der Vereine, die sich weiterentwickeln möchten. Es muss ein Anliegen der Vereine sein, die Rahmenbedingungen zu verbes- sern. Es ist Fakt: Unattraktivere Zuschau- er- und VIP-Bereiche verschlechtern nach- weislich die Einnahmesituation eines Clubs. Und das ist nur ein Beispiel. Die Hal- lenstandards sind dazu lediglich ein Qualitätsmanagement-Tool. Wie schnell diese geändert werden, lässt sich nicht voraussagen. Die Ziele sind jedoch klar vor Augen.

Als früherer Geschäftsführer des TV Kornwestheim kennen Sie sicherlich die Bittenfelder Gemeindehalle. Was für eine Note zwischen eins und sechs würden Sie der Halle geben?

Eine Note möchte ich der Gemeindehalle nicht geben. So viel ist aber klar: In der Rangliste der Hallen liegt die Bittenfelder Gemeindehalle im unteren Drittel. Und zwar deutlich. Eine Fernsehübertragung beispielsweise wäre undenkbar. Es fehlt an vielem: an Parkplätzen, Sponsoren-, Zuschauer- und Medienkomfort. Da kann auch die tolle Stimmung und das hervorra- gende Engagement der Verantwortlichen des TVB nicht wirklich als Gegenargument ausreichen.

Bedeutet das, dass aufgrund der Situati- on in der Gemeindehalle der TVB in dieser Saison auch keine Chance hat auf eine Übertragung im Live-Stream?

Es gibt keine geeignete Kameraposition in der Gemeindehalle. Auf der Tribüne sind die Säulen im Weg. Deshalb ist eine Fern- sehübertragung auch nicht möglich.

Für die Verantwortlichen des TVB ist die Halle derzeit ein großes Thema. Sie wün- schen sich einen Neubau an Ort und Stel- le. Die Waiblinger Stadtverwaltung dagegen favorisiert eine Großsporthalle in der Kernstadt. So oder so: Weder die Gemein- dehalle noch die Rundsporthalle werden künftig zweitligatauglich sein. Haben andere Zweitligisten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen?

Zu der Rundsporthalle kann ich nicht viel sagen. Fakt ist aber, dass wir in der 2. Liga viele gute Hallen haben mit hohem Standard. 70 bis 80 Prozent der Vereine haben diese Probleme nicht. Natürlich ist es unser Wunsch, dass auch die Vereine, die ein paar Schwierigkeiten haben, bessere Bedingungen bekommen.