TV-Bittenfeld: Drei Schritte vor, ein Schritt zurück

Nach drei Siegen in Folge hat Handball-Zweitligist TV Bittenfeld vor 850 Zuschauern in der Gemeindehalle gegen den SV Post Schwerin eine bittere 28:30-Niederlage (14:13) hinnehmen müssen. Der TVB stellte sich gegen die engagierten Gäste im Überzahlspiel zu ungeschickt an und produzierte viele leichte Fehler. Damit wird die Luft im Abstiegskampf wieder dünner.

Es ist nichts Neues: In der ausgeglichenen 2. Liga geben in vielen Spielen Nuancen den Ausschlag über Sieg und Niederlage. Der äußerst körperbetont zu Werke gehende SV Post Schwerin hat dem TVB mit acht Zeitstrafen ausreichend Vorlagen geliefert, die Partie für sich zu entscheiden. Die Bittenfelder indes spielten in den wichtigen Phasen zu fahrig. Das nützten die Schweriner mit aller Konsequenz aus und gingen deshalb nicht unverdient als Sieger vom Platz.

Trotz der Unzulänglichkeiten hätte es für den TVB, bei dem Co-Trainer Klaus Hüppchen wieder die Verantwortung hatte, reichen können zum vierten Saisonsieg hintereinander. Simon Baumgarten, einer der besten Bittenfelder am Samstag, ärgerte sich noch eine halbe Stunde nach Spielschluss über seinen Fehlwurf vier Minuten und acht Sekunden vor dem Ende. Der Kreisläufer selbst hatte kurz davor das 27:26 für den TVB erzielt, dann scheiterte er frei stehend am starken Schweriner Torhüter Igor Levshin.

Mit einem Doppelschlag der herausragenden Moritz Weltgen und Ingo Heinze holten sich die Gäste die 28:27-Führung. Baumgarten glich zwar nochmals aus, doch in der Schlussphase agierte Schwerin abgezockter und sicherte sich mit dem 30:28 den zweiten Auswärtssieg.

Die Grundlage hierfür hatte das Team von Trainer Christian Prokop mit einer starken Abwehrleistung geschaffen. Vom Anpfiff weg waren die Postler aggressiv zur Sache gegangen. Das schmeckte den Bittenfeldern überhaupt nicht. Nach dem schnellen 0:3- und 2:5-Rückstand (6. Minute) kamen sie beim 6:7 zwar wieder heran. Es fehlten aber die Ideen im Angriff, zu oft liefen sich die Rückraumspieler fest oder nahmen sich unvorbereitete Würfe.

Die Konsequenz: Igor Levshin hatte meist leichtes Spiel und leitete zudem eine ganze Reihe perfekter Konter ein, die allen voran Danny Anclais und Martin Murawski sicher verwandelten. TVB-Torhüter Daniel Sdunek war oft machtlos. An ihm lag’s jedoch nicht, dass der TVB so schwer ins Spiel kam. Mit 13 Paraden stand Sdunek in den ersten 30 Minuten seinem Gegenüber in nichts nach. Die Probleme lagen eher im Angriff.

Auf der Spielmacherposition bekamen weder Florian Schöbinger, noch Jürgen Schweikardt oder Alexander Heib die Partie in den Griff. Weil Arni Sigtryggsson und Jan Forstbauer im rechten Rückraum wenig Torgefahr versprühten, lag die Last auf Dominik Weiß. Der „Lange“ hatte viele Spielanteile, erwischte jedoch nicht seinen besten Tag. Er warf viele Fahrkarten und wirkte bisweilen etwas unsicher im Passspiel.

Erste Bittenfelder Führung beim 14:13-Halbzeitstand

Nach 20 Minuten gelang Tobias Schimmelbauer beim 9:9 trotzdem der erste Ausgleich für den TVB, der dann allerdings drei Tore in Folge kassierte zum 9:12. Viel zu überhastet und unstrukturiert agierte der TVB, der fünf Minuten vor und nach der Pause seine stärkste Phase hatte. Zwei Treffer von Heib und ein Tor von Arnor Gunnarsson brachten beim 14:13-Halbzeitstand die erste Bittenfelder Führung im Spiel.

Heib, Weiß und Baumgarten legten zum 17:14 nach (34.). Bei diesem Treffer kassierte der Schweriner Stephan Riediger nach einem Foul an Schimmelbauer eine Zeitstrafe, für den Bittenfelder Linksaußen war das Spiel wegen einer Rückenverletzung zuende.

Für den TVB eröffnete sich die Chance, in Überzahl nachzulegen. Aus dem Vor- wurde jedoch ein Nachteil. Der ansonsten blasse Konstantin Chantziaras machte das 17:15, und plötzlich war wieder Unordnung im Spiel des TVB. Es häuften sich die technischen Fehler und Fehlwürfe, beim 19:19 (38.) hatte der Gast wieder gleichgezogen.

Die Schweriner bezahlten fortan ihre harte Gangart mit weiteren Zeitstrafen, die sich jedoch nicht negativ auswirkten für sie. Mit zwei Spielern weniger auf dem Feld gelang Heinze gar die 20:19-Führung (43.).

Die Partie blieb fortan eng. Der TVB kämpfte sich nach dem 22:24 (50.) wieder zurück, führte beim 26:25 und 27:26. Dann donnerte Weiß den Ball übers Tor. Der clevere Heinze tunnelte den inzwischen eingewechselten Gregor Lorger zum 27:28, Murawski düpierte Sdunek von Linksaußen zum 28:29. Die letzte Chance auf den Ausgleich vergaben die Bittenfelder mit einem viel zu riskanten Anspiel an den Kreis.

Keine Frage: Die 28:30-Niederlage ist ein Dämpfer für den TVB auf dem Weg ins Tabellenmittelfeld. Mit dieser Leistung wird er es sehr schwer haben, am Samstag in Nordhorn die verlorenen Punkte zurückzuholen.

Zunächst indes steht schon morgen ein weiteres wichtiges Spiel an: Im Achtelfinale des DHB-Pokals erwartet der TVB um 20 Uhr den Drittligisten EHV Aue in der Gemeindehalle.

TV Bittenfeld: Sdunek, Lorger; Schimmelbauer (3), Schöbinger (3), Salzer, Forstbauer (1), Weiß (5), Schweikardt (1), Gunnarsson (6/3), Heib (3), Sigtryggsson, Baumgarten (6), Wehner.

SV Post Schwerin: Wetzel, Levshin; Wetzel, Weltgen (9/4), Riediger (1), Vanek (1), Rauch, Prothmann, Heinze (8), Murawski (6), Thormann, Chantziaras (1), Anclais (4).