Formanstieg und ein Mann für alle Fälle

Handball, 2. Bundesliga. Der Patient ist auf dem Weg der Besserung. Mit dem 30:28-Sieg gegen Eisenach haben sich die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld auf einen Nichtabstiegsplatz gesetzt. Trainer Günter Schweikardt freute sich über die Leistungssteigerung einzelner Spieler – und über eine weitere personelle Option. Der Göppinger Mitar Markez soll allerdings nur im Notfall aushelfen.

Wie schon nach dem ersten Auswärtssieg in Potsdam in der Woche zuvor, so war auch am Samstag die Erleichterung riesig bei den Bittenfeldern nach dem Erfolg gegen die unbequem zu spielenden Eisenacher. Die hatten knapp 1000 TVB-Fans 30 Minuten lang in eine Schockstarre versetzt. Es sah ganz danach aus, als beendeten die Thüringer ihre dreijährige Erfolglosigkeit in der Gemeindehalle.

Dafür hatten die Eisenacher einiges investiert. Zunächst vor dem Spiel, waren sie doch bereits am Freitag angereist. Aus gutem Grund übrigens: In der vergangenen Saison war der Bus auf der Autobahn liegengeblieben, erst 40 Minuten vor dem Anpfiff betraten die Spieler die Halle.

Diesmal schienen die Eisenacher bestens vorbereitet und traten nach dem 27:24-Sieg gegen den Aufstiegsfavoriten DHC Rheinland zudem mit großem Selbstvertrauen an. Am Ende mussten die Gäste jedoch erneut ohne Punkte die lange Heimreise antreten. Das fuchste ihren Trainer zwar. Doch Adalsteinn Eyolfsson präsentierte sich hernach erstens als fairer Verlierer und zweitens als Mann mit Humor. Als TVB-Moderator Achim Kraisel bei der Pressekonferenz den Isländer mit dem etwas schwierigen Namen vorstellte und gleich um Entschuldigung bat, fortan nur noch den Vornamen auszusprechen, lobte ihn Adalsteinn Eyolfsson. „Das mit dem Namen haben Sie sehr gut hinbekommen.“

Mitar Markez: Versicherung für den Fall der Fälle

Nun, die Bittenfelder sind diesbezüglich ein bisschen etwas gewohnt. Namen wie Arni Sigtryggsson und Arnor Gunnarsson gehen auch nicht so leicht über die schwäbischen Lippen.

Letzterer hatte dem Bittenfelder Trainer im Vorfeld große Sorgen gemacht. Der Einsatz des Rechtsaußen hing wegen einer Verletzung des Hüftbeugers am seidenen Faden. Auf der einen Seite wollte Günter Schweikardt unter keinen Umständen ein zu großes Risiko eingehen. Auf der anderen Seite brauchte er seine besten Torschützen in diesem so wichtigen Spiel unbedingt. „Ich habe lange mit mir gekämpft“, sagt Schweikardt. Nachdem Gunnarsson einen letzten Härtetest absolviert hatte und „er es versuchen wollte“, schickte ihn sein Trainer in die Anfangsformation. Und der 24-Jährige hatte durchaus seinen Anteil am Erfolg.

In der Hinterhand hatte Schweikardt gleich zwei Rechtsaußen: Den jungen Michael Seiz (18) aus der zweiten Mannschaft und Mitar Markez. Der 21-jährige Serbe, vom Erstligisten FA Göppingen mit Zweifachspielrecht für den TVB ausgestattet, durfte für ein paar Minuten aufs Feld.

Mit seinem ersten Wurf scheiterte Markez zwar am starkem Eisenacher Keeper Radek Musil. Schweikardt war dennoch zufrieden mit ihm. „Er hat seine Sache auch in der Abwehr ordentlich gemacht.“ Außerdem habe er sich „sehr gut eingebracht“, obwohl ihm die deutsche Sprache noch ein paar Probleme bereite.

Dauerhaft zum Team gehören werde Markez dennoch nicht. „Er gehört zu den ersten 14 von Göppingen.“ FA-Trainer Velimir Petkovic braucht den Rechtsaußen, falls Nationalspieler Christian Schöne etwas zustoßen sollte. Eine ähnliche Rolle wird Markez auch in Bittenfeld übernehmen: Sollte Gunnarsson aus irgendwelchen Gründen unpässlich sein, werde der TVB bei Göppingen anfragen. Im Normalfall jedoch sei Michael Seiz die erste Alternative. Trotzdem ist Schweikardt froh über seinen Helfer in der Not.

Matchwinner gegen Eisenach waren jedoch andere Bittenfelder. Beispielsweise Daniel Sdunek, den die Fans in den zweiten 30 Minuten mit Sprechchören feierten. Hatte der 31-Jährige vor der Halbzeit die meiste Zeit damit verbracht, die Bälle aus dem Tornetz zu holen, hatte er nun in den entscheidenden Situationen Hände und Füße am Ball. Das freute ihn nach dem Spiel natürlich, er gab sich aber auch selbstkritisch. „Gregor und ich haben in der ersten Halbzeit zusammen zwei Bälle gehalten, so schlecht konnte es nicht weitergehen“, sagte er – und lobte die Mannschaft. Die habe zu Beginn zu lethargisch agiert, dafür nach der Pause viele Emotionen gezeigt.

Profitiert haben die Bittenfelder im zweiten Durchgang auch von ihren taktischen Möglichkeiten. Die Rückkehr von der 5:1- auf die 6:0-Deckung war die Basis des Erfolgs, vorne eröffneten sich mit der Umstellung auf zwei Kreisläufer viele Lücken. Auch war’s nicht von Nachteil, dass der TVB im rechten Rückraum weitgehend ohne Linkshänder agierte. Die hatten in den ersten 30 Minuten die Durchschlagskraft vermissen lassen.

Auf der anderen Rückraumseite glänzte, wie bereits in Potsdam, der „Lange“ mit sieben Treffern. „Wir wussten in der Halbzeit, dass bei uns noch Luft nach oben ist“, sagte Dominik Weiß nach dem Spiel. „So war’s dann auch, und Eisenach hatte offensichtlich keine Luft mehr nach oben.“

Schlechte und gute Erinnerungen des TVB an Saarlouis

Mit dem Sieg gegen Eisenach setzten sich der TVB mit 9:15 Punkten auf den ersten Nichtabstiegsplatz, profitierte dabei von den Niederlagen der – derzeitigen – Konkurrenten Düsseldorf uns Rostock. Am Samstag soll in Saarlouis der zweiten Auswärtssieg folgen. Saarlouis? War da nicht was? Vor zwei Jahren verspielte der TVB in der Stadtgartenhalle seine letzte, wenn auch kleine Chance, auf den Relegationsplatz. Keine gute Vorzeichen also. Andererseits: In der vergangenen Saison gewannen die Bittenfelder durch ein Tor von Thorsten Salzer in der letzten Sekunde mit 34:33.