Leicht gesagt: Nicht verkrampfen

„Möglichst unverkrampft“ will Günter Schweikardt seine Spieler heute in Potsdam agieren sehen. Das ist leicht gesagt, schließlich braucht der TVB dringend ein Erfolgserlebnis. Mit der Brechstange, da ist sich der Bittenfelder Trainer sicher, geht nichts. „Wir müssen uns kleine Zwischenziele setzen.“ So stimmt derzeit unter anderem das Defensivverhalten in Überzahl nicht.

Viel geredet worden ist über den ersten Auftritt des TVB in der Porsche-Arena in dieser Saison. Hätten die Bittenfelder gegen den TSV GWD Minden eine Chance gehabt, wenn sie sich kurz vor der Halbzeit nicht so ungeschickt angestellt hätten oder war der Gegner für den TVB in dessen derzeitiger Verfassung schlichtweg zu stark?

Hier und da s monierten die TVB-Fans, dass sich die Mannschaft nicht energisch genug gegen die 23:30-Niederlage gestemmt hätte. „Wenn dieser Eindruck entstanden ist, dann ist das natürlich schlecht“, sagt Günter Schweikardt. Auch wenn spielerisch so einiges daneben ging: Fehlendes Engagement möchte der Trainer seinen Spielern nicht unterstellen. „Natürlich wollten wir uns wesentlich besser aus der Affäre ziehen“, sagt er. „Mit sieben Toren Unterschied zu verlieren, ist schon massiv.“

Wahrscheinlich wäre viel weniger über die Niederlage diskutiert worden, hätten die Bittenfelder ein paar mehr Punkte auf dem Konto. Heute Abend wollen sie, nach vier Niederlagen in Folge, den nächsten Versuch starten, die Wende einzuläuten. In Potsdam indes ist der TVB wieder Außenseiter. Erstens aufgrund des Tabellenstandes, zweitens wegen der Heimstärke der Potsdamer. In fünf Spielen leistete sich der Vorjahresfünfte der Nordstaffel einen einzigen Ausrutscher, beim 30:34 gegen die HSG Düsseldorf. Den Tabellensechsten HC Erlangen (31:26) schlug der VfL ebenso wie Erstliga-Absteiger TSG Ludwigshafen-Friesenheim (30:24). Schweikardt hat sich bei Thomas König erkundigt, der Friesenheimer Trainer habe von einer „sehr schwierigen Aufgabe“ gesprochen.

Der erste Auswärtssieg im sechsten Anlauf wäre Balsam für die Seele der Bittenfelder Spieler. „Grundsätzlich müssen wir uns jetzt Zwischenziele setzen und uns in bestimmten Dingen schrittweise verbessern“, so Schweikardt. Vor allem in der Abwehr gelte es anzusetzen. Immer wieder fingen sich die Bittenfelder zuletzt Gegentore in Überzahl ein. „Man fühlt sich vielleicht überlegen, dadurch lässt die Aufmerksamkeit nach.“ Das Spiel gegen Minden zeigte wieder einmal, dass der TVB in der Defensive die Stammformation noch nicht gefunden hat. Schweikardt wechselte immer wieder durch – ohne durchschlagenden Erfolg.

Der VfL Potsdam hat nach drei Siegen in Folge zuletzt mit 20:28 in Leipzig verloren. Für Trainer Rüdiger Bones war’s „die schlechteste Saisonleistung“ seiner Mannschaft. Bones gab seinen Spielern vier Tage frei, „damit sie den Kopf wieder frei bekommen“.

Potsdam habe eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, sagt Schweikardt. Aus einer 6:0-Deckung vor dem ehemaligen Delitzscher Torhüter Gabor Pulay spiele der VfL gefällig nach vorne. Etliche Spieler stammen aus der eigenen Jugend, einer der Routiniers ist Alexander Urban (32). Den Spielgestalter kennen die Bittenfelder noch, als er beim EHV Aue spielte. Für den rechten Rückraum holte der VfL aus Wilhelmshaven den Junioren-Nationalspieler René Drechsler. Ebenfalls DHB-Auswahlspieler ist der linke Rückraumspieler Philipp Barsties. Lars Melzer zieht die Fäden auf der Mitte-Position.

Günter Schweikardt ist sich im Klaren darüber, dass sein Team dringend und schnell ein Erfolgserlebnis braucht. „Trotzdem dürfen wir die Aufgabe nicht zu verkrampft angehen.“

Der TVB wird in Bestbesetzung antreten. Der Junioren-Nationalspieler Jan Forstbauer war bis Mittwoch mit der Auswahl unterwegs, gestern stieg er ins Training ein.