Der Zustand des TV Bittenfeld ist ernst

Sieben Niederlagen, ein Unentschieden, nur zwei Siege, Drittletzter und damit auf einem Abstiegsplatz: Handball-Zweitligist TV Bittenfeld hat fürwahr schon bessere Zeiten erlebt. Vierter war er in der vergangenen Saison, Dritter gar in der Spielzeit davor. Plötzlich geht anscheinend nichts mehr, dabei sind die Bittenfelder doch mit dem nahezu identischen Kader am Start. Werden die Gegner in der nächsten Saison nicht mehr TUSEM Essen, Minden, Dormagen und Nordhorn heißen, sondern in der 3. Liga Groß-Bieberau, Groß-Umstadt, Friedberg und Nieder-Olm?

Keine Frage: Der TVB taumelt derzeit etwas und ist schon kurz zu Boden gegangen. Er wird aber wieder aufstehen. Es sind auch erst zehn von 38 Runden gespielt.

Nach der neuerliche Pleite am Freitag in der Porsche-Arena gegen Minden wartet der TVB seit vier Spielen auf einen Punkt und muss aufpassen, dass er nicht noch in der Hinrunde den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze verliert.

Was ist los beim TVB? Hat er womöglich doch nicht das Niveau, um in der eingleisigen 2. Liga zu bestehen? Das sind Fragen, die sich die Fans stellen. „Wir waren schon in ähnlichen Situationen“, sagt der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt. „Das ist jetzt eine große Herausforderung für uns, aber wir werden sie bewältigen.“

Als die Bittenfelder vor zwei Wochen das Spiel gegen den TV Emsdetten nach komfortabler Führung aus der Hand gaben, wurde Schweikardt nach den Gründen dieses „unerklärlichen“ Einbruchs gefragt. „Vieles ist erklärbar“, hatte er damals zu Protokoll gegeben. Dieser Satz gilt auch für das gesamte erste Viertel der Saison, das mittlerweile vorüber ist.

Der eine oder andere mag vor der Saison davon geträumt haben, dass die Bittenfelder nach den Spitzenplätzen in den vergangenen beiden Spielzeiten auch diesmal wieder ganz vorne würden mitspielen können. Sicher, der TVB hat sich in seiner vierten und fünften Zweitligasaison ausgesprochen gut präsentiert. Allerdings darf nicht vergessen werden: Die Hälfte der damaligen Gegner spielen jetzt in der 3. Liga, dafür sind die besten neun der 2. Liga Nord hinzugekommen. Dass das Niveau damit höher sein wird, hätte jedem klar sein müssen. Zumal sich die meisten Mannschaften zur aktuellen Saison ordentlich verstärkt haben. Der TVB wechselte nur einen Torhüter, Gregor Lorger kam für Bastian Rutschmann.

Im Vorjahr hatten die Bittenfelder nach zehn Spielen zwölf Punkte gesammelt, heute sind’s sieben weniger. Die Gegner waren Aue, Frankfurt, Groß-Bieberau und Coburg. Allesamt heute Drittligisten, gegen die der TV Bittenfeld wahrscheinlich auch in der aktuellen – nicht gerade prächtigen Form – gepunktet hätte. Zum Vergleich: In dieser Saison haben sieben Gegner den TVB bezwungen, sechs davon stehen auf den Plätzen eins bis sechs.

Nur der Erstliga-Absteiger ASV Hamm hat, als TVB-Bezwinger, genauso wenig Pluspunkte auf dem Konto wie die Bittenfelder – und damit ähnliche Probleme. Der VfL Bad Schwartau, im Vorjahr immerhin Vierter der Nordstaffel, hat gar nur zwei Punkte gesammelt und ist Schlusslicht. Mit der HSG Düsseldorf steht der Dritte der Südstaffel mit nur einem Zähler mehr als der TVB auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Ex-Erstligist HSG Nordhorn hat mit acht Punkten die Erwartungen auch nicht erfüllt. Andere etablierte Mannschaften werden also von ähnlichen Sorgen geplagt. Das verbessert zwar die Lage des TVB nicht. Es hilft aber, diese einigermaßen einzuschätzen, ohne sie zu verharmlosen. Davon sind die Verantwortlichen weit entfernt. So will Günter Schweikardt die – mittlerweile auskurierten – Verletzungen seiner Spieler nicht mehr thematisieren. Das ist ebenso löblich wie die Tatsache, dass der Trainer seinem aktuellen Kader vertraut und ihm die Chance gibt, sich auch dem Tief herauszuarbeiten. Panikverpflichtungen sind jedenfalls derzeit offensichtlich kein Thema.

Andererseits: Die Bittenfelder müssen langsam anfangen zu punkten. In den nächsten Spielen gibt’s gegen Mannschaften die Gelegenheit, die – zumindest auf dem Papier – nicht zu den Spitzenteams zählen. Dann wäre die Welt bis Weihnachten wieder in Ordnung und der TV Bittenfeld dort, wo er hingehört: ins Mittelfeld der eingleisigen 2. Handball-Bundesliga.

Der TV Bittenfeld wird sich wieder berappeln, dazu steckt zu viel Potenzial in der Mannschaft. Die arrivierten Spieler werden ihre Form wieder finden. Damit wird den jungen, die derzeit oft die Verantwortung übernehmen müssen, der Druck wieder ein Stück weit genommen. Außerdem bewegen sich die Bittenfelder ja auch nicht komplett neben der Spur. Es gab durchaus ordentliche Spiele, in denen sie die Punkte allerdings oft großzügig herschenkten. Zudem steht der TVB im Achtelfinale des DHB-Pokals. Und dorthin gelangt keiner mit Niederlagen.

Klar ist aber auch: Das Thema Ligaverbleib wird den TVB die gesamte Saison über beschäftigen. Wie übrigens vermutlich ein Dutzend andere Teams auch. Das wiederum ist keine große Überraschung angesichts der ausgeglichenen Liga.