Ein „kleines Gewitter“ über der Gemeindehalle

Die 27:34-Pleite der Bittenfelder Zweitliga-Handballer hat bei deren Trainer Wirkung hinterlassen. „Solche Erlebnisse sind wie kleine Gewitter“, sagt Günter Schweikardt. Sie könnten reinigende Wirkung haben. „Ich hoffe, das Spiel hat den einen oder anderen zur richtigen Selbsteinschätzung gebracht.“ Heute Abend steht im DHB-Pokalspiel beim Drittligisten SV Beckdorf die Charakterfrage an.

Es war eine jener Nächte, die Günter Schweikardt unruhig schlafen ließ. An ein Spiel wie das gegen den TV Emsdetten kann sich der Bittenfelder Trainer nicht erinnern. Und der 62-Jährige hat in seiner Laufbahn schon einige erlebt. „Das ist schwer verständlich“, sagt er selbst mit zwei Tagen Abstand. „Es wäre äußerst oberflächlich, wenn man sich mit diesem Spiel nicht eingehend beschäftigen würde.“

Viele Fans fühlten sich am Samstag an die 21:28-Niederlage im Dezember vergangenen Jahres in der Porsche-Arena gegen den EHV Aue erinnert. Damals indes lief’s von Beginn an nicht rund. Gegen Emsdetten zeigte der TVB zwei extrem unterschiedliche Gesichter. Bereits am Sonntag schob Schweikardt die DVD des Spiels nochmals in den Rekorder. Viel Neues, was er am Samstag nicht schon gesehen hätte, habe es nicht zu entdecken gegeben. Die Konserve machte den hilflosen Auftritt des TVB zwischen der 36. und 60. Minute logischerweise nicht besser. Ein Spiel nach sieben Toren Führung mit sieben Toren Differenz zu verlieren: Da muss schon einiges schieflaufen. Und das tat es am Samstag.

An einzelnen Szenen will sich Schweikardt in seiner Analyse nicht lange aufhalten. Dass seine Spieler jedoch im Angriff die Verantwortung weitergeschoben und die Bälle gleich reihenweise hergeschenkt hätten, das schlug Schweikardt doch auf den Magen. Und das dilettantische Verhalten bei Abprallern vor dem eigenen Tor. Fast ausnahmslos landeten die bei Emsdettener Spielern. In diesen Szenen war den Bittenfelder eine Portion Schlafmützigkeit nicht abzusprechen. „Wenn wir nur drei, vier Abpraller bekommen, verlieren wir das Spiel nicht“, sagt Schweikardt. In einem Spiel gebe es viele Mosaiksteinchen, die zu einem Erfolg oder Misserfolg führten. „Das war am Samstag ein ganz wesentliches.“

So mussten die Bittenfelder nach 18 Spielen ohne Niederlage in der Gemeindehalle wieder einmal beide Punkte abgeben. Nach knapp einem Viertel der Saison steht der TVB mit fünf Punkten auf dem 16. Platz, nur die bessere Tordifferenz im Vergleich zur SG BBM Bietigheim trennt ihn von einem Abstiegsrang. „Ganz klar, wir spielen zunächst einmal um den Ligaverbleib“, sagt Schweikardt.
 

Knabbern oder Erkenntnisse ziehen

Allzu viel Energie will der Trainer für die Aufarbeitung des Emsdetten-Spiels nicht mehr verwenden. „Es gibt zwei Möglichkeiten“, sagt er. „Entweder man knabbert ewig daran, oder man zieht wichtige Erkenntnisse daraus. Und nichts kann so schlecht sein, als dass es nicht für etwas gut wäre.“ Jeder Spieler müsse sich selbst hinterfragen, was er zum Spiel beigetragen habe. „Ich hoffe, das wird den einen oder anderen zur richtigen Selbsteinschätzung bringen.“

Schon heute Abend haben die Bittenfelder die Gelegenheit dazu zu zeigen, dass sie ihre Lektion gelernt haben: In der dritten Runde um den Pokal des Deutschen Handball-Bundes muss der TVB um 20 Uhr beim Nord-Drittligisten SV Beckdorf antreten. Um 10 Uhr hebt das Flugzeug nach Hamburg ab, an Bord sein wird aus Kostengründen nur eine kleine Delegation: Trainer Günter Schweikardt, Betreuer Herbert Stadler, zehn Feldspieler und zwei Torhüter. Am Mittwoch um 7 Uhr geht’s zurück in die Heimat. Beckdorf liegt mit 6:10 Punkten auf dem zwölften Platz der 3. Liga Nord. Schweikardt ist sich sicher, dass die Beckdorfer sein Team herausfordern werden. „Da wird sich wieder zeigen, welche Qualität wir haben.“ Schweikardt hat sich bei einem Trainerkollegen, der mit ihm gemeinsam die A-Lizenz gemacht hat, Informationen über den Gegner geholt. Der Gegner sei gut aufgestellt, habe auch einen Profi im Kader. Ein Sieg in Beckdorf würde den Bittenfeldern vor dem Spiel in Essen am Sonntag ein Stück des angeknacksten Selbstvertrauens zurückbringen. Selbst wenn der Gegner nur ein Drittligist ist. Außerdem könnte der TVB die Zusatzkosten hereinspielen, die mit dem Spiel verbunden sind. Am besten mit einem Heimspiel in der vierten Pokalrunde gegen einen Erstligisten.