„Wer nichts riskiert, gewinnt nichts“

Der TV Bittenfeld muss sich gegen den TV Emsdetten die in Neuhausen verlorenen Punkte dringend zurückholen. Der Vorjahresdritte der Nordstaffel fügte zuletzt der HSG Düsseldorf die erste Auswärtsniederlage zu – und kommt gleich mit vier aktuellen Nationalspielern. Für TVB-Trainer Günter Schweikardt gehört der TVE zum Kreis der Aufstiegskandidaten.

Die Bittenfelder stehen vor ebenso wegweisenden wie kräfteraubenden Wochen. Zuerst kommt der Vorjahresdritte TV Emsdetten in die Gemeindehalle, danach geht’s im DHB-Pokal ins 700 Kilometer entfernte Beckdorf nahe Hamburg, am Freitag darauf kommt der GWD Minden in die Porsche-Arena und schließlich fliegen die Bittenfelder eine Woche später nach Berlin zum Spiel gegen Potsdam.

Erschwerend hinzu kommt, dass der TVB die Aufgaben alles andere als entspannt angehen kann. Dazu ist Ausbeute von 5:9 Punkten zu dürftig. Bereits morgen kann die Devise für die Bittenfelder nur heißen: Sieg. Und das gegen einen Gegner, den der Bittenfelder Trainer am Ende der Saison zumindest nahe an den drei Aufstiegsplätzen erwartet. Sich über die Stärke des Gegners auszulassen, bringe „in unserer Situation“ nichts, sagt Günter Schweikardt. „Wir brauchen dringend Punkte.“

In den vergangenen fünf Spielzeiten der 2. Liga Nord war der TV Emsdetten immer unter den ersten Fünf zu finden, vor zwei Jahren scheiterte er als Zweiter in den Relegationsspielen zur 1. Bundesliga an Dormagen. In der vergangenen Saison hatte der TVE als Dritter zehn Punkte Rückstand auf den Meister Eintracht Hildesheim, neun auf den Zweiten GWD Minden.

Auch in dieser Spielzeit hat der schwedische Trainer Patrick Liljestrand wieder einen Kader zur Verfügung, mit dem er eigentlich ganz vorne mitspielen müsste. Elvir Selmanovic war in der vergangenen Saison der beste Schütze der 2. Liga Nord und Süd. Dem Serben gelangen in 32 Spielen 281 Tore, das macht einen Schnitt von 8,8 Treffern pro Partie.

Ersetzen musste Emsdetten zur aktuellen Runde fünf Spieler: Kennie Boysen, Sigfus Sigurdsson, Sascha Bertow, Petr Kust und Torhüter Hreidar Gudmundsson. Für Letzteren hat der TVE einen namhaften Nachfolger gefunden: Der 37-jährige Weißrusse Vitali Feshchanka hat 70 Länderspiele bestritten, er spielte in Spanien und bei den deutschen Erstligisten DHC Rheinland und MT Melsungen.

Neu im Team ist auch der 45-fache österreichische Nationalspieler und abwehrstarke Linkshänder Janko Bozovic (26). Der Rückraumspieler spielte zuletzt in Friesenheim und davor bei den Füchsen Berlin, erzielte bei der WM in Schweden 26 Treffer für Österreich. Mit Selmanovic und Bozovic auf den Halbpositionen und dem isländischen Nationalspieler Fannar Fridgeirsson, Ex-Mannschaftskollege von Arnor Gunnarsson in Reykjavik, auf der Mitte hat Emsdetten einen starken Rückraum – und seit kurzem einen vierten aktuellen Nationalspieler in seinen Reihen: Linksaußen Jeffrey Boomhouwer ist in die niederländische Auswahl berufen worden. Beim TVE bildet der 23-Jährige zusammen mit Marcel Giesbert (23) eine gefährliche Flügelzange. Ein weiterer treffsicherer Spieler ist derzeit verletzt: Nur sieben Spieler der 2. Liga Nord trafen in der Vorsaison aus dem Feld heraus öfter als der Weißrusse Andrej Kurchev (159 Tore).

Mit 8:6 Zählern liegt der TV Emsdetten ein bisschen hinter den Erwartungen zurück. Wobei Liljestrand die Punktausbeute teilweise mit dem personellen Notstand begründet. Immer wieder musste er, wie der TV Bittenfeld auch, angeschlagene Spieler einsetzen. Immerhin reichte es zu zwei Auswärtssiegen in Korschenbroich (29:28) und Bad Schwartau (27:24). In Bietigheim musste sich der TVE mit 32:35 geschlagen geben.

Zuletzt bezwang Emsdetten die HSG Düsseldorf ungefährdet mit 26:22. Überragender Spieler war dabei Torhüter Nils Babin. Der 24-Jährige wehrte 23 Würfe ab, darunter vier Siebenmeter. „Wir wissen, dass wir eine gute Leistung brauchen“, sagt Schweikardt. „Aber wir haben in Neuhausen nicht so schlecht gespielt. Wenn wir eine gute Abwehr stellen, werden wir gewinnen.“

Hoffnung gibt dem Trainer, dass er alle Spieler zur Verfügung hat. Wahrscheinlich auch Daniel Sdunek. Der Torhüter war unter der Woche erkältet, hat aber gestern wieder trainiert. „Die Kräfte müssten also reichen für 60 Minuten, da gibt’s keine Ausreden mehr.“ Von seinen Spielern erwartet Schweikardt mehr Mut im Abschluss. „Wer nichts riskiert, gewinnt auch nichts.“