TVB wieder in einer „schwierigen Situation“

Nach dem 27:30 in Neuhausen ist Handball-Zweitligist TV Bittenfeld nur aufgrund des besseren Torverhältnisses nicht auf einen Abstiegsplatz gerutscht. TVB-Trainer Günter Schweikardt hatte auch gestern noch an der Niederlage zu knabbern. „Das war sehr, sehr ärgerlich“, sagte er. „Damit haben wir uns wieder in eine schwierige Situation gebracht.“

Die Neuhausener waren ungemein heiß darauf, die Bittenfelder zum ersten Mal in der 2. Liga zu besiegen. Das hatten sie bereits im Vorfeld mit einem Plakat dokumentiert, auf dem ein martialischer Krieger mit Speer und Schutzschild abgebildet war. „Derbytime: Die Hofbühlhalle wird verteidigt“, lautete die Ansage.

Heiß her, aber überwiegend fair, ging’s in den 60 Minuten auf und neben dem Spielfeld. Die 1250 Fans in der Hofbühlhalle veranstalteten – wieder einmal – ein Spektakel. Am Ende feierten sie gemeinsam mit den Neuhausener Spielern den Sieg in vollen Zügen. Aus Bittenfelder Sicht dagegen war’s eine „unnötige“ Niederlage, wie Günter Schweikardt befand. Sicherlich habe sich in der Schlussphase das Glück auf die Seite der Neuhausener geschlagen. Daran alleine indes wollte der Trainer die Niederlage nicht festmachen. „Wir haben sie uns zu großen Teilen selbst zuzuschreiben.“

Baumgarten meldete sich am Freitag einsatzfähig

Dabei waren die personellen Voraussetzungen vor dem Derby so gut wie schon lange nicht mehr. Das Comeback von Adrian Wehner hatte sich unter der Woche bereits abgezeichnet. Dass aber Simon Baumgarten wieder einsatzfähig sein würde, das war bis zwei Tage vor dem Spiel äußerst unwahrscheinlich. Am Donnerstag habe Baumgarten zum ersten Mal „richtig“ mit der Mannschaft mittrainiert und „gemerkt, dass es geht“. Am Freitag unterzog sich der Kreisläufer einem letzten Härtetest – und gab anschließend grünes Licht fürs Derby.

Das eröffnete den Bittenfeldern ganz neue taktische Möglichkeiten: Mit zwei Kreisläufern versuchten sie, die Neuhausener Abwehr auszuhebeln. Allerdings erst nach 27 Minuten. Bis dahin musste Schweikardt einige seelische Schmerzen ertragen. Die Anfangsphase erinnerte stark an den Bittenfelder Auftritt vor fast einem Jahr an gleicher Stelle. Damals lagen sie mit 10:15 im Hintertreffen, am Samstag mit 4:9.

Der hohe Rückstand war für Schweikardt ein erster Knackpunkt im Spiel. „Man kann in einem solchen Spiel ja schon ein bisschen nervös sein am Anfang, es kann auch nicht alles gelingen“, sagte er. Für die vielen „einfachsten Zuspielfehler“ seiner Mannschaft hatte er aber wenig Verständnis. „Das geht gar nicht, wir haben die ersten fünf Bälle einfach weggeworfen.“

Wie im November 2010, so kämpften sich die Bittenfelder wieder zurück ins Spiel. Damals verzweifelten die Neuhausener Werfer am überragenden TVB-Torhüter Bastian Rutschmann, nun lief dessen Nachfolger Gregor Lorger zu großer Form auf. Der Slowene hatte großen Anteil daran, dass die Bittenfelder drauf und dran waren, das Spiel zu drehen.

Viermal ging der TVB mit einem Tor in Führung. Er schaffte es aber nicht, den Gegner auf Distanz zu bringen. „Dann wären wir und auch die Zuschauer ruhiger geworden“, sagt Schweikardt. Plötzlich aber habe der Abwehr die notwendige Aggressivität gefehlt, die den TVB während der Aufholjagd noch ausgezeichnet hatte. „Wir haben zu passiv und zu berechnend agiert.“

Die eine oder andere „blöde“ Hinausstellung, das grenzwertige Stürmerfoul gegen Dominik Weiß und der nicht mehr so ideenreiche Angriff brachten Neuhausen wieder in Vorteil. „Vielleicht hätten wir in der Schlussphase den Angriff noch mal umstellen müssen“, sagt Schweikardt. Der wieder genesene Adrian Wehner kam erst sieben Minuten vor dem Ende zu seinem Comeback. Und das Vertrauen in Arni Sigtryggsson und Jan Forstbauer schien nicht allzu groß. Die beiden Linkshänder hatten in der Anfangsphase ziemlich unglücklich agiert.

Die Neuhausener nutzten entschlossen ihre Chance, sind nach wie vor als einziges Team der Liga ohne Niederlage. In der Tabelle liegen zwischen dem TVN und dem TVB neun Plätze und acht Minuspunkte. Die Bittenfelder können sich nichts dafür kaufen, dass der tatsächliche Leistungsunterschied zwischen beiden Mannschaften keinesfalls so groß ist.

Am Samstag steht der TVB gegen den TV Emsdetten – ähnlich wie vor dem Rostock-Spiel – wieder unter Druck. „Das ist zweifellos eine schwierige Situation für uns, ein Sieg in Neuhausen hätte uns sehr gutgetan“, sagt Schweikardt. „Wir müssen uns jetzt von Spiel zu Spiel hinten rauskämpfen.“ Der TVB steht vor drei anstrengenden Wochen: In sieben Tagen steht die lange Reise in den hohen Norden zum DHB-Pokalspiel gegen den Drittligisten SV Beckdorf an, drei Tage später kommt der Titelfavorit GWD Minden in die Porsche-Arena. Anschließend fliegt der TVB nach Potsdam.